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	<title>Stadt Ingolstadt Stadtgeschichtslexikon - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<title>Wiki:Impressum</title>
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		<updated>2025-03-05T06:17:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: OB geändert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Herausgeber ==&lt;br /&gt;
Stadt Ingolstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentrum Stadtgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Schanz 45 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
85049 Ingolstadt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Telefon: (0841) 305-1881 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E-Mail: kontakt@stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Oberbürgermeister Dr. Michael Kern&lt;br /&gt;
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[https://ingolstadt.de/Service/Weitere-Themen/Zugangseroeffnung/?La=1 Hinweise zur Eröffnung der elektronischen Kommunikation (Zugangseröffnung)]&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Jede Art der Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung, Einspeicherung und jede Art der Verwertung außerhalb der oben genannten Creative-Commons-Lizenz bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des jeweiligen Rechteinhabers. Die unerlaubte Nutzung der bereitgestellten Informationen auf diesen Webseiten ist nicht gestattet und strafbar. Ausführliche Abbildungsnachweise entnehmen Sie bitte der Abbildungsansicht. Das Angebot Stadtgeschichtslexikon Ingolstadt dient ausschließlich wissenschaftlichen, heimatkundlichen, schulischen, privaten oder informatorischen, jedenfalls nicht-kommerziellen Zwecken. Eine Vervielfältigung oder Verwendung dieser Seiten oder von Teilen davon in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ausschließlich nach vorheriger Genehmigung gestattet. Eine unautorisierte Übernahme ist unzulässig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bitte wenden Sie sich an:&lt;br /&gt;
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Stadt Ingolstadt&lt;br /&gt;
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E-Mail: kontakt@stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Frauenhaus_(Bordell)&amp;diff=1683</id>
		<title>Frauenhaus (Bordell)</title>
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		<updated>2024-03-27T05:58:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Lisa Weber&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauenhäuser waren im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit Bordelle, die der Stadt oder dem Landesherrn gehörten oder durch sie angemietet wurden. Sie wurden von einem Frauenwirt oder einer Frauenwirtin geführt&amp;lt;ref&amp;gt;Schuster (1992), S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; und existierten von Anfang des 14. bis Ende des 16. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Ingolstädter Frauenhaus ==&lt;br /&gt;
Das Ingolstädter Frauenhaus befand sich innerhalb der Stadtmauer in der Nähe des heutigen [[Scherbelberg|Scherbelberges]]. Das im 16. Jahrhundert dort entstandene Bollwerk erhielt aufgrund seiner Lage in der Nähe des Frauenhauses die Bezeichnung [[Frauenhausbastei]].&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 533.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wann das Frauenhaus entstanden ist und wie lange es existierte, ist unklar. Zum ersten Mal gesichert nachweisen lässt es sich 1469.&amp;lt;ref&amp;gt;Schuster (1992), S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es dürfte bis nach 1562 bestanden haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 184.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Frauenhaus handelte es sich um eine öffentliche Einrichtung. Der Rat der Stadt übte die Kontrolle darüber aus und sorgte unter anderem für den baulichen Unterhalt. Im Gegenzug erhob die Stadt einen Zins davon. Zudem ernannte der Rat einen sogenannten Frauenwirt, der die Einrichtung leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2006), S. 179.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prostitution wurde im Allgemeinen zwar nicht befürwortet oder gefördert, aber als notwendiges Übel betrachtet. Durch Frauenhäuser konnte die Prostitution zumindest teilweise überwacht und gesteuert werden. Dies war einer der Hauptgründe für ihre Entstehung.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 45.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich war Männern der Besuch im Ingolstädter Frauenhaus ohne Strafe möglich, es sei denn, sie störten dabei die öffentliche Ruhe und Ordnung oder waren verheiratet. Wurden sie des Ehebruchs überführt, kamen sie in der Regel für kurze Zeit in Haft. Nach ihrer Freilassung wurden sie mit einer Geldstrafe belegt oder aus der Stadt ausgewiesen, wobei sich die Strafe im Nachhinein nicht selten aufgrund von Bittgesuchen reduzierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Frauenhaus gab es auch die sogenannte „freie Prostitution“. Frauen gingen in Privatbordellen ihrer Tätigkeit nach oder arbeiteten auf eigene Rechnung in den Gassen, Wirtshäusern oder Trinkstuben Ingolstadts.&amp;lt;ref&amp;gt;Schuster (1992), S. 122–123.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Geschichte der Stadt Ingolstadt. Von den Anfängen bis 1505. Ingolstadt 2000.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Geschichte der Stadt Ingolstadt. 1506-1600. Ingolstadt 2006.&lt;br /&gt;
* Schuster, Peter: Das Frauenhaus. Städtische Bordelle in Deutschland 1350 bis 1600. Paderborn 1992.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
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		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Pferdebahn&amp;diff=1678</id>
		<title>Pferdebahn</title>
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		<updated>2024-03-26T10:47:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: J.Kambach verschob die Seite Werkstatt:Pferdebahn nach Pferdebahn, ohne dabei eine Weiterleitung anzulegen: Veröffentlichung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ingolstädter Pferdebahn wurde zwischen dem 10. November 1878 und dem 3. März 1921 als Verkehrsmittel zwischen der Ingolstädter Innenstadt und dem ca. 3 km entfernten [[Hauptbahnhof]] genutzt.&lt;br /&gt;
[[Datei:Pferdebahn ZentrumStadtgeschichte.jpg|mini|Pferdebahn vor dem Donautor (Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangslage ==&lt;br /&gt;
Der Ingolstädter [[Hauptbahnhof|Centralbahnhof]] (heute Hauptbahnhof) wurde am 1. Juni 1874 eröffnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Schönewald.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund des [[Festung Ingolstadt|Festungscharakters]] der Stadt liegt der Hauptbahnhof 3,26 km von der Innenstadt entfernt – außerhalb der Stadt und auf der anderen Seite der [[Donau]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst transportierten Kutschen die Reisenden zum Bahnhof. Zur Bewältigung des zunehmenden Personenverkehrs am Centralbahnhof wurde der Einsatz von Pferdeomnibussen notwendig. 1876 bedurfte es jedoch eines leistungsfähigeren und sicheren Verkehrsmittels für diese Verbindung. In diesem Zuge nahm die Stadt Ingolstadt Kontakt zum Stadtmagistrat München auf, um sich über eine Pferdebahn zu informieren, da diese dort bereit im Einsatz war. Aufgrund positiver Rückmeldung begann auch die Stadt Ingolstadt eine Pferdebahn nach dem Vorbild von München zu planen. Sie wollte jedoch nicht das Risiko des Bahnbaus und Betriebes auf sich nehmen, weshalb sie einen Unternehmer suchte, der bereit war, das Risiko zu tragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Unternehmer war der Civilingenieur [[Hermann Reuß]] (* um 1838 in Bad Kissingen, † 7. August 1887 in Ingolstadt).&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, Sterberegister Ingolstadt 355/1887.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Errichtung der Pferdebahn ==&lt;br /&gt;
Hermann Reuß war bereit, die Pferdebahn zu erbauen und zu betreiben. Nachdem er eine Konzession erhalten hatte, kaufte er ein Grundstück in der [[Münchener Straße]] 81, wo er ein Betriebsgebäude errichtete, welches sowohl als Wohnsitz für seine Familie diente als auch Stallungen und eine Wagenremise im Garten umfasste.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Schienenlegung begann am 25. September 1878.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhn (1931).&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 9. November 1878 konnte die Firma unter dem Namen „Ingolstaedter Tramway – H. Reuß“ in das Firmenregister des Handelsgerichts München eingetragen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eröffnung „des Ingolstaedter Tramway“ fand am 10. November 1878 um 11:00 Uhr statt. Bereits am Eröffnungstag sollen 700 Fahrgäste befördert worden sein. Am folgenden Tag trat der Fahrplan in Kraft, der täglich von 4:30 Uhr bis 0:00 Uhr 48 Fahrten zwischen dem Centralbahnhof und der Stadt umfasste.&amp;lt;ref&amp;gt;Martinus (1878).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Täglich wurden auf diesem Wege ca. 500 Personen befördert. Der Fahrpreis betrug 20 Pfennige.&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 126.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Betriebsaufnahme bewältigten fünf geschlossene und fünf offene Personenwagen den Personenverkehr, sogenannte Salonwagen und Sommerwagen. Ergänzt wurden diese durch acht Wagen für den Güterverkehr und zwei Wagen zur Postbeförderung. Später beschaffte Reuß weitere drei Salonwagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strecke ==&lt;br /&gt;
Die Strecke verlief vom [[Poppenbräu]] am [[Kreuztor]] vorbei am [[Liebfrauenmünster|Münster]], durch die [[Theresienstraße]] zur Kreuzung [[am Stein]] beim [[Schliffelmarkt]] und die [[Moritzstraße]] entlang zum Gouvernementsplatz (heute [[Rathausplatz]]). Von dort fuhr die Pferdebahn durch das [[Donautor]] über die [[Donaubrücke]] weiter zum Centralbahnhof.&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt; An den Endhaltepunkten waren keine Schienenschleifen vorhanden, weshalb dort umgespannt werden musste.&amp;lt;ref&amp;gt;Daniel (1980), S. 89.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Fahrt dauerte etwa 25 Minuten.&lt;br /&gt;
[[Datei:TheresienstrasseCafeBärenPferdebahn Zentrum Stadtgeschichte.jpg|mini|Pferdebahn in der Theresienstraße vor dem Cafe Bären (Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)]]&lt;br /&gt;
Insgesamt umfasste die 3,26 km lange Strecke 10 Haltestellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Liebfrauenmünster|Obere Pfarrkirche]] (Poppenbräu)&lt;br /&gt;
* Adler (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Bären (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Schliffelmarkt&lt;br /&gt;
* Gouvernements-Platz (am heutigen Rathausplatz)&lt;br /&gt;
* beim Kritzschen (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Bonschab (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Donauwörther Überfahrt (mit Ausweiche)&lt;br /&gt;
* Bichler (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Centralbahnhof&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Güter- und Postverkehr führte die Strecke bis 1913 an der Endhaltestelle am Münster noch ca. 250 m weiter bis zur Alten Post. Am Centralbahnhof führte die Bahn bis zum Postgleis der Staatsbahn und endete etwa 400 m südlich.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Personal ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Fahrordnung1897 A XIII. 51g ZentrumStadtgeschichte.jpg|mini|Fahrordnung der Ingolstädter Tramway, 1897 (A XIII 51g, Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)]]&lt;br /&gt;
Bei der Betriebsaufnahme waren 13 Personen bei Hermann Reuß beschäftigt: zwei Kontrolleure, drei Kondukteure, vier Kutscher, ein Futtermeister, ein Stallbursche und zwei Bürokräfte. Um 1908 wurde das Personal auf 19 Personen erhöht, was wohl auch in den folgenden Jahren beibehalten wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fahrgäste ==&lt;br /&gt;
Nach Ablauf des ersten Betriebsjahres wurde die Pferdebahn von etwa 185.000 Personen auf 10.000 Fahrten genutzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhn (1931).&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Personenverkehr war 1908 auf 256.000 und 1914 auf 328.566 Personen gestiegen. In den letzten Betriebsmonaten wurden 650.000 Personen befördert.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Betrieb bis 1919 ==&lt;br /&gt;
Zunächst waren die Ingolstädter begeistert von der neuen und modernen Pferdebahn. Schnell merkten sie jedoch, dass dieses Verkehrsmittel auch Schwierigkeiten mit sich brachte. Gelegentlich war es wohl notwendig, dass die Passagiere beim Passieren der Donaubrücke anschoben, insbesondere an vereisten oder verregneten Tagen&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder wenn die Bahn zu stark besetzt war.&amp;lt;ref&amp;gt;Daniel (1980), S. 90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die scharfe Kurve am Schliffelmarkt erwies sich als Herausforderung, da dort immer wieder Wagen entgleisten.&amp;lt;ref&amp;gt;Kostka (1878).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So entstand der Spottspruch:&amp;lt;blockquote&amp;gt;„Kommt man in Ingolstadt an,&lt;br /&gt;
so geht’s zur Pferdebahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nur, wenn’s stark pressiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann wird … zu Fuß marschiert.“&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 126.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Hermann Reuß führte die Pferdebahn bis zu seinem Tod am 7. August 1887. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm seine Witwe Karoline Reuß zunächst die Geschäfte. 1897 wurde der Betrieb vom Sohn August Reuß aus München übernommen und geleitet. Dieser benannte die Firma in „Pferdebahn Ingolstadt (Ingolstädter Tramway H. Reuß)“ um.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kriegszeit war man froh, ein funktionierendes Verkehrsmittel zwischen Centralbahnhof und Stadt zu haben. Der Betrieb wurde jedoch aufgrund von Pferdemangel, Personalmangel und finanziellen Verlusten des Unternehmers, die zu Fahrplaneinschränkungen, Tariferhöhungen und Vernachlässigung der Bahn führten, beeinträchtigt. Durch Teuerungen unter anderem von Futter, Material und steigenden Lohnkosten machte das Unternehmen Verluste&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;, was 1918 zu einer Tariferhöhung führte. Parallel dazu errichtete die Stadt zur Unterstützung der Pferdebahn eine Omnibuslinie, welche die Bahn zwar nicht behindern durfte, sich jedoch größerer Beliebtheit erfreute als die Pferdebahn. Das führte dazu, dass sich die finanzielle Situation von August Reuß nicht besserte und zur Kündigung des Vertrages mit der Stadt führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Betrieb 1919-1921 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:HauptbahnhofmitPferdebahn neg10596 ZentrumStadtgeschichte.jpg|mini|Hauptbahnhof mit Pferdebahn (Neg. 10596, Zentrum Stadtgeschichte)]]&lt;br /&gt;
Zum 1. Oktober 1919 ging die Pferdebahn in den Besitz der Stadt Ingolstadt über. Hierbei übernahm die Stadt neben dem Unternehmen auch das Anwesen und das Personal der Firma. Die Leitung des „Städtischen Pferdebahn- &amp;amp; Speditionsunternehmens Firma H. Reuß“ bekam der Stadtbauführer Eduard Braun übertragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis 16. November 1919 konnte der Fahrpreis beibehalten werden, ehe eine Preiserhöhung auf 40 Pfennige für die ganze und 20 Pfennige für die halbe Strecke folgte.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Preiserhöhungen folgten zum 1. März, 1. August und 1. November 1920.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits vor der Übernahme der Bahn durch die Stadt gab es Diskussionen über die Abschaffung der Pferdebahn bzw. dem Bau einer elektrifizierten Bahn. 1921 entschloss man sich endgültig, die Pferdebahn einzustellen und vorläufig durch einen Omnibusverkehr zu ersetzen. Die letzte Fahrt der Pferdebahn fand am 3. März 1921 um 12:30 Uhr von der Theresienstraße zum Hauptbahnhof statt. In den gesamten 43 Jahren des Pferdebahnbetriebes wurden etwa 1800 Pferde eingesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pläne zur Elektrifizierung ==&lt;br /&gt;
Bereits seit 1908 wurde versucht, die Idee einer elektrifizierten Straßenbahn umzusetzen. So kam es 1914 sogar zu einer Vertragskündigung mit August Reuß durch die Stadt, da eine elektrische Straßenbahn die Pferdebahn ersetzen sollte. Aufgrund des beginnenden Ersten Weltkrieges wurde diese jedoch rückgängig gemacht und Umbaumaßnahmen zurückgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1917 bildete sich eine „Bürgerinitiative zur Einführung des elektrischen Betriebs“, deren Ziel die Elektrifizierung der Bahn in Ingolstadt war. In einer Entschließung zum Straßenbahnbetrieb bezeichneten sie die Pferdebahn als unhaltbar und forderten Verbesserungen sowie die Aufnahme von Bauarbeiten für eine elektrische Straßenbahn. &amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies führte zunächst zur Einführung einer Omnibuslinie auf der Strecke. Aus finanziellen Gründen wurden die Bauarbeiten zur elektrischen Straßenbahn nicht aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Einstellung der Bahn 1921 wurden erneut Pläne zur Elektrifizierung erstellt. Als Übergangslösung sollte der Omnibusverkehr dienen, bis die Pläne einer elektrifizierten Straßenbahn umgesetzt werden konnten. Der Omnibusverkehr bewährte sich jedoch, sodass 1927 die Pläne einer Straßenbahn aufgegeben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spuren in Ingolstadt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wandbild der Pferdebahn im Treppenhaus der Theresienstraße 32&lt;br /&gt;
* Reußstraße nahe [[Westfriedhof]]&lt;br /&gt;
* Lied der Pferdebahn in [[Pioniere in Ingolstadt|&amp;quot;Pioniere in Ingolstadt&amp;quot;]] von [[Marieluise Fleißer]]&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, MLF-Archiv VI, 2a, 1, S. 52 – 14. Bild – Fertige Brücke.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c: Die Pferdebahn im Besitze der Stadt (1919-1921).&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, MLF-Archiv VI, 2a, 1, S. 52 – 14. Bild – Fertige Brücke: Pferdebahnlied - Fleißers Pioniere in Ingolstadt, Fassung 1928, Dresden.&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, Sterberegister Ingolstadt 355/1887: Sterberegistereintrag von Hermann Reuß (1887).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bergsteiner, Leonhard: Ingolstaedter Tramway Hermann Reuß. 1878 - 1921. 2. Aufl. Karlsruhe 1991.&lt;br /&gt;
* Daniel, Gerd: Die Schanz. Ingolstadt in Erzählungen, Anekdoten und Originalen. Wiehl 1980.&lt;br /&gt;
* Kostka, Stanislaus: Ingolstadt und Umgebung. In: Ingolstädter Zeitung (13.11.1878).&lt;br /&gt;
* Kuhn, Hans: Ingolstädter Heimatblätter. Die Pferdebahn. Nr. 17, S. 67. In: Ingolstädter Heimatblätter, Jg. 3, H. 17 (1931), S. 67.&lt;br /&gt;
* Martinus, P.: Ingolstadt und Umgebung. In: Ingolstädter Zeitung (11.11.1878).&lt;br /&gt;
* Schönewald, Beatrix: &amp;quot;König Ludwigs&amp;quot; Zentralbahnhof. Die Geschichte der Eisenbahn in Ingolstadt. Verkehrsverbund Großraum Ingolstadt, VGI. Online verfügbar unter &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.invg.de/Historisches&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, zuletzt geprüft am 18.01.2024.&lt;br /&gt;
* Treffer, Gerd: &amp;quot;Weilst nur grad da bist, Maxl&amp;quot;. Episoden bayerischer Geschichte. 1. Aufl. Ingolstadt 2008.&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Kambach, Jasmin}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landesfestung und Industrialisierung (19. bis Anfang 20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erster Weltkrieg (1914-1918)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Weimarer Republik (1918-1933)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alltag und Gesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verkehr und Infrastruktur]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Pferdebahn&amp;diff=1677</id>
		<title>Pferdebahn</title>
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		<updated>2024-03-26T10:46:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Zitierweise und Kategorien ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ingolstädter Pferdebahn wurde zwischen dem 10. November 1878 und dem 3. März 1921 als Verkehrsmittel zwischen der Ingolstädter Innenstadt und dem ca. 3 km entfernten [[Hauptbahnhof]] genutzt.&lt;br /&gt;
[[Datei:Pferdebahn ZentrumStadtgeschichte.jpg|mini|Pferdebahn vor dem Donautor (Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangslage ==&lt;br /&gt;
Der Ingolstädter [[Hauptbahnhof|Centralbahnhof]] (heute Hauptbahnhof) wurde am 1. Juni 1874 eröffnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Schönewald.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund des [[Festung Ingolstadt|Festungscharakters]] der Stadt liegt der Hauptbahnhof 3,26 km von der Innenstadt entfernt – außerhalb der Stadt und auf der anderen Seite der [[Donau]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst transportierten Kutschen die Reisenden zum Bahnhof. Zur Bewältigung des zunehmenden Personenverkehrs am Centralbahnhof wurde der Einsatz von Pferdeomnibussen notwendig. 1876 bedurfte es jedoch eines leistungsfähigeren und sicheren Verkehrsmittels für diese Verbindung. In diesem Zuge nahm die Stadt Ingolstadt Kontakt zum Stadtmagistrat München auf, um sich über eine Pferdebahn zu informieren, da diese dort bereit im Einsatz war. Aufgrund positiver Rückmeldung begann auch die Stadt Ingolstadt eine Pferdebahn nach dem Vorbild von München zu planen. Sie wollte jedoch nicht das Risiko des Bahnbaus und Betriebes auf sich nehmen, weshalb sie einen Unternehmer suchte, der bereit war, das Risiko zu tragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Unternehmer war der Civilingenieur [[Hermann Reuß]] (* um 1838 in Bad Kissingen, † 7. August 1887 in Ingolstadt).&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, Sterberegister Ingolstadt 355/1887.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Errichtung der Pferdebahn ==&lt;br /&gt;
Hermann Reuß war bereit, die Pferdebahn zu erbauen und zu betreiben. Nachdem er eine Konzession erhalten hatte, kaufte er ein Grundstück in der [[Münchener Straße]] 81, wo er ein Betriebsgebäude errichtete, welches sowohl als Wohnsitz für seine Familie diente als auch Stallungen und eine Wagenremise im Garten umfasste.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Schienenlegung begann am 25. September 1878.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhn (1931).&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 9. November 1878 konnte die Firma unter dem Namen „Ingolstaedter Tramway – H. Reuß“ in das Firmenregister des Handelsgerichts München eingetragen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eröffnung „des Ingolstaedter Tramway“ fand am 10. November 1878 um 11:00 Uhr statt. Bereits am Eröffnungstag sollen 700 Fahrgäste befördert worden sein. Am folgenden Tag trat der Fahrplan in Kraft, der täglich von 4:30 Uhr bis 0:00 Uhr 48 Fahrten zwischen dem Centralbahnhof und der Stadt umfasste.&amp;lt;ref&amp;gt;Martinus (1878).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Täglich wurden auf diesem Wege ca. 500 Personen befördert. Der Fahrpreis betrug 20 Pfennige.&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 126.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Betriebsaufnahme bewältigten fünf geschlossene und fünf offene Personenwagen den Personenverkehr, sogenannte Salonwagen und Sommerwagen. Ergänzt wurden diese durch acht Wagen für den Güterverkehr und zwei Wagen zur Postbeförderung. Später beschaffte Reuß weitere drei Salonwagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strecke ==&lt;br /&gt;
Die Strecke verlief vom [[Poppenbräu]] am [[Kreuztor]] vorbei am [[Liebfrauenmünster|Münster]], durch die [[Theresienstraße]] zur Kreuzung [[am Stein]] beim [[Schliffelmarkt]] und die [[Moritzstraße]] entlang zum Gouvernementsplatz (heute [[Rathausplatz]]). Von dort fuhr die Pferdebahn durch das [[Donautor]] über die [[Donaubrücke]] weiter zum Centralbahnhof.&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt; An den Endhaltepunkten waren keine Schienenschleifen vorhanden, weshalb dort umgespannt werden musste.&amp;lt;ref&amp;gt;Daniel (1980), S. 89.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Fahrt dauerte etwa 25 Minuten.&lt;br /&gt;
[[Datei:TheresienstrasseCafeBärenPferdebahn Zentrum Stadtgeschichte.jpg|mini|Pferdebahn in der Theresienstraße vor dem Cafe Bären (Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)]]&lt;br /&gt;
Insgesamt umfasste die 3,26 km lange Strecke 10 Haltestellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Liebfrauenmünster|Obere Pfarrkirche]] (Poppenbräu)&lt;br /&gt;
* Adler (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Bären (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Schliffelmarkt&lt;br /&gt;
* Gouvernements-Platz (am heutigen Rathausplatz)&lt;br /&gt;
* beim Kritzschen (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Bonschab (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Donauwörther Überfahrt (mit Ausweiche)&lt;br /&gt;
* Bichler (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Centralbahnhof&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Güter- und Postverkehr führte die Strecke bis 1913 an der Endhaltestelle am Münster noch ca. 250 m weiter bis zur Alten Post. Am Centralbahnhof führte die Bahn bis zum Postgleis der Staatsbahn und endete etwa 400 m südlich.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Personal ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Fahrordnung1897 A XIII. 51g ZentrumStadtgeschichte.jpg|mini|Fahrordnung der Ingolstädter Tramway, 1897 (A XIII 51g, Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)]]&lt;br /&gt;
Bei der Betriebsaufnahme waren 13 Personen bei Hermann Reuß beschäftigt: zwei Kontrolleure, drei Kondukteure, vier Kutscher, ein Futtermeister, ein Stallbursche und zwei Bürokräfte. Um 1908 wurde das Personal auf 19 Personen erhöht, was wohl auch in den folgenden Jahren beibehalten wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fahrgäste ==&lt;br /&gt;
Nach Ablauf des ersten Betriebsjahres wurde die Pferdebahn von etwa 185.000 Personen auf 10.000 Fahrten genutzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhn (1931).&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Personenverkehr war 1908 auf 256.000 und 1914 auf 328.566 Personen gestiegen. In den letzten Betriebsmonaten wurden 650.000 Personen befördert.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Betrieb bis 1919 ==&lt;br /&gt;
Zunächst waren die Ingolstädter begeistert von der neuen und modernen Pferdebahn. Schnell merkten sie jedoch, dass dieses Verkehrsmittel auch Schwierigkeiten mit sich brachte. Gelegentlich war es wohl notwendig, dass die Passagiere beim Passieren der Donaubrücke anschoben, insbesondere an vereisten oder verregneten Tagen&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder wenn die Bahn zu stark besetzt war.&amp;lt;ref&amp;gt;Daniel (1980), S. 90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die scharfe Kurve am Schliffelmarkt erwies sich als Herausforderung, da dort immer wieder Wagen entgleisten.&amp;lt;ref&amp;gt;Kostka (1878).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So entstand der Spottspruch:&amp;lt;blockquote&amp;gt;„Kommt man in Ingolstadt an,&lt;br /&gt;
so geht’s zur Pferdebahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nur, wenn’s stark pressiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann wird … zu Fuß marschiert.“&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 126.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Hermann Reuß führte die Pferdebahn bis zu seinem Tod am 7. August 1887. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm seine Witwe Karoline Reuß zunächst die Geschäfte. 1897 wurde der Betrieb vom Sohn August Reuß aus München übernommen und geleitet. Dieser benannte die Firma in „Pferdebahn Ingolstadt (Ingolstädter Tramway H. Reuß)“ um.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kriegszeit war man froh, ein funktionierendes Verkehrsmittel zwischen Centralbahnhof und Stadt zu haben. Der Betrieb wurde jedoch aufgrund von Pferdemangel, Personalmangel und finanziellen Verlusten des Unternehmers, die zu Fahrplaneinschränkungen, Tariferhöhungen und Vernachlässigung der Bahn führten, beeinträchtigt. Durch Teuerungen unter anderem von Futter, Material und steigenden Lohnkosten machte das Unternehmen Verluste&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;, was 1918 zu einer Tariferhöhung führte. Parallel dazu errichtete die Stadt zur Unterstützung der Pferdebahn eine Omnibuslinie, welche die Bahn zwar nicht behindern durfte, sich jedoch größerer Beliebtheit erfreute als die Pferdebahn. Das führte dazu, dass sich die finanzielle Situation von August Reuß nicht besserte und zur Kündigung des Vertrages mit der Stadt führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Betrieb 1919-1921 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:HauptbahnhofmitPferdebahn neg10596 ZentrumStadtgeschichte.jpg|mini|Hauptbahnhof mit Pferdebahn (Neg. 10596, Zentrum Stadtgeschichte)]]&lt;br /&gt;
Zum 1. Oktober 1919 ging die Pferdebahn in den Besitz der Stadt Ingolstadt über. Hierbei übernahm die Stadt neben dem Unternehmen auch das Anwesen und das Personal der Firma. Die Leitung des „Städtischen Pferdebahn- &amp;amp; Speditionsunternehmens Firma H. Reuß“ bekam der Stadtbauführer Eduard Braun übertragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis 16. November 1919 konnte der Fahrpreis beibehalten werden, ehe eine Preiserhöhung auf 40 Pfennige für die ganze und 20 Pfennige für die halbe Strecke folgte.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Preiserhöhungen folgten zum 1. März, 1. August und 1. November 1920.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits vor der Übernahme der Bahn durch die Stadt gab es Diskussionen über die Abschaffung der Pferdebahn bzw. dem Bau einer elektrifizierten Bahn. 1921 entschloss man sich endgültig, die Pferdebahn einzustellen und vorläufig durch einen Omnibusverkehr zu ersetzen. Die letzte Fahrt der Pferdebahn fand am 3. März 1921 um 12:30 Uhr von der Theresienstraße zum Hauptbahnhof statt. In den gesamten 43 Jahren des Pferdebahnbetriebes wurden etwa 1800 Pferde eingesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pläne zur Elektrifizierung ==&lt;br /&gt;
Bereits seit 1908 wurde versucht, die Idee einer elektrifizierten Straßenbahn umzusetzen. So kam es 1914 sogar zu einer Vertragskündigung mit August Reuß durch die Stadt, da eine elektrische Straßenbahn die Pferdebahn ersetzen sollte. Aufgrund des beginnenden Ersten Weltkrieges wurde diese jedoch rückgängig gemacht und Umbaumaßnahmen zurückgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1917 bildete sich eine „Bürgerinitiative zur Einführung des elektrischen Betriebs“, deren Ziel die Elektrifizierung der Bahn in Ingolstadt war. In einer Entschließung zum Straßenbahnbetrieb bezeichneten sie die Pferdebahn als unhaltbar und forderten Verbesserungen sowie die Aufnahme von Bauarbeiten für eine elektrische Straßenbahn. &amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies führte zunächst zur Einführung einer Omnibuslinie auf der Strecke. Aus finanziellen Gründen wurden die Bauarbeiten zur elektrischen Straßenbahn nicht aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Einstellung der Bahn 1921 wurden erneut Pläne zur Elektrifizierung erstellt. Als Übergangslösung sollte der Omnibusverkehr dienen, bis die Pläne einer elektrifizierten Straßenbahn umgesetzt werden konnten. Der Omnibusverkehr bewährte sich jedoch, sodass 1927 die Pläne einer Straßenbahn aufgegeben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spuren in Ingolstadt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wandbild der Pferdebahn im Treppenhaus der Theresienstraße 32&lt;br /&gt;
* Reußstraße nahe [[Westfriedhof]]&lt;br /&gt;
* Lied der Pferdebahn in [[Pioniere in Ingolstadt|&amp;quot;Pioniere in Ingolstadt&amp;quot;]] von [[Marieluise Fleißer]]&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, MLF-Archiv VI, 2a, 1, S. 52 – 14. Bild – Fertige Brücke.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c: Die Pferdebahn im Besitze der Stadt (1919-1921).&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, MLF-Archiv VI, 2a, 1, S. 52 – 14. Bild – Fertige Brücke: Pferdebahnlied - Fleißers Pioniere in Ingolstadt, Fassung 1928, Dresden.&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, Sterberegister Ingolstadt 355/1887: Sterberegistereintrag von Hermann Reuß (1887).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bergsteiner, Leonhard: Ingolstaedter Tramway Hermann Reuß. 1878 - 1921. 2. Aufl. Karlsruhe 1991.&lt;br /&gt;
* Daniel, Gerd: Die Schanz. Ingolstadt in Erzählungen, Anekdoten und Originalen. Wiehl 1980.&lt;br /&gt;
* Kostka, Stanislaus: Ingolstadt und Umgebung. In: Ingolstädter Zeitung (13.11.1878).&lt;br /&gt;
* Kuhn, Hans: Ingolstädter Heimatblätter. Die Pferdebahn. Nr. 17, S. 67. In: Ingolstädter Heimatblätter, Jg. 3, H. 17 (1931), S. 67.&lt;br /&gt;
* Martinus, P.: Ingolstadt und Umgebung. In: Ingolstädter Zeitung (11.11.1878).&lt;br /&gt;
* Schönewald, Beatrix: &amp;quot;König Ludwigs&amp;quot; Zentralbahnhof. Die Geschichte der Eisenbahn in Ingolstadt. Verkehrsverbund Großraum Ingolstadt, VGI. Online verfügbar unter &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.invg.de/Historisches&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, zuletzt geprüft am 18.01.2024.&lt;br /&gt;
* Treffer, Gerd: &amp;quot;Weilst nur grad da bist, Maxl&amp;quot;. Episoden bayerischer Geschichte. 1. Aufl. Ingolstadt 2008.&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Kambach, Jasmin}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landesfestung und Industrialisierung (19. bis Anfang 20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erster Weltkrieg (1914-1918)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Weimarer Republik (1918-1933)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alltag und Gesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verkehr und Infrastruktur]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Pferdebahn&amp;diff=1676</id>
		<title>Pferdebahn</title>
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		<updated>2024-03-26T10:44:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Bilder hinzugefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ingolstädter Pferdebahn wurde zwischen dem 10. November 1878 und dem 3. März 1921 als Verkehrsmittel zwischen der Ingolstädter Innenstadt und dem ca. 3 km entfernten [[Hauptbahnhof]] genutzt.&lt;br /&gt;
[[Datei:Pferdebahn ZentrumStadtgeschichte.jpg|mini|Pferdebahn vor dem Donautor (Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangslage ==&lt;br /&gt;
Der Ingolstädter [[Hauptbahnhof|Centralbahnhof]] (heute Hauptbahnhof) wurde am 1. Juni 1874 eröffnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Schönewald.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund des [[Festung Ingolstadt|Festungscharakters]] der Stadt liegt der Hauptbahnhof 3,26 km von der Innenstadt entfernt – außerhalb der Stadt und auf der anderen Seite der [[Donau]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst transportierten Kutschen die Reisenden zum Bahnhof. Zur Bewältigung des zunehmenden Personenverkehrs am Centralbahnhof wurde der Einsatz von Pferdeomnibussen notwendig. 1876 bedurfte es jedoch eines leistungsfähigeren und sicheren Verkehrsmittels für diese Verbindung. In diesem Zuge nahm die Stadt Ingolstadt Kontakt zum Stadtmagistrat München auf, um sich über eine Pferdebahn zu informieren, da diese dort bereit im Einsatz war. Aufgrund positiver Rückmeldung begann auch die Stadt Ingolstadt eine Pferdebahn nach dem Vorbild von München zu planen. Sie wollte jedoch nicht das Risiko des Bahnbaus und Betriebes auf sich nehmen, weshalb sie einen Unternehmer suchte, der bereit war, das Risiko zu tragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Unternehmer war der Civilingenieur [[Hermann Reuß]] (* um 1838 in Bad Kissingen, † 7. August 1887 in Ingolstadt).&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, Sterberegister Ingolstadt 355/1887.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Errichtung der Pferdebahn ==&lt;br /&gt;
Hermann Reuß war bereit, die Pferdebahn zu erbauen und zu betreiben. Nachdem er eine Konzession erhalten hatte, kaufte er ein Grundstück in der [[Münchener Straße]] 81, wo er ein Betriebsgebäude errichtete, welches sowohl als Wohnsitz für seine Familie diente als auch Stallungen und eine Wagenremise im Garten umfasste.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Schienenlegung begann am 25. September 1878.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhn (1931).&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 9. November 1878 konnte die Firma unter dem Namen „Ingolstaedter Tramway – H. Reuß“ in das Firmenregister des Handelsgerichts München eingetragen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eröffnung „des Ingolstaedter Tramway“ fand am 10. November 1878 um 11:00 Uhr statt. Bereits am Eröffnungstag sollen 700 Fahrgäste befördert worden sein. Am folgenden Tag trat der Fahrplan in Kraft, der täglich von 4:30 Uhr bis 0:00 Uhr 48 Fahrten zwischen dem Centralbahnhof und der Stadt umfasste.&amp;lt;ref&amp;gt;Martinus (1878).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Täglich wurden auf diesem Wege ca. 500 Personen befördert. Der Fahrpreis betrug 20 Pfennige.&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 126.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Betriebsaufnahme bewältigten fünf geschlossene und fünf offene Personenwagen den Personenverkehr, sogenannte Salonwagen und Sommerwagen. Ergänzt wurden diese durch acht Wagen für den Güterverkehr und zwei Wagen zur Postbeförderung. Später beschaffte Reuß weitere drei Salonwagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strecke ==&lt;br /&gt;
Die Strecke verlief vom [[Poppenbräu]] am [[Kreuztor]] vorbei am [[Liebfrauenmünster|Münster]], durch die [[Theresienstraße]] zur Kreuzung [[am Stein]] beim [[Schliffelmarkt]] und die [[Moritzstraße]] entlang zum Gouvernementsplatz (heute [[Rathausplatz]]). Von dort fuhr die Pferdebahn durch das [[Donautor]] über die [[Donaubrücke]] weiter zum Centralbahnhof.&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt; An den Endhaltepunkten waren keine Schienenschleifen vorhanden, weshalb dort umgespannt werden musste.&amp;lt;ref&amp;gt;Daniel (1980), S. 89.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Fahrt dauerte etwa 25 Minuten.&lt;br /&gt;
[[Datei:TheresienstrasseCafeBärenPferdebahn Zentrum Stadtgeschichte.jpg|mini|Pferdebahn in der Theresienstraße vor dem Cafe Bären (Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)]]&lt;br /&gt;
Insgesamt umfasste die 3,26 km lange Strecke 10 Haltestellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Liebfrauenmünster|Obere Pfarrkirche]] (Poppenbräu)&lt;br /&gt;
* Adler (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Bären (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Schliffelmarkt&lt;br /&gt;
* Gouvernements-Platz (am heutigen Rathausplatz)&lt;br /&gt;
* beim Kritzschen (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Bonschab (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Donauwörther Überfahrt (mit Ausweiche)&lt;br /&gt;
* Bichler (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Centralbahnhof&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Güter- und Postverkehr führte die Strecke bis 1913 an der Endhaltestelle am Münster noch ca. 250 m weiter bis zur Alten Post. Am Centralbahnhof führte die Bahn bis zum Postgleis der Staatsbahn und endete etwa 400 m südlich.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Personal ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Fahrordnung1897 A XIII. 51g ZentrumStadtgeschichte.jpg|mini|Fahrordnung der Ingolstädter Tramway, 1897 (A XIII 51g, Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)]]&lt;br /&gt;
Bei der Betriebsaufnahme waren 13 Personen bei Hermann Reuß beschäftigt: zwei Kontrolleure, drei Kondukteure, vier Kutscher, ein Futtermeister, ein Stallbursche und zwei Bürokräfte. Um 1908 wurde das Personal auf 19 Personen erhöht, was wohl auch in den folgenden Jahren beibehalten wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fahrgäste ==&lt;br /&gt;
Nach Ablauf des ersten Betriebsjahres wurde die Pferdebahn von etwa 185.000 Personen auf 10.000 Fahrten genutzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhn (1931).&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Personenverkehr war 1908 auf 256.000 und 1914 auf 328.566 Personen gestiegen. In den letzten Betriebsmonaten wurden 650.000 Personen befördert.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Betrieb bis 1919 ==&lt;br /&gt;
Zunächst waren die Ingolstädter begeistert von der neuen und modernen Pferdebahn. Schnell merkten sie jedoch, dass dieses Verkehrsmittel auch Schwierigkeiten mit sich brachte. Gelegentlich war es wohl notwendig, dass die Passagiere beim Passieren der Donaubrücke anschoben, insbesondere an vereisten oder verregneten Tagen&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder wenn die Bahn zu stark besetzt war.&amp;lt;ref&amp;gt;Daniel (1980), S. 90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die scharfe Kurve am Schliffelmarkt erwies sich als Herausforderung, da dort immer wieder Wagen entgleisten.&amp;lt;ref&amp;gt;Kostka (1878).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So entstand der Spottspruch:&amp;lt;blockquote&amp;gt;„Kommt man in Ingolstadt an,&lt;br /&gt;
so geht’s zur Pferdebahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nur, wenn’s stark pressiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann wird … zu Fuß marschiert.“&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 126.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Hermann Reuß führte die Pferdebahn bis zu seinem Tod am 7. August 1887. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm seine Witwe Karoline Reuß zunächst die Geschäfte. 1897 wurde der Betrieb vom Sohn August Reuß aus München übernommen und geleitet. Dieser benannte die Firma in „Pferdebahn Ingolstadt (Ingolstädter Tramway H. Reuß)“ um.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kriegszeit war man froh, ein funktionierendes Verkehrsmittel zwischen Centralbahnhof und Stadt zu haben. Der Betrieb wurde jedoch aufgrund von Pferdemangel, Personalmangel und finanziellen Verlusten des Unternehmers, die zu Fahrplaneinschränkungen, Tariferhöhungen und Vernachlässigung der Bahn führten, beeinträchtigt. Durch Teuerungen unter anderem von Futter, Material und steigenden Lohnkosten machte das Unternehmen Verluste&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;, was 1918 zu einer Tariferhöhung führte. Parallel dazu errichtete die Stadt zur Unterstützung der Pferdebahn eine Omnibuslinie, welche die Bahn zwar nicht behindern durfte, sich jedoch größerer Beliebtheit erfreute als die Pferdebahn. Das führte dazu, dass sich die finanzielle Situation von August Reuß nicht besserte und zur Kündigung des Vertrages mit der Stadt führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Betrieb 1919-1921 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:HauptbahnhofmitPferdebahn neg10596 ZentrumStadtgeschichte.jpg|mini|Hauptbahnhof mit Pferdebahn (Neg. 10596, Zentrum Stadtgeschichte)]]&lt;br /&gt;
Zum 1. Oktober 1919 ging die Pferdebahn in den Besitz der Stadt Ingolstadt über. Hierbei übernahm die Stadt neben dem Unternehmen auch das Anwesen und das Personal der Firma. Die Leitung des „Städtischen Pferdebahn- &amp;amp; Speditionsunternehmens Firma H. Reuß“ bekam der Stadtbauführer Eduard Braun übertragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis 16. November 1919 konnte der Fahrpreis beibehalten werden, ehe eine Preiserhöhung auf 40 Pfennige für die ganze und 20 Pfennige für die halbe Strecke folgte.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Preiserhöhungen folgten zum 1. März, 1. August und 1. November 1920.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits vor der Übernahme der Bahn durch die Stadt gab es Diskussionen über die Abschaffung der Pferdebahn bzw. dem Bau einer elektrifizierten Bahn. 1921 entschloss man sich endgültig, die Pferdebahn einzustellen und vorläufig durch einen Omnibusverkehr zu ersetzen. Die letzte Fahrt der Pferdebahn fand am 3. März 1921 um 12:30 Uhr von der Theresienstraße zum Hauptbahnhof statt. In den gesamten 43 Jahren des Pferdebahnbetriebes wurden etwa 1800 Pferde eingesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pläne zur Elektrifizierung ==&lt;br /&gt;
Bereits seit 1908 wurde versucht, die Idee einer elektrifizierten Straßenbahn umzusetzen. So kam es 1914 sogar zu einer Vertragskündigung mit August Reuß durch die Stadt, da eine elektrische Straßenbahn die Pferdebahn ersetzen sollte. Aufgrund des beginnenden Ersten Weltkrieges wurde diese jedoch rückgängig gemacht und Umbaumaßnahmen zurückgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1917 bildete sich eine „Bürgerinitiative zur Einführung des elektrischen Betriebs“, deren Ziel die Elektrifizierung der Bahn in Ingolstadt war. In einer Entschließung zum Straßenbahnbetrieb bezeichneten sie die Pferdebahn als unhaltbar und forderten Verbesserungen sowie die Aufnahme von Bauarbeiten für eine elektrische Straßenbahn. &amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies führte zunächst zur Einführung einer Omnibuslinie auf der Strecke. Aus finanziellen Gründen wurden die Bauarbeiten zur elektrischen Straßenbahn nicht aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Einstellung der Bahn 1921 wurden erneut Pläne zur Elektrifizierung erstellt. Als Übergangslösung sollte der Omnibusverkehr dienen, bis die Pläne einer elektrifizierten Straßenbahn umgesetzt werden konnten. Der Omnibusverkehr bewährte sich jedoch, sodass 1927 die Pläne einer Straßenbahn aufgegeben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spuren in Ingolstadt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wandbild der Pferdebahn im Treppenhaus der Theresienstraße 32&lt;br /&gt;
* Reußstraße nahe [[Westfriedhof]]&lt;br /&gt;
* Lied der Pferdebahn in [[Pioniere in Ingolstadt|&amp;quot;Pioniere in Ingolstadt&amp;quot;]] von [[Marieluise Fleißer]]&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, MLF-Archiv VI, 2a, 1, S. 52 – 14. Bild – Fertige Brücke.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c: Die Pferdebahn im Besitze der Stadt (1919-1921).&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, MLF-Archiv VI, 2a, 1, S. 52 – 14. Bild – Fertige Brücke: Pferdebahnlied - Fleißers Pioniere in Ingolstadt, Fassung 1928, Dresden.&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, Sterberegister Ingolstadt 355/1887: Sterberegistereintrag von Hermann Reuß (1887).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bergsteiner, Leonhard: Ingolstaedter Tramway Hermann Reuß. 1878 - 1921. 2. Aufl. Karlsruhe 1991.&lt;br /&gt;
* Daniel, Gerd: Die Schanz. Ingolstadt in Erzählungen, Anekdoten und Originalen. Wiehl 1980.&lt;br /&gt;
* Kostka, Stanislaus: Ingolstadt und Umgebung. In: Ingolstädter Zeitung (13.11.1878).&lt;br /&gt;
* Kuhn, Hans: Ingolstädter Heimatblätter. Die Pferdebahn. Nr. 17, S. 67. In: Ingolstädter Heimatblätter, Jg. 3, H. 17 (1931), S. 67.&lt;br /&gt;
* Martinus, P.: Ingolstadt und Umgebung. In: Ingolstädter Zeitung (11.11.1878).&lt;br /&gt;
* Schönewald, Beatrix: &amp;quot;König Ludwigs&amp;quot; Zentralbahnhof. Die Geschichte der Eisenbahn in Ingolstadt. Verkehrsverbund Großraum Ingolstadt, VGI. Online verfügbar unter &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.invg.de/Historisches&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, zuletzt geprüft am 18.01.2024.&lt;br /&gt;
* Treffer, Gerd: &amp;quot;Weilst nur grad da bist, Maxl&amp;quot;. Episoden bayerischer Geschichte. 1. Aufl. Ingolstadt 2008.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<updated>2024-03-26T10:37:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Pferdebahn in der Theresienstraße vor dem Cafe Bären (Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Pferdebahn in der Theresienstraße vor dem Cafe Bären (Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<updated>2024-03-26T10:37:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Pferdebahn vor dem Donautor (Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Pferdebahn vor dem Donautor (Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<updated>2024-03-26T10:36:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Hauptbahnhof mit Pferdebahn (Neg. 10596, Zentrum Stadtgeschichte)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Hauptbahnhof mit Pferdebahn (Neg. 10596, Zentrum Stadtgeschichte)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<updated>2024-03-26T10:35:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Fahrordnung der Ingolstädter Tramway, 1897 (A XIII 51g, Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Fahrordnung der Ingolstädter Tramway, 1897 (A XIII 51g, Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<title>Illuminaten</title>
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		<updated>2024-02-06T09:39:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Verlinkungen ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Beatrix Schönewald&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1776 gründete [[Johann Adam Weishaupt]] (1748-1830), Professor des Kirchenrechts in Ingolstadt, den Geheimbund, den Orden der Illuminaten. Er sollte lange Zeit die gebildete Welt in Atem halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
Die Decknamen seiner Mitglieder waren Ajax, Tiberius oder Tasso, die Städte wurden nach antiken Vorbildern Eleusis oder Erzerum genannt. Die Briefe datierten die Ordensbrüder nach dem altpersischen Kalender.&lt;br /&gt;
[[Datei:Symbol des Ordens der Illuminaten- Eule.jpg|mini|Symbol des Ordens der Illuminaten: Eule]]&lt;br /&gt;
Der Ordensgründer &amp;quot;Spartakus&amp;quot; blieb lange Zeit im Dunkeln, nur sein engster Kreis kannte die Person hinter dem Namen: Er schuf ein System, das in den Augen der damaligen Obrigkeit nahe an Ketzerei und Hochverrat heranreichte. Sein Ziel: Freiheit, Gleichheit und ein Ende der geistigen Bevormundung von oben durch Bildung, v. a. durch Lektüre aufklärerischer Schriften. Das Beobachten seiner Selbst und des Anderen und die Meldung an die Oberen wurden zum Lebenselixier des Ordens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründung des Ordens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Ingolstadt am Vorabend der Ordensgründung =====&lt;br /&gt;
Die Stadt mit ihren ca. 7000 Einwohnern beherbergte die [[Universität Ingolstadt|Bayerische Landesuniversität]], das Kolleg der Oberdeutschen [[Jesuiten in Ingolstadt|Jesuitenprovinz]] mit seinen Auswirkungen auf Gymnasial- und Universitätsbildung, das Militär und ein wohl situiertes Bürgertum. Universität, Jesuiten und Militär waren Garant für einen hohen Lebensstandard. Ingolstadt war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine prosperierende Stadt, die sich unter der Regierung des Kurfürsten [[Max III. Joseph]] (1745-1777) von der Katastrophe des [[Österreichischer Erbfolgekrieg|Österreichischen Erbfolgekrieges]] langsam erholte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Universität am Standort Ingolstadt aber neigt sich ihrem Ende zu. Seit der Gründung hatten sich die Bedingungen entscheidend verändert: Die Erben Bayerns aus der Hauptlinie Kurpfalz maßen der altbairischen Institution keine Bedeutung mehr zu. Es gärte im Kollegium der Professoren und die Diskussionen um Reformen und Translokation nach München nahmen zu. Die Aufhebung des Jesuitenordens verstärkte diese Tendenzen. Adam Weishaupt, Zögling der Jesuiten, wächst in dieser Umbruchszeit in Ingolstadt auf.&lt;br /&gt;
[[Datei:Rekronstruktion der Totenmaske Johann Adam Weishaupt.jpg|mini|Rekonstruktion der Totenmaske von Johann Adam Weishaupt, Firma Aross, 2011|193x193px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Leben und Wirken Johann Adam Weishaupts =====&lt;br /&gt;
Früh verwaist, Protégé seines Taufpaten [[Johann Adam von Ickstatt]] (1702-1776), erster Laie auf dem Lehrstuhl für Kirchenrecht, war Weishaupt aufklärerischen Ideen verbunden, suchte er nach neuen Wegen, alte Bildungsstrukturen zu überwinden. Als Lehrer nicht unumstritten, setzte er sich trotz seines engen geografischen Lebensrahmens für eine neue kosmopolitische Struktur ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufbau, Struktur und Verbreitung des Ordens ==&lt;br /&gt;
Der Orden bestand zunächst aus einer kleinen Schar von Ingolstädter Studenten und wuchs mit Hilfe Freiherr [[Adolf von Knigges]] (1752-1796) zu einem mitteleuropäischen Bund von Aufklärern. Fürsten und Herzöge, Professoren und Literaten, Handwerker und Bürger organisierten sich in Minervalklassen und Provinzen. An ihrer Spitze der Ordensgründer Johann Adam Weishaupt als General. Obwohl der Orden viele potente Mitglieder besaß, kam es gerade wegen Weishaupts autoritärer Art zu Problemen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verbot und Verfolgung der Mitglieder ==&lt;br /&gt;
Das Verbot des Ordens am Vorabend der Französischen Revolution gerät zum Paradebeispiel für soziale Sprengkräfte: 1784/85 werden die Mitglieder des Ordens verraten. Das Mandat Kurfürst Karl Theodors (1777-1799) vom 22 Juni 1784 steht am Anfang einer Reihe von Verboten, zunächst Verbindungen und Versammlungen allgemein betreffend bis hin zum Verbot der Illuminaten und Freimaurer 1790. Die bayerische Polizei gerät eher zufällig an die wichtigsten Ordensschriften. Sie wurden in zwei Teilen veröffentlicht wurden: Originalschriften und Nachtrag zu den Originalschriften. Es gelingt, Weishaupt und seine Mitstreiter öffentlich zu verunglimpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Furcht vor den Illuminaten blieb: Kurfürst Karl Theodor und seine Minister zwangen alle Mitglieder der staatlichen Verwaltung, das Militär und den Klerus, mit dem Illuminateneid jegliche Verbindungen abzuschwören. Adam Weishaupt floh 1785 aus Ingolstadt, zunächst nach Regensburg, dann endgültig nach Gotha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bayern werden etliche Illuminaten verhaftet, ihrer Posten enthoben und in die Verbannung geschickt. Adam Weishaupt floh 1785 aus Ingolstadt, zunächst nach Regensburg, dann endgültig nach Gotha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was blieb vom Illuminatenorden? ==&lt;br /&gt;
Bis heute verbindet man mit dem Ordensnamen eine Unzahl an Mythen und Verschwörungstheorien. Besonders weit verbreitet war die Annahme, dass sich die Illuminaten noch vor ihrer Gründung in Ingolstadt im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ab 1775 engagiert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beteiligung der Illuminaten an der Französischen Revolution wurde 1791 formuliert, angeblich hätten Ordensmitglieder mit den Jakobinern kollaboriert. Der ehemalige Jesuit Abbé Barruel und der Schotte John Robison versuchten nachzuweisen, dass die schlechte Versorgungslage des französischen Volkes in der Schuld der Illuminaten läge. Sie hätten letztendlich die Revolution ausgelöst, denn alle Führer der Revolution waren Freimaurer und automatisch Illuminaten, denn es gab eine Loge mit Namen „Les Illuminés“ und es gab die Reise Johann Christoph Bodes nach Paris im Jahr 1787.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leopold Engel gründete 1896 den Weltbund der Illuminaten und sah sich in der Nachfolge Johann Adam Weishaupts. 1929 wurde dieser Verein wieder aus dem Vereinsregister ausgetragen. 1912 entstand der Ordo Templi Orientis, 1978 gründeten sich die Illuminaten von Thanateros, alle Vereine sahen sich in der Tradition der bayerischen Illuminaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Literatur sind die Illuminaten meist finstere Schurken und Verräter: Robert Shea und Robert Wilson schufen 1975 die Illuminatus Triologie, Umberto Ecco thematisiert sie in seinem Foucault´schen Pendel und Dan Brown erzeugte mit Illuminati einen wahren Rausch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Autoren beziehen sich nicht auf historische Quellen, sondern bemühen fiktive und absurde Verschwörungstheorien. Allerdings nimmt man sie nicht selten für bare Münze. Aber: Galileo Galilei (1564-1624) war ebenso wenig Illuminat wie Lorenzo GianBernini (1598-1680), das Symbol des Ordens ist die Eule und nicht das allsehende Auge, die Zahl 23 und Ambigramme haben ebenfalls keinen Bezug zu den bayerischen Illuminaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Ein-Dollar-Note ist auf einer Pyramide das allsehende Auge zu sehen. Dieses Auge wurde mit den Freimaurern bzw. mit den Illuminaten in Verbindung gebracht. Ein weiteres Gerücht besagt, dass auf der Note nicht George Washington, sondern Adam Weishaupt abgebildet sein soll. Das Auge verweist auf die christliche Symbolik: den heiligen Geist. Die 13 Stufen der Pyramide verweisen auf die Zahl der Gründungskolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was blieb in Ingolstadt? ===&lt;br /&gt;
Wie beschrieben war der Orden der Illuminaten ein Phänomen der Universität Ingolstadt, der Gemengelage zwischen Jesuiten, Militär, Universität und Bürgertum. Seine Gründung vollzog sich im Nachklang der Aufhebung des Jesuitenordens und im fundamentalen Wechsel der wittelsbachischen Linien der Landesherren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingolstadt fühlte sich trotz publiziertem Mandat lange nicht als Zentrum dieses Ordens, entzogen sich universitäre Vorgänge meist der allgemeinen Kenntnis. Dennoch hatte das Donnergrollen dieser großen „Verschwörung“ auch Ingolstadt erreicht, mussten einige Professoren, Geistliche und Laien gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Erinnerung blieb der sogenannte Illuminatensaal, dessen Stuckdecke heute in der Hohen Schule zu sehen ist. Über das Aussehen der gesamten Komposition gibt ein Aquarell des Deckengemäldes Auskunft. Ursprünglich befand es sich im Rückgebäude des Hauses Theresienstraße 23, das seit 1719 von Adam Morasch, Professor der Medizin als privater Lehrsaal genutzt wurde. Er ließ die Stuckdecke einbauen, deren Bildmotive von einer barocken Formensprache gekennzeichnet sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als in Ingolstadt 1782 eine Minervalkirche des Illuminatenordens gegründet wurde, waren die privaten Räume der Illuminaten zu klein oder auch zu unsicher geworden. In der Korrespondenz des Ordens wird ein Versammlungsraum erwähnt. Unsicher bleibt nach wie vor, ob es tatsächlich dieser Raum im Rückgebäude war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis heute sind aber die Decke und das Rückgebäude in der Wahrnehmung der Ingolstädter aufs engste mit der Geschichte des Illuminatenordens verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
Jan Rachold (Hrsg.): Die Illuminaten. Quellen und Texte zur Aufklärungsideologie des Illuminatenordens (1776–1785), Berlin 1984.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhard Markner, Monika Neugebauer-Wölk, Hermann Schüttler: Die Korrespondenz des Illuminatenordens, Band 1: 1776–1781, Tübingen 2005; Band 2: Januar 1782–Juni 1783, Tübingen 2013. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
Manfred Agethen: Geheimbund und Utopie. Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung, München 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richard van Dülmen: Der Geheimbund der Illuminaten, Stuttgart 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig Hammermayer: Entwicklungslinien, Ergebnisse und Perspektiven neuerer Illuminatenforschung, in: Alois Schmid, Konrad Ackermann (Hrsg.): Staat und Verwaltung in Bayern. Festschrift für Wilhelm Volkert zum 75. Geburtstag, München 2003, S. 421–463.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Helmut Reinalter (Hrsg.): Der Illuminatenorden (1776–1785/87). Ein politischer Geheimbund der Aufklärungszeit, Frankfurt am Main 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermann Schüttler: Die Mitglieder des Illuminatenordens 1776–1787/93, München 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eberhard Weis: Der Illuminatenorden (1776–1786). Unter besonderer Berücksichtigung der Fragen seiner sozialen Zusammensetzung, seiner Ziele und seiner Fortexistenz nach 1786, in: Helmut Reinalter (Hrsg.): Aufklärung und Geheimgesellschaften. Zur politischen Funktion und Sozialstruktur der Freimaurerlogen im 18. Jahrhundert, München 1989, S. 87–108.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Schönewald, Beatrix}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universität Ingolstadt]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
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		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Pferdebahn&amp;diff=1660</id>
		<title>Pferdebahn</title>
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		<updated>2024-02-02T11:32:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Seite wurde neu angelegt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ingolstädter Pferdebahn wurde zwischen dem 10. November 1878 und dem 3. März 1921 als Verkehrsmittel zwischen der Ingolstädter Innenstadt und dem ca. 3 km entfernten [[Hauptbahnhof]] genutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangslage ==&lt;br /&gt;
Der Ingolstädter [[Hauptbahnhof|Centralbahnhof]] (heute Hauptbahnhof) wurde am 1. Juni 1874 eröffnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Schönewald.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund des [[Festung Ingolstadt|Festungscharakters]] der Stadt liegt der Hauptbahnhof 3,26 km von der Innenstadt entfernt – außerhalb der Stadt und auf der anderen Seite der [[Donau]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst transportierten Kutschen die Reisenden zum Bahnhof. Zur Bewältigung des zunehmenden Personenverkehrs am Centralbahnhof wurde der Einsatz von Pferdeomnibussen notwendig. 1876 bedurfte es jedoch eines leistungsfähigeren und sicheren Verkehrsmittels für diese Verbindung. In diesem Zuge nahm die Stadt Ingolstadt Kontakt zum Stadtmagistrat München auf, um sich über eine Pferdebahn zu informieren, da diese dort bereit im Einsatz war. Aufgrund positiver Rückmeldung begann auch die Stadt Ingolstadt eine Pferdebahn nach dem Vorbild von München zu planen. Sie wollte jedoch nicht das Risiko des Bahnbaus und Betriebes auf sich nehmen, weshalb sie einen Unternehmer suchte, der bereit war das Risiko zu tragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Unternehmer war der Civilingenieur [[Hermann Reuß]] (* um 1838 in Bad Kissingen, † 07.08.1887 in Ingolstadt).&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, Sterberegister Ingolstadt 355/1887.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Errichtung der Pferdebahn ==&lt;br /&gt;
Hermann Reuß war bereit die Pferdebahn zu erbauen und zu betreiben. Nachdem er eine Konzession erhalten hatte, kaufte er ein Grundstück in der [[Münchener Straße]] 81, wo er ein Betriebsgebäude baute, welches auch als Wohnsitz für seine Familie diente sowie Stallungen und eine Wagenremise im Garten umfasste.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Schienenlegung begann am 25. September 1878.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhn (1931).&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 9. November 1878 konnte die Firma unter dem Namen „Ingolstaedter Tramway – H. Reuß“ in das Firmenregister des Handelsgerichts München eingetragen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eröffnung „des Ingolstaedter Tramway“ fand am 10. November 1878 um 11:00 Uhr statt. Bereits am Eröffnungstag sollen 700 Fahrgäste befördert worden sein. Am folgenden Tag trat der Fahrplan in Kraft, der täglich von 4:30 Uhr bis 0:00 Uhr 48 Fahrten zwischen dem Centralbahnhof und der Stadt umfasste.&amp;lt;ref&amp;gt;Martinus (1878).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Täglich wurden auf diesem Wege ca. 500 Personen befördert. Der Fahrpreis betrug 20 Pfennige.&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 126.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Betriebsaufnahme bewältigten fünf geschlossene und fünf offene Personenwagen den Personenverkehr, sogenannte Salonwagen und Sommerwagen. Ergänzt wurden diese durch acht Wagen für den Güterverkehr und zwei Wagen zur Postbeförderung. Später beschaffte Reuß weitere drei Salonwagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strecke ==&lt;br /&gt;
Die Strecke verlief vom [[Poppenbräu]] am [[Kreuztor]] vorbei am [[Liebfrauenmünster|Münster]], durch die [[Theresienstraße]] zur Kreuzung [[am Stein]] beim [[Schliffelmarkt]] und die [[Moritzstraße]] entlang zum Gouvernementsplatz (heute [[Rathausplatz]]). Von dort fuhr die Pferdebahn durch das [[Donautor]] über die [[Donaubrücke]] weiter zum Centralbahnhof.&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt; An den Endhaltepunkten waren keine Schienenschleifen vorhanden, weshalb dort umgespannt werden musste.&amp;lt;ref&amp;gt;Daniel (1980), S. 89.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Fahrt dauerte etwa 25 Minuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt umfasste die 3,26 km lange Strecke 10 Haltestellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Liebfrauenmünster|Obere Pfarrkirche]] (Poppenbräu)&lt;br /&gt;
* Adler (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Bären (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Schliffelmarkt&lt;br /&gt;
* Gouvernements-Platz (am heutigen Rathausplatz)&lt;br /&gt;
* beim Kritzschen (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Bonschab (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Donauwörther Überfahrt (mit Ausweiche)&lt;br /&gt;
* Bichler (Gasthaus)&lt;br /&gt;
* Centralbahnhof&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Güter- und Postverkehr führte die Strecke bis 1913 an der Endhaltestelle am Münster noch ca. 250 m weiter bis zur Alten Post. Am Centralbahnhof führte die Bahn bis zum Postgleis der Staatsbahn und endete etwa 400 m südlich.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Personal ==&lt;br /&gt;
Bei der Betriebsaufnahme waren 13 Personen bei Hermann Reuß beschäftigt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwei Kontrolleure, drei Kondukteure, vier Kutscher, ein Futtermeister, ein Stallbursche und zwei Bürokräfte. Um 1908 wurde das Personal auf 19 Personen erhöht, was wohl auch in den folgenden Jahren beibehalten wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fahrgäste ==&lt;br /&gt;
Nach Ablauf des ersten Betriebsjahres wurde die Pferdebahn von etwa 185.000 Personen auf 10.000 Fahrten genutzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhn (1931).&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Personenverkehr war 1908 auf 256.000 und 1914 auf 328.566 Personen gestiegen. In den letzten Betriebsmonaten wurden 650.000 Personen befördert.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Betrieb bis 1919 ==&lt;br /&gt;
Zunächst waren die Ingolstädter begeistert von ihrer neuen und modernen Pferdebahn. Schnell merkten sie jedoch, dass dieses Verkehrsmittel auch Schwierigkeiten mit sich brachte. Gelegentlich war es wohl notwendig, dass die Passagiere beim Passieren der Donaubrücke anschoben, insbesondere an vereisten oder verregneten Tagen&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder wenn die Bahn zu stark besetzt war.&amp;lt;ref&amp;gt;Daniel (1980), S. 90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die scharfe Kurve am Schliffelmarkt erwies sich als Herausforderung, da dort immer wieder Wagen entgleisten.&amp;lt;ref&amp;gt;Kostka (1878).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So entstand der Spottspruch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kommt man in Ingolstadt an,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so geht’s zur Pferdebahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nur, wenn’s stark pressiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann wird … zu Fuß marschiert“&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2008), S. 126.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermann Reuß führte die Pferdebahn bis zu seinem Tod am 07. August 1887. Nach dem Tod übernahm seine Witwe Karoline Reuß zunächst die Firma. 1897 wurde der Betrieb vom Sohn August Reuß aus München übernommen und geleitet. Dieser benannte die Firma in „Pferdebahn Ingolstadt (Ingolstädter Tramway H. Reuß)“ um.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kriegszeit war man froh, ein funktionierendes Verkehrsmittel zwischen Centralbahnhof und Stadt zu haben. Der Betrieb wurde jedoch aufgrund von Pferdemangel, Personalmangel und finanziellen Verlusten des Unternehmers, die zu Fahrplaneinschränkungen, Tariferhöhungen und Vernachlässigung der Bahn führten, beeinträchtigt. Durch Teuerungen unter anderem von Futter, Material und steigenden Lohnkosten machte das Unternehmen Verluste&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;, was 1918 zu einer Tariferhöhung führte. Parallel dazu errichtete die Stadt zur Unterstützung der Pferdebahn eine Omnibuslinie, welche die Bahn zwar nicht behindern durfte, sich jedoch größerer Beliebtheit erfreute als die Pferdebahn. Das führte dazu, dass sich die finanzielle Situation von August Reuß nicht besserte und zur Kündigung des Vertrages mit der Stadt führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Betrieb 1919-1921 ==&lt;br /&gt;
Zum 1. Oktober 1919 ging die Pferdebahn in den Besitz der Stadt Ingolstadt über. Hierbei übernahm die Stadt neben dem Unternehmen auch das Anwesen und das Personal der Firma. Die Leitung des „Städtischen Pferdebahn- &amp;amp; Speditionsunternehmens Firma H. Reuß“ bekam der Stadtbauführer Eduard Braun übertragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis 16. November 1919 konnte der Fahrpreis beibehalten werden, ehe eine Preiserhöhung auf 40 Pfennige für die ganze und 20 Pfennige für die halbe Strecke folgte.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Preiserhöhungen folgten zum 1. März 1920, 1. August 1920 und zum 1. November 1920.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bereits vor der Übernahme der Bahn durch die Stadt gab es Diskussionen über die Abschaffung der Pferdebahn bzw. dem Bau einer elektrifizierten Bahn. 1921 entschloss man sich endgültig die Pferdebahn einzustellen und vorläufig durch einen Omnibusverkehr zu ersetzen. Die letzte Fahrt der Pferdebahn fand am 3. März 1921 um 12:30 Uhr von der Theresienstraße zum Hauptbahnhof statt. In den gesamten 43 Jahren des Pferdebahnbetriebes wurden etwa 1800 Pferde eingesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Bergsteiner (1991), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pläne zur Elektrifizierung ==&lt;br /&gt;
Bereits seit 1908 wurde versucht die Idee einer elektrifizierten Straßenbahn umzusetzen. So kam es 1914 sogar zu einer Vertragskündigung mit August Reuß durch die Stadt, da eine elektrische Straßenbahn bis zu diesem Zeitpunkt die Pferdebahn ersetzen sollte. Aufgrund des beginnenden Ersten Weltkrieges wurde diese jedoch rückgängig gemacht und Umbaumaßnahmen zurückgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1917 bildete sich eine „Bürgerinitiative zur Einführung des elektrischen Betriebs“, deren Ziel die Elektrifizierung der Bahn in Ingolstadt war. In einer Entschließung zum Straßenbahnbetrieb bezeichneten sie die Pferdebahn als unhaltbar und forderten Verbesserungen sowie die Aufnahme von Bauarbeiten für eine elektrische Straßenbahn. &amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies führte zunächst zur Einführung einer Omnibuslinie auf der Strecke. Aus finanziellen Gründen wurden die Bauarbeiten zur elektrischen Straßenbahn nicht aufgenommen. Bei der Einstellung der Bahn 1921 wurden erneut Pläne zur Elektrifizierung erstellt. Als Übergangslösung sollte der Omnibusverkehr dienen, bis die Pläne einer elektrifizierten Straßenbahn umgesetzt werden konnten. Der Omnibusverkehr bewährte sich jedoch, sodass 1927 die Pläne einer Straßenbahn aufgegeben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spuren in Ingolstadt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wandbild der Pferdebahn im Treppenhaus der Theresienstraße 32&lt;br /&gt;
* Reußstraße nahe [[Westfriedhof]]&lt;br /&gt;
* Lied der Pferdebahn in [[Pioniere in Ingolstadt|&amp;quot;Pioniere in Ingolstadt&amp;quot;]] von [[Marieluise Fleißer]]&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, MLF-Archiv VI, 2a, 1, S. 52 – 14. Bild – Fertige Brücke.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, A XIII 52c: Die Pferdebahn im Besitze der Stadt (1919-1921).&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, MLF-Archiv VI, 2a, 1, S. 52 – 14. Bild – Fertige Brücke: Pferdebahnlied - Fleißers Pioniere in Ingolstadt, Fassung 1928, Dresden.&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, Sterberegister Ingolstadt 355/1887: Sterberegistereintrag von Hermann Reuß (1887).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bergsteiner, Leonhard: Ingolstaedter Tramway Hermann Reuß. 1878 - 1921. 2. Aufl. Karlsruhe 1991.&lt;br /&gt;
* Daniel, Gerd: Die Schanz. Ingolstadt in Erzählungen, Anekdoten und Originalen. Wiehl 1980.&lt;br /&gt;
* Kostka, Stanislaus: Ingolstadt und Umgebung. In: Ingolstädter Zeitung (13.11.1878).&lt;br /&gt;
* Kuhn, Hans: Ingolstädter Heimatblätter. Die Pferdebahn. Nr. 17, S. 67. In: Ingolstädter Heimatblätter, Jg. 3, H. 17 (1931), S. 67.&lt;br /&gt;
* Martinus, P.: Ingolstadt und Umgebung. In: Ingolstädter Zeitung (11.11.1878).&lt;br /&gt;
* Schönewald, Beatrix: &amp;quot;König Ludwigs&amp;quot; Zentralbahnhof. Die Geschichte der Eisenbahn in Ingolstadt. Verkehrsverbund Großraum Ingolstadt, VGI. Online verfügbar unter &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.invg.de/Historisches&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, zuletzt geprüft am 18.01.2024.&lt;br /&gt;
* Treffer, Gerd: &amp;quot;Weilst nur grad da bist, Maxl&amp;quot;. Episoden bayerischer Geschichte. 1. Aufl. Ingolstadt 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landesfestung und Industrialisierung (19. bis Anfang 20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erster Weltkrieg (1914-1918)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Weimarer Republik (1918-1933)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alltag und Gesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verkehr und Infrastruktur]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<title>Eisenbahn in Ingolstadt</title>
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		<updated>2024-01-04T10:22:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Maximilian Wöhrl&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Eisenbahn in Ingolstadt ist eng mit der Geschichte des [[Hauptbahnhof|Hauptbahnhofs]] und des [[Nordbahnhof|Nordbahnhofs]] verbunden. Am 14. November 1867 wurde Ingolstadt mit der Eröffnung der Bahnlinie München – Ingolstadt in das Verkehrsnetz der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen eingebunden, womit eines der wichtigsten Kapitel der Ingolstädter Verkehrsgeschichte begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Anfänge ==&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner topographischen Lage war Ingolstadt seit jeher ein verkehrstechnischer Knotenpunkt. Schon früh kreuzten sich hier die wichtigen Hauptverkehrswege Venedig – München – Nürnberg von Süden nach Norden mit der an der Donau entlanglaufenden Straße von Osten nach Westen. Der Güter- und Personenverkehr wurde dabei bis ins 19. Jahrhundert hinein hauptsächlich über die Donau und den Kutschentransport abgewickelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Schönewald.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Überlegungen, einen Bahnhof in Ingolstadt zu errichten, begannen im Jahr 1860. Obwohl es eine Reihe von Entwürfen gab, wurden zwei Möglichkeiten intensiver diskutiert. Zum einen stand zur Debatte, den Bahnhof innerhalb der [[Festung Ingolstadt|Landesfestung]] zu errichten, womit er besser geschützt wäre. Zum anderen war ein Bau außerhalb der Festung im Gespräch, was einen späteren Ausbau ermöglicht hätte. Hierbei wäre die Entfernung zur Stadt aber nachteilig gewesen. Im Oktober 1863 wurde der Bau beschlossen, die Uneinigkeit über die Lage blieb jedoch noch Jahre bestehen. Das [[Ingolstädter Gemeindekollegium]] richtete am 16. August 1865 ein Gesuch an König Maximilian II. und bat um einen baldigen Beginn des Baus. Ein für die Grundablösung angesetztes Treffen war für den 5. August 1865 terminiert, wurde jedoch abgesagt. Als Ort für den Bahnhof war der alte Exerzierplatz vorgesehen, weitere Verhandlungen brachten jedoch nicht die gewünschte Endgültigkeit. 1864 hatte das Kriegsministerium eine Bahnlinie innerhalb des Festungsbereiches beschlossen, die Entscheidung über die Lage des [[Hauptbahnhof|Centralbahnhofs]] stand noch aus. Eine Kommission aus Vertretern von Militär und der Staatsbahndirektion legte sich schließlich auf den Bau eines [[Nordbahnhof|Lokalbahnhofs]] – des späteren Nordbahnhofs – in Festungsnähe sowie eines Centralbahnhofs in [[Oberstimm]], südlich von Ingolstadt, fest. Als die erste Bahnlinie München – Ingolstadt am 14. November 1867 eröffnet wurde, befand sich am Ort des heutigen Hauptbahnhofs jedoch lediglich ein Provisorium aus Brettern.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der deutsch-französische Krieg 1870/71 verzögerte den Bau des Hauptbahnhofs weiter, da die verhandelnden Parteien – Kriegsministerium und Staatsbahndirektion – anderweitig beschäftigt waren. Die Bürger der Stadt richteten schließlich eine Petition an die beiden genannten Stellen sowie an den Landtag und das Handelsministerium, um eine Verlagerung des Bahnhofs Richtung Stadt zu erwirken. Erst das Eingreifen Ludwigs II. am 1. Juni 1871 brachte das gewünschte Ergebnis.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Inbetriebnahme des Centralbahnhofs ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hauptbahnhof W0267 ZentrumStadtgeschichteIngolstadt MaxWeiß.jpg|alternativtext=Das Foto zeigt das Gebäude des Hauptbahnhofs Ingolstadt vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1945. Dahinter sind Gleise zu sehen.|mini|350x350px|Der Hauptbahnhof Ingolstadt vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1945]]&lt;br /&gt;
1872 wurde mit dem Bau des Centralbahnhofs begonnen. Die Baustelle befand sich an dem Ort, an welcher der Hauptbahnhof auch heute noch zu finden ist. Aufgrund der zahlreichen Linien, die von dort zur Festung verliefen, war es den Erbauern nicht möglich, größere Rangierflächen einzuplanen. Daher war der Bahnhof um einiges länger (1020 m) als breit (115 m), wobei die Strecke München – Treuchtlingen als Längsachse der Anlage fungierte. Die Anlage umfasste Gleise für fünf Strecken, Rangier-, Lade- und Maschinengleise mit den dazugehörigen Weichen, Kreuzungen, Drehscheiben und Wasserentnahmevorrichtungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Münchener Architekt Jakob Graff war für die Konzeption des Hauptgebäudes verantwortlich. Neben dem Betriebshauptgebäude mitsamt seinen zwei Nebengebäuden bestand der Centralbahnhof unter anderem aus einem Oberbahnamtsgebäude, Ladehallen, Dienstwohnungen und Lokomotivremisen. Der Bahnhof wurde so konzipiert, dass er auch für militärische Inanspruchnahme dienlich war. So gab es spezielle, über ein Tunnelsystem verbundene Bahnsteige und Laderampen für Militärzüge.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eröffnet wurde der Centralbahnhof am 1. Juni 1874. Ebenso wurde am gleichen Tag die Bahnlinie Ingolstadt – Regensburg für den Betrieb freigegeben. Am 15. August 1874 folgte die Linie Ingolstadt – Augsburg. Die Lokalbahn Ingolstadt – Dolling wurde am 1. Oktober 1903 eröffnet und erhielt am 1. Oktober des Folgejahres eine Weiterführung nach Riedenburg. Die Inbetriebnahme des Ingolstädter Bahnhofs samt der fünf Linien nach München, Treuchtlingen, Regensburg, Donauwörth und Augsburg machte die Überlandwege für den Personenverkehr obsolet, sodass diese fortan hauptsächlich für den Postverkehr genutzt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Centralbahnhof etwa 3 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt lag, wurde eine [[Pferdebahn]] vom Centralbahnhof bis zum [[Poppenbräu]] vor dem [[Liebfrauenmünster|Münster]] eingerichtet.&amp;lt;ref&amp;gt;Donaukurier (2011).&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie war vom 10. November 1878 bis zum 3. März 1921 in Betrieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Schönewald.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem 3. November 1875 wurden zehn – von der politischen Gliederung Bayerns unabhängige – Oberbahnämter eingerichtet, von denen auch eines in Ingolstadt eröffnet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Nordbahnhof ==&lt;br /&gt;
Der Nordbahnhof entstand in Folge eines Befehls von höchster Stelle, der eine Eisenbahn-Kompanie für die Bayerische Armee innerhalb der [[Festung Ingolstadt|Landesfestung]] forderte. Diese Kompanie war für den Bau des Lokalbahnhofs, des heutigen Nordbahnhofs, zuständig. Unter Major Adolf de Ahna zog die Kompanie am 1. Dezember 1873 in Ingolstadt ein und war zunächst in der [[Fronte Raglovich]] stationiert, bevor sie im Südwestflügel der [[Donaukaserne]] untergebracht wurde. Die sechs Offiziere und 128 Soldaten halfen beim Bau der Weichen, des Telegraphen, des Oberbaus und bei der Unterhaltung und dem Stationsdienst der Linie Lokalbahnhof – [[Militärbahnhof]], die seit 1877 an der [[Donaulände]] verlief. Die Strecke an der Donaulände wurde ab 1888 gänzlich vom Lokalbahnhof übernommen. Zum damals schon vorhandenen Wagenladungsverkehr kam ab dem 1. Mai 1903 noch der Stückgutverkehr.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte der Eisenbahn in Ingolstadt bis zum Zweiten Weltkrieg ==&lt;br /&gt;
Ab 1906 wurde die Verwaltung der Eisenbahn umstrukturiert und die ursprünglichen zehn Eisenbahndirektionen auf fünf reduziert, wovon auch Ingolstadt betroffen war. Als Ausgleich erhielt Ingolstadt das Wagenamt sowie eine Betriebs-, Bau- und Maschineninspektion. Am 22. Dezember 1909 wurde gesetzlich festgeschrieben, eine Hauptwerkstätte zur Ausbesserung von Lokomotiven zu errichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Ersten Weltkrieges war Ingolstadt ein wichtiger Baustein in der Rüstungsindustrie. Dies sowie die günstige Lage und die Einbindung in das Schienennetz sorgten dafür, dass die Stadt zu einem wichtigen Faktor für die Versorgung des Militärs mit Waffen und Munition und den Krankentransport wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ab 1918 gewann auch der Nordbahnhof an Relevanz und wurde in den Jahren von 1920 bis 1924 zu einem Bahnhof erster Klasse umgewandelt, dessen Bedeutung über die militärisch-strategische Dimension hinausging. Nach dem Ersten Weltkrieg sorgte der Versailler Vertrag für ein reduziertes Militärkontingent, was die Stadt in eine wirtschaftlich prekäre Lage brachte. Milderung brachte der Ausbau des [[Reichsbahnausbesserungswerk|Reichsbahnausbesserungswerkes]].&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde Ingolstadt remilitarisiert, die Munitionsfabriken wiedereröffnet und die Stadt erneut zur Garnison. Der Central- und der Nordbahnhof wurden wieder militärisch relevant. Dies hatte zur Folge, dass die Ingolstädter Bahninfrastruktur Angriffen der amerikanischen Luftwaffe ausgesetzt war, die zur Zerstörung der Bahnlinien und des Centralbahnhofs führten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Ingolstädter Ausbesserungswerk ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Eisenbahnausbesserungswerk1927 W0258 ZentrumStadtgeschichteIngolstadt MaxWeiß.jpg|alternativtext=Das Foto zeigt Gebäude des Eisenbahnausbesserungswerkes am Hauptbahnhof Ingolstadt um 1927. Davor sind Gleise und Züge zu sehen.|mini|Das Eisenbahnausbesserungswerk um 1927|350x350px]]&lt;br /&gt;
Aufgrund der verkehrstechnischen Wichtigkeit Ingolstadts wurde 1909 ein Ausbesserungswerk für Lokomotiven genehmigt, das jedoch erst 1914 fertiggestellt werden konnte. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurden die noch leeren Hallen des Werkes als Lazarett genutzt. Die eigentlichen Reparaturarbeiten an Zügen begannen ab 1917.&amp;lt;ref&amp;gt;Donaukurier (2014).&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Ingolstädter Bahndienststelle, zu der neben dem Bauamt, dem Maschinenamt und dem Bahnbetriebswerk auch das Ausbesserungswerk gehörte, zu einem der wichtigsten Arbeitgeber der Region und beschäftigte Schätzungen zufolge nahezu 3.000 Mitarbeiter. Während des Zweiten Weltkrieges wurde auch dieses Werk infolge der Bombardierung Ingolstadts stark in Mitleidenschaft gezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In jedem der 50 innerdeutschen Eisenbahnausbesserungswerke wurden andere Lokomotiv-Typen instandgehalten. Ingolstadt war für die P 8 (Personenzuglokomotive) und die G 10 (Güterzuglokomotive) zuständig, später kam die BR 23 (Schnellzuglokomotive) hinzu. Insgesamt wurden in Ingolstadt ca. 17.000 Loks überholt.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzte Dampflok wurde 1961 in Ingolstadt ausgebessert, bevor das Werk im Jahr 1966 geschlossen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Donaukurier (2017).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intercity-Bahnhof und ICE ==&lt;br /&gt;
Am 26. September 1971 wurde Ingolstadt in den Intercity-Verkehr aufgenommen und der Hauptbahnhof zum IC-Halt, wobei es zunächst nur ein IC-Zugpaar gab, das über Ingolstadt fuhr.&amp;lt;ref&amp;gt;bahnknoten-ingolstadt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierbei handelte es sich einerseits um den IC 123 „Nymphenburg“ von Wiesbaden nach München mit einem planmäßigen Halt in Ingolstadt und andererseits um den IC 126 „Herrenhausen“, der von München kam, in Ingolstadt hielt und danach Richtung Dortmund und Hannover weiterfuhr.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit den Jahren wuchs die IC-Infrastruktur, bis 1991/92 auch in Ingolstadt die ersten Intercity-Express-Züge zum Einsatz kamen. Anfang der 1990er Jahre wurde Ingolstadt zudem zum Interregio-Halt, da die Deutsche Bahn beabsichtigte, die veralteten D-Züge abzulösen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem 29. Mai 1995 machte das damalige Vorzeigemodell der Bahn, der ICE 821 „Main-Kurier“, planmäßig in Ingolstadt Halt, bevor er seinen Endbahnhof in München ansteuerte. Damit war die Stadt endgültig im ICE-Zeitalter angekommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seitdem kam es zu einem stetigen Ausbau des ICE-Netzes und wiederholten Fahrplanänderungen. Der Ausbau der ICE-Verbindung Nürnberg – München machte eine neue Eisenbahnbrücke, die über die Donau führte, erforderlich. Die ursprüngliche Fachwerkbrücke aus dem Jahr 1869, die man 1922 renoviert hatte, wurde ausgebaut und erweitert. Die neue Brücke ist 184,09 m lang und 6,70 m breit. Besonders charakteristisch für die neue Stahlbrücke sind drei 3,5 m große stählerne Wellen.&amp;lt;ref&amp;gt;schlaich bergermann partner.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stadtmuseum Ingolstadt, Inventarnummer 10106: KÖF II (Kleinlokomotive mit Ölmotor) der DESPAG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Eisenbahnbrücke Ingolstadt. Online verfügbar unter https://www.sbp.de/projekt/eisenbahnbruecke-ingolstadt/, zuletzt geprüft am 20.10.2023.&lt;br /&gt;
* Die Entwicklung des Fernverkehrs am Ingolstädter Hauptbahnhof. Online verfügbar unter https://web.archive.org/web/20150810170914/http://www.bahnknoten-ingolstadt.de/index.php?page=geschichte, zuletzt geprüft am 20.10.2023.&lt;br /&gt;
* Die Stadt der Eisenbahner. Donaukurier 2017. Online verfügbar unter https://www.donaukurier.de/archiv/die-stadt-der-eisenbahner-3341526, zuletzt geprüft am 01.10.2023.&lt;br /&gt;
* Die Werkstatt der rauchenden Ungetüme. Donaukurier 2014. Online verfügbar unter https://www.donaukurier.de/archiv/die-werkstatt-der-rauchenden-ungetueme-4347868, zuletzt geprüft am 01.10.2023.&lt;br /&gt;
* Zurück in die Zeit der Pferdebahn. Donaukurier 2011. Online verfügbar unter https://www.donaukurier.de/archiv/zurueck-in-die-zeit-der-pferdebahn-4999801, zuletzt geprüft am 22.10.2023.&lt;br /&gt;
* Schönewald, Beatrix: &amp;quot;König Ludwigs&amp;quot; Zentralbahnhof. Die Geschichte der Eisenbahn in Ingolstadt. Online verfügbar unter https://www.invg.de/Historisches, zuletzt geprüft am 28.09.2023.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Wöhrl, Maximilian}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landesfestung und Industrialisierung (19. bis Anfang 20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erster Weltkrieg (1914-1918)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:NS-Zeit (1933-1945)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1945 bis heute]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Militär]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verkehr und Infrastruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wirtschaft und Industrie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<title>Eisenbahn in Ingolstadt</title>
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		<updated>2024-01-04T10:21:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Verlinkungen ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Maximilian Wöhrl&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Eisenbahn in Ingolstadt ist eng mit der Geschichte des [[Hauptbahnhof|Hauptbahnhofs]] und des [[Nordbahnhof|Nordbahnhofs]] verbunden. Am 14. November 1867 wurde Ingolstadt mit der Eröffnung der Bahnlinie München – Ingolstadt in das Verkehrsnetz der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen eingebunden, womit eines der wichtigsten Kapitel der Ingolstädter Verkehrsgeschichte begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Anfänge ==&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner topographischen Lage war Ingolstadt seit jeher ein verkehrstechnischer Knotenpunkt. Schon früh kreuzten sich hier die wichtigen Hauptverkehrswege Venedig – München – Nürnberg von Süden nach Norden mit der an der Donau entlanglaufenden Straße von Osten nach Westen. Der Güter- und Personenverkehr wurde dabei bis ins 19. Jahrhundert hinein hauptsächlich über die Donau und den Kutschentransport abgewickelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Schönewald.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Überlegungen, einen Bahnhof in Ingolstadt zu errichten, begannen im Jahr 1860. Obwohl es eine Reihe von Entwürfen gab, wurden zwei Möglichkeiten intensiver diskutiert. Zum einen stand zur Debatte, den Bahnhof innerhalb der [[Festung Ingolstadt|Landesfestung]] zu errichten, womit er besser geschützt wäre. Zum anderen war ein Bau außerhalb der Festung im Gespräch, was einen späteren Ausbau ermöglicht hätte. Hierbei wäre die Entfernung zur Stadt aber nachteilig gewesen. Im Oktober 1863 wurde der Bau beschlossen, die Uneinigkeit über die Lage blieb jedoch noch Jahre bestehen. Das [[Ingolstädter Gemeindekollegium]] richtete am 16. August 1865 ein Gesuch an König Maximilian II. und bat um einen baldigen Beginn des Baus. Ein für die Grundablösung angesetztes Treffen war für den 5. August 1865 terminiert, wurde jedoch abgesagt. Als Ort für den Bahnhof war der alte Exerzierplatz vorgesehen, weitere Verhandlungen brachten jedoch nicht die gewünschte Endgültigkeit. 1864 hatte das Kriegsministerium eine Bahnlinie innerhalb des Festungsbereiches beschlossen, die Entscheidung über die Lage des [[Hauptbahnhof|Centralbahnhofs]] stand noch aus. Eine Kommission aus Vertretern von Militär und der Staatsbahndirektion legte sich schließlich auf den Bau eines [[Nordbahnhof|Lokalbahnhofs]] – des späteren Nordbahnhofs – in Festungsnähe sowie eines Centralbahnhofs in [[Oberstimm]], südlich von Ingolstadt, fest. Als die erste Bahnlinie München – Ingolstadt am 14. November 1867 eröffnet wurde, befand sich am Ort des heutigen Hauptbahnhofs jedoch lediglich ein Provisorium aus Brettern.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der deutsch-französische Krieg 1870/71 verzögerte den Bau des Hauptbahnhofs weiter, da die verhandelnden Parteien – Kriegsministerium und Staatsbahndirektion – anderweitig beschäftigt waren. Die Bürger der Stadt richteten schließlich eine Petition an die beiden genannten Stellen sowie an den Landtag und das Handelsministerium, um eine Verlagerung des Bahnhofs Richtung Stadt zu erwirken. Erst das Eingreifen Ludwigs II. am 1. Juni 1871 brachte das gewünschte Ergebnis.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Inbetriebnahme des Centralbahnhofs ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hauptbahnhof W0267 ZentrumStadtgeschichteIngolstadt MaxWeiß.jpg|alternativtext=Das Foto zeigt das Gebäude des Hauptbahnhofs Ingolstadt vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1945. Dahinter sind Gleise zu sehen.|mini|350x350px|Der Hauptbahnhof Ingolstadt vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1945]]&lt;br /&gt;
1872 wurde mit dem Bau des Centralbahnhofs begonnen. Die Baustelle befand sich an dem Ort, an welcher der Hauptbahnhof auch heute noch zu finden ist. Aufgrund der zahlreichen Linien, die von dort zur Festung verliefen, war es den Erbauern nicht möglich, größere Rangierflächen einzuplanen. Daher war der Bahnhof um einiges länger (1020 m) als breit (115 m), wobei die Strecke München – Treuchtlingen als Längsachse der Anlage fungierte. Die Anlage umfasste Gleise für fünf Strecken, Rangier-, Lade- und Maschinengleise mit den dazugehörigen Weichen, Kreuzungen, Drehscheiben und Wasserentnahmevorrichtungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Münchener Architekt Jakob Graff war für die Konzeption des Hauptgebäudes verantwortlich. Neben dem Betriebshauptgebäude mitsamt seinen zwei Nebengebäuden bestand der Centralbahnhof unter anderem aus einem Oberbahnamtsgebäude, Ladehallen, Dienstwohnungen und Lokomotivremisen. Der Bahnhof wurde so konzipiert, dass er auch für militärische Inanspruchnahme dienlich war. So gab es spezielle, über ein Tunnelsystem verbundene Bahnsteige und Laderampen für Militärzüge.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eröffnet wurde der Centralbahnhof am 1. Juni 1874. Ebenso wurde am gleichen Tag die Bahnlinie Ingolstadt – Regensburg für den Betrieb freigegeben. Am 15. August 1874 folgte die Linie Ingolstadt – Augsburg. Die Lokalbahn Ingolstadt – Dolling wurde am 1. Oktober 1903 eröffnet und erhielt am 1. Oktober des Folgejahres eine Weiterführung nach Riedenburg. Die Inbetriebnahme des Ingolstädter Bahnhofs samt der fünf Linien nach München, Treuchtlingen, Regensburg, Donauwörth und Augsburg machte die Überlandwege für den Personenverkehr obsolet, sodass diese fortan hauptsächlich für den Postverkehr genutzt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Centralbahnhof etwa 3 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt lag, wurde eine [[Pferdebahn]] vom Centralbahnhof bis zum [[Poppenbräu]] vor dem [[Liebfrauenmünster|Münster]] eingerichtet.&amp;lt;ref&amp;gt;Donaukurier (2011).&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie war vom 10. November 1878 bis zum 3. März 1921 in Betrieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Schönewald.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem 3. November 1875 wurden zehn – von der politischen Gliederung Bayerns unabhängige – Oberbahnämter eingerichtet, von denen auch eines in Ingolstadt eröffnet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Nordbahnhof ==&lt;br /&gt;
Der Nordbahnhof entstand in Folge eines Befehls von höchster Stelle, der eine Eisenbahn-Kompanie für die Bayerische Armee innerhalb der [[Festung Ingolstadt|Landesfestung]] forderte. Diese Kompanie war für den Bau des Lokalbahnhofs, des heutigen Nordbahnhofs, zuständig. Unter Major Adolf de Ahna zog die Kompanie am 1. Dezember 1873 in Ingolstadt ein und war zunächst in der [[Fronte Raglovich]] stationiert, bevor sie im Südwestflügel der [[Donaukaserne]] untergebracht wurde. Die sechs Offiziere und 128 Soldaten halfen beim Bau der Weichen, des Telegraphen, des Oberbaus und bei der Unterhaltung und dem Stationsdienst der Linie Lokalbahnhof – [[Militärbahnhof]], die seit 1877 an der [[Donaulände]] verlief. Die Strecke an der Donaulände wurde ab 1888 gänzlich vom Lokalbahnhof übernommen. Zum damals schon vorhandenen Wagenladungsverkehr kam ab dem 1. Mai 1903 noch der Stückgutverkehr.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte der Eisenbahn in Ingolstadt bis zum Zweiten Weltkrieg ==&lt;br /&gt;
Ab 1906 wurde die Verwaltung der Eisenbahn umstrukturiert und die ursprünglichen zehn Eisenbahndirektionen auf fünf reduziert, wovon auch Ingolstadt betroffen war. Als Ausgleich erhielt Ingolstadt das Wagenamt sowie eine Betriebs-, Bau- und Maschineninspektion. Am 22. Dezember 1909 wurde gesetzlich festgeschrieben, eine Hauptwerkstätte zur Ausbesserung von Lokomotiven zu errichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Ersten Weltkrieges war Ingolstadt ein wichtiger Baustein in der Rüstungsindustrie. Dies sowie die günstige Lage und die Einbindung in das Schienennetz sorgten dafür, dass die Stadt zu einem wichtigen Faktor für die Versorgung des Militärs mit Waffen und Munition und den Krankentransport wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ab 1918 gewann auch der Nordbahnhof an Relevanz und wurde in den Jahren von 1920 bis 1924 zu einem Bahnhof erster Klasse umgewandelt, dessen Bedeutung über die militärisch-strategische Dimension hinausging. Nach dem Ersten Weltkrieg sorgte der Versailler Vertrag für ein reduziertes Militärkontingent, was die Stadt in eine wirtschaftlich prekäre Lage brachte. Milderung brachte der Ausbau des [[Reichsbahnausbesserungswerkes]].&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde Ingolstadt remilitarisiert, die Munitionsfabriken wiedereröffnet und die Stadt erneut zur Garnison. Der Central- und der Nordbahnhof wurden wieder militärisch relevant. Dies hatte zur Folge, dass die Ingolstädter Bahninfrastruktur Angriffen der amerikanischen Luftwaffe ausgesetzt war, die zur Zerstörung der Bahnlinien und des Centralbahnhofs führten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Ingolstädter Ausbesserungswerk ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Eisenbahnausbesserungswerk1927 W0258 ZentrumStadtgeschichteIngolstadt MaxWeiß.jpg|alternativtext=Das Foto zeigt Gebäude des Eisenbahnausbesserungswerkes am Hauptbahnhof Ingolstadt um 1927. Davor sind Gleise und Züge zu sehen.|mini|Das Eisenbahnausbesserungswerk um 1927|350x350px]]&lt;br /&gt;
Aufgrund der verkehrstechnischen Wichtigkeit Ingolstadts wurde 1909 ein Ausbesserungswerk für Lokomotiven genehmigt, das jedoch erst 1914 fertiggestellt werden konnte. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurden die noch leeren Hallen des Werkes als Lazarett genutzt. Die eigentlichen Reparaturarbeiten an Zügen begannen ab 1917.&amp;lt;ref&amp;gt;Donaukurier (2014).&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Ingolstädter Bahndienststelle, zu der neben dem Bauamt, dem Maschinenamt und dem Bahnbetriebswerk auch das Ausbesserungswerk gehörte, zu einem der wichtigsten Arbeitgeber der Region und beschäftigte Schätzungen zufolge nahezu 3.000 Mitarbeiter. Während des Zweiten Weltkrieges wurde auch dieses Werk infolge der Bombardierung Ingolstadts stark in Mitleidenschaft gezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In jedem der 50 innerdeutschen Eisenbahnausbesserungswerke wurden andere Lokomotiv-Typen instandgehalten. Ingolstadt war für die P 8 (Personenzuglokomotive) und die G 10 (Güterzuglokomotive) zuständig, später kam die BR 23 (Schnellzuglokomotive) hinzu. Insgesamt wurden in Ingolstadt ca. 17.000 Loks überholt.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzte Dampflok wurde 1961 in Ingolstadt ausgebessert, bevor das Werk im Jahr 1966 geschlossen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Donaukurier (2017).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intercity-Bahnhof und ICE ==&lt;br /&gt;
Am 26. September 1971 wurde Ingolstadt in den Intercity-Verkehr aufgenommen und der Hauptbahnhof zum IC-Halt, wobei es zunächst nur ein IC-Zugpaar gab, das über Ingolstadt fuhr.&amp;lt;ref&amp;gt;bahnknoten-ingolstadt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierbei handelte es sich einerseits um den IC 123 „Nymphenburg“ von Wiesbaden nach München mit einem planmäßigen Halt in Ingolstadt und andererseits um den IC 126 „Herrenhausen“, der von München kam, in Ingolstadt hielt und danach Richtung Dortmund und Hannover weiterfuhr.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit den Jahren wuchs die IC-Infrastruktur, bis 1991/92 auch in Ingolstadt die ersten Intercity-Express-Züge zum Einsatz kamen. Anfang der 1990er Jahre wurde Ingolstadt zudem zum Interregio-Halt, da die Deutsche Bahn beabsichtigte, die veralteten D-Züge abzulösen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem 29. Mai 1995 machte das damalige Vorzeigemodell der Bahn, der ICE 821 „Main-Kurier“, planmäßig in Ingolstadt Halt, bevor er seinen Endbahnhof in München ansteuerte. Damit war die Stadt endgültig im ICE-Zeitalter angekommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seitdem kam es zu einem stetigen Ausbau des ICE-Netzes und wiederholten Fahrplanänderungen. Der Ausbau der ICE-Verbindung Nürnberg – München machte eine neue Eisenbahnbrücke, die über die Donau führte, erforderlich. Die ursprüngliche Fachwerkbrücke aus dem Jahr 1869, die man 1922 renoviert hatte, wurde ausgebaut und erweitert. Die neue Brücke ist 184,09 m lang und 6,70 m breit. Besonders charakteristisch für die neue Stahlbrücke sind drei 3,5 m große stählerne Wellen.&amp;lt;ref&amp;gt;schlaich bergermann partner.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stadtmuseum Ingolstadt, Inventarnummer 10106: KÖF II (Kleinlokomotive mit Ölmotor) der DESPAG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Eisenbahnbrücke Ingolstadt. Online verfügbar unter https://www.sbp.de/projekt/eisenbahnbruecke-ingolstadt/, zuletzt geprüft am 20.10.2023.&lt;br /&gt;
* Die Entwicklung des Fernverkehrs am Ingolstädter Hauptbahnhof. Online verfügbar unter https://web.archive.org/web/20150810170914/http://www.bahnknoten-ingolstadt.de/index.php?page=geschichte, zuletzt geprüft am 20.10.2023.&lt;br /&gt;
* Die Stadt der Eisenbahner. Donaukurier 2017. Online verfügbar unter https://www.donaukurier.de/archiv/die-stadt-der-eisenbahner-3341526, zuletzt geprüft am 01.10.2023.&lt;br /&gt;
* Die Werkstatt der rauchenden Ungetüme. Donaukurier 2014. Online verfügbar unter https://www.donaukurier.de/archiv/die-werkstatt-der-rauchenden-ungetueme-4347868, zuletzt geprüft am 01.10.2023.&lt;br /&gt;
* Zurück in die Zeit der Pferdebahn. Donaukurier 2011. Online verfügbar unter https://www.donaukurier.de/archiv/zurueck-in-die-zeit-der-pferdebahn-4999801, zuletzt geprüft am 22.10.2023.&lt;br /&gt;
* Schönewald, Beatrix: &amp;quot;König Ludwigs&amp;quot; Zentralbahnhof. Die Geschichte der Eisenbahn in Ingolstadt. Online verfügbar unter https://www.invg.de/Historisches, zuletzt geprüft am 28.09.2023.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Wöhrl, Maximilian}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landesfestung und Industrialisierung (19. bis Anfang 20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erster Weltkrieg (1914-1918)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:NS-Zeit (1933-1945)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1945 bis heute]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Militär]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verkehr und Infrastruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wirtschaft und Industrie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<title>Jakob Balde</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Sortierung geändert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Nina Pätzold&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jakob (Jacob/ Jacobus) Balde, SJ ([[Jesuiten|Societas Jesu]]) (* 4. Januar 1604 in Ensisheim, Elsass; † 9. August 1668 in [[Neuburg an der Donau]]) war ein deutscher Dichter und Jesuit. In Ingolstadt lehrte er als Universitätsprofessor Rhetorik.&lt;br /&gt;
[[Datei:JakobBalde GSIII92 ZentrumStadtgeschichte CarlMayer.jpg|alternativtext=Ovales Porträt von Jakob Bald mit Robe|mini|Porträt von Jacob Balde (GS III/92, Zentrum Stadtgeschichte, Lithographie von Carl Mayer)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Baldes Ausbildung begann 1613 in Belfort, er erhielt Bildung im Bereich der Humaniora bei den Jesuiten in Ensisheim und im Bereich der Philosophie in Molsheim bei Straßburg. 1621 wurde Molsheim von mansfeldischen Truppen überfallen, woraufhin Balde nach Ingolstadt kam und das Jurastudium begann. Dieses beendete er jedoch aufgrund eines für ihn einschneidenden Ereignisses nicht: Nachdem das Ständchen, welches er einer Ingolstädterin sang, ohne Anerkennung blieb, entschied er sich dazu, den damals der Musik wenig angetanen Societas Jesu zu folgen,&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 250.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach seinem berühmten Ausspruch „Cantatum satis est, frangito barbiton“ („Genug ist gesungen, es zerschelle die Leier“).&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 254&amp;lt;/ref&amp;gt; 1623 trat Balde in die Societas Jesu ein und begann am 1. Juli 1624 sein Noviziat im Kolleg zu Landsberg. Seine Lehrtätigkeit begann 1626 in München und Innsbruck in den Bereichen der Grammatik und Rhetorik. 1630 kam Balde nach Ingolstadt zurück, um das Studium der Theologie aufzunehmen, hier wurde er Zeuge der schwedischen Belagerung und schrieb, inspiriert von [[Johann T&#039;Serclaes von Tilly|Graf Tilly]], sein rhapsodisches Werk &#039;&#039;Tillii parentalia&#039;&#039;. Am 24. September 1633 wurde Balde zum Priester geweiht und anschließend nach München gesandt. In den Jahren 1635 bis 1637 kehrte er nach Ingolstadt zurück, um seine Lehrtätigkeit als Professor der Rhetorik an der [[Universität Ingolstadt|Universität in Ingolstadt]] zu vollziehen. Hier führte er sein biblisches Drama &#039;&#039;Jephtias&#039;&#039; (1637) auf, welches ihm Anerkennung als Dichter einbrachte. In den folgenden Jahren arbeitete Balde als Prinzenerzieher unter [[Herzog Albrecht VI. Leuchtenberger]], darauffolgend hatte er in München die Position des kurfürstlichen Hofpredigers inne (1638-1640) sowie des Hofhistoriographen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme bewegte sich Balde jedoch 1654 nach Neuburg an der Donau. Hier war er als Hofprediger und folgend als Beichtvater von [[Pfalzgraf Philipp Wilhelm]] angestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitlauff (1998).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort blieb Jakob Balde bis zu seinem Tod 1668.&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarisches Schaffen ==&lt;br /&gt;
Jakob Baldes Werk ist hinsichtlich der für das Barockzeitalter typischen lateinischen Sprache besonders. Eben diese Besonderheit vermindert jedoch den Zugang zum Werk mit dem Aussterben der lateinischen Sprache und bekräftigte das Vergessen von Baldes Werken. Johann Gottfried Herder, welcher Baldes Werk zwar übersetzte (&#039;&#039;Terpsichore&#039;&#039; 1795/96) konnte dem zunehmenden Vergessen dennoch nicht entgegenhalten. Baldes Stil ist gekennzeichnet von seinem umfangreichen Wissen der Lyrik, Epik und Dramatik, sowie strikt dem Barockstil folgend. Inhaltlich finden sich Themen der Natur, Vaterlandsliebe und Religiosität. Besonders prägend war unter anderem sein Werk &#039;&#039;Lyrica&#039;&#039;, welches die Dichtung von Horaz als Inspiration innehat.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitlauff (1998).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies trug mitunter dazu bei, dass Balde fortan als „Deutscher Horaz“ bekannt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prägend war Jakob Balde auch für das [[Jesuitentheater]] in Ingolstadt. Ursprung hat dieses in dem Einsatz von Theateraufführungen als zusätzliches Mittel neben dem herkömmlichen Unterrichten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 246.&amp;lt;/ref&amp;gt; Baldes &#039;&#039;Jephtias&#039;&#039;, aufgeführt 1637, ist eines dieser Theaterstücke. Das Drama spielt auf eine biblische Geschichte in Kapitel elf des Buches der Richter an. Jephte hatte vor einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den Ammonitern geschworen, sollte er siegen, so wird er das Erste, was er bei seiner Heimkehr sieht, opfern. Da Jephtes Tochter Menulema auf ihren Vater zulief, war ihr Schicksal besiegelt. Kennzeichnend für das Werk sind unter anderem Anagramme (Menulema für Emmanuel), sowie Menulemas Zögern gegenüber ihrer Opferrolle und das Leiden ihres Verlobten und ihrer Freunde. Jakob Balde führte das Drama mit Schülerinnen und Schülern auf, auch Musik, beispielsweise in Form von Sprechchören, war Teil der Aufführung.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 249.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werke (Auswahl)&amp;lt;ref&amp;gt;Westermayer (1998), S. 19–24.&amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
[[Datei:KupferstichJacobiBaldeESocietateJesuPoemaDeVanitateMundi ZentrumStadtgeschite.JPG|mini|Kupferstich aus &#039;&#039;Jacobi Balde E Societate Jesu Poema De Vanitate Mundi&#039;&#039;, 1638 (Zentrum Stadtgeschichte)]]&lt;br /&gt;
* Batrachomyomachia Homeri Tubâ Romanâ Cantatâ (Ingolstadt 1637)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Iesv Poema De Vanitate Mvndi (München 1638)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Jesv Sylvarvm Libri VII. (München 1643)&lt;br /&gt;
* Lyrica. Epodi (München 1643)&lt;br /&gt;
* Teutscher Poeten Eyferig: vnd lustiges nachsinnen vber das Trostreiche ehren Lied, Agathyrs, genannt Vom Lob vnd Wolstandt Der Dürr oder Mageren Gesellschaft (1647)&lt;br /&gt;
* I. Balde. S.I. Iephtias (Amberg 1654)&lt;br /&gt;
* Solatium Podagricorvm (München 1661) &lt;br /&gt;
* De Eclipsi Solari Anno MDCLIV Die XII. Augusti, In Europa, A pluribus spectata Tvbo Optico (München 1662)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Jesu Urania Victrix (München 1663)&lt;br /&gt;
* Expeditio Polemico-Poêtica: Sive Castrvm Ignorantiae Boetorum Arcadúmque Reginae à Poetis Veteribus ac Novis obsessum, expugnatum, eversum (München 1664)&lt;br /&gt;
* Magnvs Tillivs Redivivvs Sive M. Tillij Parentalia (München 1678)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spuren in Ingolstadt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Studentenwohnheim &amp;quot;Jakob Balde&amp;quot;: In der [[Schulstraße]] 16 in Ingolstadt findet sich ein durch die [[Canisiusstiftung]] unterstütztes Studentenwohnheim. Die Namensgebung nach einem Jesuiten folgt dem Beispiel weiterer Gebäude der Canisiusstiftung.&amp;lt;ref&amp;gt;Katholische Canisiusstiftung.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Wandfresko des [[Dr. Eck-Saal|Dr. Eck-Saals]]&lt;br /&gt;
* [[Baldestraße]] in Ingolstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Katholische Canisiusstiftung (Hrsg.): Studentenwohnheim &amp;quot;Jakob Balde&amp;quot;. Ingolstadt. Online verfügbar unter &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://www.canisiusstiftung.de/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, zuletzt geprüft am 21.11.2023.&lt;br /&gt;
* Konstanciak, Ruth: Das Jesuitentheater in Ingolstadt. In: Stadtarchiv Ingolstadt (Hrsg.): Die Jesuiten in Ingolstadt. 1549-1773. Ausstellungskatalog zur Ausstellung 12. Oktober 1991 bis 12. Januar 1992. Ingolstadt 1991, S. 246–260.&lt;br /&gt;
* Weitlauff, Manfred: Balde. In: Winfried Müller und Laetitia Boehm (Hrsg.): Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ingolstadt - Landshut 1472-1826. Band 1. Berlin 1998 (Münchener Universitätschriften / Universitätsarchiv, Bd. 18), S. 29–30.&lt;br /&gt;
* Westermayer, Georg: Jacobus Balde (1604 - 1668), sein Leben und seine Werke. Eine literärhistorische Skizze zu Baldes&#039;s zweihundertjährigem Todesgedächniß. Photomechanischer Nachdruck der Ausgabe München 1868. Amsterdam, Maarssen 1998 (Geistliche Literatur der Barockzeit, Sonderband, Bd. 3).&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Pätzold, Nina}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universitätsstadt (1472-1800)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universität Ingolstadt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Persönlichkeiten]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<updated>2023-12-15T10:29:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: J.Kambach verschob die Seite Werkstatt:Jakob Balde nach Jakob Balde, ohne dabei eine Weiterleitung anzulegen: Veröffentlichung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Nina Pätzold&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jakob (Jacob/ Jacobus) Balde, SJ ([[Jesuiten|Societas Jesu]]) (* 4. Januar 1604 in Ensisheim, Elsass; † 9. August 1668 in [[Neuburg an der Donau]]) war ein deutscher Dichter und Jesuit. In Ingolstadt lehrte er als Universitätsprofessor Rhetorik.&lt;br /&gt;
[[Datei:JakobBalde GSIII92 ZentrumStadtgeschichte CarlMayer.jpg|alternativtext=Ovales Porträt von Jakob Bald mit Robe|mini|Porträt von Jacob Balde (GS III/92, Zentrum Stadtgeschichte, Lithographie von Carl Mayer)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Baldes Ausbildung begann 1613 in Belfort, er erhielt Bildung im Bereich der Humaniora bei den Jesuiten in Ensisheim und im Bereich der Philosophie in Molsheim bei Straßburg. 1621 wurde Molsheim von mansfeldischen Truppen überfallen, woraufhin Balde nach Ingolstadt kam und das Jurastudium begann. Dieses beendete er jedoch aufgrund eines für ihn einschneidenden Ereignisses nicht: Nachdem das Ständchen, welches er einer Ingolstädterin sang, ohne Anerkennung blieb, entschied er sich dazu, den damals der Musik wenig angetanen Societas Jesu zu folgen,&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 250.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach seinem berühmten Ausspruch „Cantatum satis est, frangito barbiton“ („Genug ist gesungen, es zerschelle die Leier“).&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 254&amp;lt;/ref&amp;gt; 1623 trat Balde in die Societas Jesu ein und begann am 1. Juli 1624 sein Noviziat im Kolleg zu Landsberg. Seine Lehrtätigkeit begann 1626 in München und Innsbruck in den Bereichen der Grammatik und Rhetorik. 1630 kam Balde nach Ingolstadt zurück, um das Studium der Theologie aufzunehmen, hier wurde er Zeuge der schwedischen Belagerung und schrieb, inspiriert von [[Johann T&#039;Serclaes von Tilly|Graf Tilly]], sein rhapsodisches Werk &#039;&#039;Tillii parentalia&#039;&#039;. Am 24. September 1633 wurde Balde zum Priester geweiht und anschließend nach München gesandt. In den Jahren 1635 bis 1637 kehrte er nach Ingolstadt zurück, um seine Lehrtätigkeit als Professor der Rhetorik an der [[Universität Ingolstadt|Universität in Ingolstadt]] zu vollziehen. Hier führte er sein biblisches Drama &#039;&#039;Jephtias&#039;&#039; (1637) auf, welches ihm Anerkennung als Dichter einbrachte. In den folgenden Jahren arbeitete Balde als Prinzenerzieher unter [[Herzog Albrecht VI. Leuchtenberger]], darauffolgend hatte er in München die Position des kurfürstlichen Hofpredigers inne (1638-1640) sowie des Hofhistoriographen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme bewegte sich Balde jedoch 1654 nach Neuburg an der Donau. Hier war er als Hofprediger und folgend als Beichtvater von [[Pfalzgraf Philipp Wilhelm]] angestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitlauff (1998).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort blieb Jakob Balde bis zu seinem Tod 1668.&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarisches Schaffen ==&lt;br /&gt;
Jakob Baldes Werk ist hinsichtlich der für das Barockzeitalter typischen lateinischen Sprache besonders. Eben diese Besonderheit vermindert jedoch den Zugang zum Werk mit dem Aussterben der lateinischen Sprache und bekräftigte das Vergessen von Baldes Werken. Johann Gottfried Herder, welcher Baldes Werk zwar übersetzte (&#039;&#039;Terpsichore&#039;&#039; 1795/96) konnte dem zunehmenden Vergessen dennoch nicht entgegenhalten. Baldes Stil ist gekennzeichnet von seinem umfangreichen Wissen der Lyrik, Epik und Dramatik, sowie strikt dem Barockstil folgend. Inhaltlich finden sich Themen der Natur, Vaterlandsliebe und Religiosität. Besonders prägend war unter anderem sein Werk &#039;&#039;Lyrica&#039;&#039;, welches die Dichtung von Horaz als Inspiration innehat.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitlauff (1998).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies trug mitunter dazu bei, dass Balde fortan als „Deutscher Horaz“ bekannt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prägend war Jakob Balde auch für das [[Jesuitentheater]] in Ingolstadt. Ursprung hat dieses in dem Einsatz von Theateraufführungen als zusätzliches Mittel neben dem herkömmlichen Unterrichten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 246.&amp;lt;/ref&amp;gt; Baldes &#039;&#039;Jephtias&#039;&#039;, aufgeführt 1637, ist eines dieser Theaterstücke. Das Drama spielt auf eine biblische Geschichte in Kapitel elf des Buches der Richter an. Jephte hatte vor einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den Ammonitern geschworen, sollte er siegen, so wird er das Erste, was er bei seiner Heimkehr sieht, opfern. Da Jephtes Tochter Menulema auf ihren Vater zulief, war ihr Schicksal besiegelt. Kennzeichnend für das Werk sind unter anderem Anagramme (Menulema für Emmanuel), sowie Menulemas Zögern gegenüber ihrer Opferrolle und das Leiden ihres Verlobten und ihrer Freunde. Jakob Balde führte das Drama mit Schülerinnen und Schülern auf, auch Musik, beispielsweise in Form von Sprechchören, war Teil der Aufführung.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 249.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werke (Auswahl)&amp;lt;ref&amp;gt;Westermayer (1998), S. 19–24.&amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
[[Datei:KupferstichJacobiBaldeESocietateJesuPoemaDeVanitateMundi ZentrumStadtgeschite.JPG|mini|Kupferstich aus &#039;&#039;Jacobi Balde E Societate Jesu Poema De Vanitate Mundi&#039;&#039;, 1638 (Zentrum Stadtgeschichte)]]&lt;br /&gt;
* Batrachomyomachia Homeri Tubâ Romanâ Cantatâ (Ingolstadt 1637)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Iesv Poema De Vanitate Mvndi (München 1638)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Jesv Sylvarvm Libri VII. (München 1643)&lt;br /&gt;
* Lyrica. Epodi (München 1643)&lt;br /&gt;
* Teutscher Poeten Eyferig: vnd lustiges nachsinnen vber das Trostreiche ehren Lied, Agathyrs, genannt Vom Lob vnd Wolstandt Der Dürr oder Mageren Gesellschaft (1647)&lt;br /&gt;
* I. Balde. S.I. Iephtias (Amberg 1654)&lt;br /&gt;
* Solatium Podagricorvm (München 1661) &lt;br /&gt;
* De Eclipsi Solari Anno MDCLIV Die XII. Augusti, In Europa, A pluribus spectata Tvbo Optico (München 1662)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Jesu Urania Victrix (München 1663)&lt;br /&gt;
* Expeditio Polemico-Poêtica: Sive Castrvm Ignorantiae Boetorum Arcadúmque Reginae à Poetis Veteribus ac Novis obsessum, expugnatum, eversum (München 1664)&lt;br /&gt;
* Magnvs Tillivs Redivivvs Sive M. Tillij Parentalia (München 1678)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spuren in Ingolstadt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Studentenwohnheim &amp;quot;Jakob Balde&amp;quot;: In der [[Schulstraße]] 16 in Ingolstadt findet sich ein durch die [[Canisiusstiftung]] unterstütztes Studentenwohnheim. Die Namensgebung nach einem Jesuiten folgt dem Beispiel weiterer Gebäude der Canisiusstiftung.&amp;lt;ref&amp;gt;Katholische Canisiusstiftung.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Wandfresko des [[Dr. Eck-Saal|Dr. Eck-Saals]]&lt;br /&gt;
* [[Baldestraße]] in Ingolstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Katholische Canisiusstiftung (Hrsg.): Studentenwohnheim &amp;quot;Jakob Balde&amp;quot;. Ingolstadt. Online verfügbar unter &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://www.canisiusstiftung.de/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, zuletzt geprüft am 21.11.2023.&lt;br /&gt;
* Konstanciak, Ruth: Das Jesuitentheater in Ingolstadt. In: Stadtarchiv Ingolstadt (Hrsg.): Die Jesuiten in Ingolstadt. 1549-1773. Ausstellungskatalog zur Ausstellung 12. Oktober 1991 bis 12. Januar 1992. Ingolstadt 1991, S. 246–260.&lt;br /&gt;
* Weitlauff, Manfred: Balde. In: Winfried Müller und Laetitia Boehm (Hrsg.): Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ingolstadt - Landshut 1472-1826. Band 1. Berlin 1998 (Münchener Universitätschriften / Universitätsarchiv, Bd. 18), S. 29–30.&lt;br /&gt;
* Westermayer, Georg: Jacobus Balde (1604 - 1668), sein Leben und seine Werke. Eine literärhistorische Skizze zu Baldes&#039;s zweihundertjährigem Todesgedächniß. Photomechanischer Nachdruck der Ausgabe München 1868. Amsterdam, Maarssen 1998 (Geistliche Literatur der Barockzeit, Sonderband, Bd. 3).&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Pätzold, Nina}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universitätsstadt (1472-1800)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universität Ingolstadt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Persönlichkeiten]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<title>Jakob Balde</title>
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		<updated>2023-12-15T10:28:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Fotos und Kategorien ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Nina Pätzold&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jakob (Jacob/ Jacobus) Balde, SJ ([[Jesuiten|Societas Jesu]]) (* 4. Januar 1604 in Ensisheim, Elsass; † 9. August 1668 in [[Neuburg an der Donau]]) war ein deutscher Dichter und Jesuit. In Ingolstadt lehrte er als Universitätsprofessor Rhetorik.&lt;br /&gt;
[[Datei:JakobBalde GSIII92 ZentrumStadtgeschichte CarlMayer.jpg|alternativtext=Ovales Porträt von Jakob Bald mit Robe|mini|Porträt von Jacob Balde (GS III/92, Zentrum Stadtgeschichte, Lithographie von Carl Mayer)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Baldes Ausbildung begann 1613 in Belfort, er erhielt Bildung im Bereich der Humaniora bei den Jesuiten in Ensisheim und im Bereich der Philosophie in Molsheim bei Straßburg. 1621 wurde Molsheim von mansfeldischen Truppen überfallen, woraufhin Balde nach Ingolstadt kam und das Jurastudium begann. Dieses beendete er jedoch aufgrund eines für ihn einschneidenden Ereignisses nicht: Nachdem das Ständchen, welches er einer Ingolstädterin sang, ohne Anerkennung blieb, entschied er sich dazu, den damals der Musik wenig angetanen Societas Jesu zu folgen,&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 250.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach seinem berühmten Ausspruch „Cantatum satis est, frangito barbiton“ („Genug ist gesungen, es zerschelle die Leier“).&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 254&amp;lt;/ref&amp;gt; 1623 trat Balde in die Societas Jesu ein und begann am 1. Juli 1624 sein Noviziat im Kolleg zu Landsberg. Seine Lehrtätigkeit begann 1626 in München und Innsbruck in den Bereichen der Grammatik und Rhetorik. 1630 kam Balde nach Ingolstadt zurück, um das Studium der Theologie aufzunehmen, hier wurde er Zeuge der schwedischen Belagerung und schrieb, inspiriert von [[Johann T&#039;Serclaes von Tilly|Graf Tilly]], sein rhapsodisches Werk &#039;&#039;Tillii parentalia&#039;&#039;. Am 24. September 1633 wurde Balde zum Priester geweiht und anschließend nach München gesandt. In den Jahren 1635 bis 1637 kehrte er nach Ingolstadt zurück, um seine Lehrtätigkeit als Professor der Rhetorik an der [[Universität Ingolstadt|Universität in Ingolstadt]] zu vollziehen. Hier führte er sein biblisches Drama &#039;&#039;Jephtias&#039;&#039; (1637) auf, welches ihm Anerkennung als Dichter einbrachte. In den folgenden Jahren arbeitete Balde als Prinzenerzieher unter [[Herzog Albrecht VI. Leuchtenberger]], darauffolgend hatte er in München die Position des kurfürstlichen Hofpredigers inne (1638-1640) sowie des Hofhistoriographen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme bewegte sich Balde jedoch 1654 nach Neuburg an der Donau. Hier war er als Hofprediger und folgend als Beichtvater von [[Pfalzgraf Philipp Wilhelm]] angestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitlauff (1998).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort blieb Jakob Balde bis zu seinem Tod 1668.&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarisches Schaffen ==&lt;br /&gt;
Jakob Baldes Werk ist hinsichtlich der für das Barockzeitalter typischen lateinischen Sprache besonders. Eben diese Besonderheit vermindert jedoch den Zugang zum Werk mit dem Aussterben der lateinischen Sprache und bekräftigte das Vergessen von Baldes Werken. Johann Gottfried Herder, welcher Baldes Werk zwar übersetzte (&#039;&#039;Terpsichore&#039;&#039; 1795/96) konnte dem zunehmenden Vergessen dennoch nicht entgegenhalten. Baldes Stil ist gekennzeichnet von seinem umfangreichen Wissen der Lyrik, Epik und Dramatik, sowie strikt dem Barockstil folgend. Inhaltlich finden sich Themen der Natur, Vaterlandsliebe und Religiosität. Besonders prägend war unter anderem sein Werk &#039;&#039;Lyrica&#039;&#039;, welches die Dichtung von Horaz als Inspiration innehat.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitlauff (1998).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies trug mitunter dazu bei, dass Balde fortan als „Deutscher Horaz“ bekannt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prägend war Jakob Balde auch für das [[Jesuitentheater]] in Ingolstadt. Ursprung hat dieses in dem Einsatz von Theateraufführungen als zusätzliches Mittel neben dem herkömmlichen Unterrichten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 246.&amp;lt;/ref&amp;gt; Baldes &#039;&#039;Jephtias&#039;&#039;, aufgeführt 1637, ist eines dieser Theaterstücke. Das Drama spielt auf eine biblische Geschichte in Kapitel elf des Buches der Richter an. Jephte hatte vor einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den Ammonitern geschworen, sollte er siegen, so wird er das Erste, was er bei seiner Heimkehr sieht, opfern. Da Jephtes Tochter Menulema auf ihren Vater zulief, war ihr Schicksal besiegelt. Kennzeichnend für das Werk sind unter anderem Anagramme (Menulema für Emmanuel), sowie Menulemas Zögern gegenüber ihrer Opferrolle und das Leiden ihres Verlobten und ihrer Freunde. Jakob Balde führte das Drama mit Schülerinnen und Schülern auf, auch Musik, beispielsweise in Form von Sprechchören, war Teil der Aufführung.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 249.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werke (Auswahl)&amp;lt;ref&amp;gt;Westermayer (1998), S. 19–24.&amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
[[Datei:KupferstichJacobiBaldeESocietateJesuPoemaDeVanitateMundi ZentrumStadtgeschite.JPG|mini|Kupferstich aus &#039;&#039;Jacobi Balde E Societate Jesu Poema De Vanitate Mundi&#039;&#039;, 1638 (Zentrum Stadtgeschichte)]]&lt;br /&gt;
* Batrachomyomachia Homeri Tubâ Romanâ Cantatâ (Ingolstadt 1637)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Iesv Poema De Vanitate Mvndi (München 1638)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Jesv Sylvarvm Libri VII. (München 1643)&lt;br /&gt;
* Lyrica. Epodi (München 1643)&lt;br /&gt;
* Teutscher Poeten Eyferig: vnd lustiges nachsinnen vber das Trostreiche ehren Lied, Agathyrs, genannt Vom Lob vnd Wolstandt Der Dürr oder Mageren Gesellschaft (1647)&lt;br /&gt;
* I. Balde. S.I. Iephtias (Amberg 1654)&lt;br /&gt;
* Solatium Podagricorvm (München 1661) &lt;br /&gt;
* De Eclipsi Solari Anno MDCLIV Die XII. Augusti, In Europa, A pluribus spectata Tvbo Optico (München 1662)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Jesu Urania Victrix (München 1663)&lt;br /&gt;
* Expeditio Polemico-Poêtica: Sive Castrvm Ignorantiae Boetorum Arcadúmque Reginae à Poetis Veteribus ac Novis obsessum, expugnatum, eversum (München 1664)&lt;br /&gt;
* Magnvs Tillivs Redivivvs Sive M. Tillij Parentalia (München 1678)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spuren in Ingolstadt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Studentenwohnheim &amp;quot;Jakob Balde&amp;quot;: In der [[Schulstraße]] 16 in Ingolstadt findet sich ein durch die [[Canisiusstiftung]] unterstütztes Studentenwohnheim. Die Namensgebung nach einem Jesuiten folgt dem Beispiel weiterer Gebäude der Canisiusstiftung.&amp;lt;ref&amp;gt;Katholische Canisiusstiftung.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Wandfresko des [[Dr. Eck-Saal|Dr. Eck-Saals]]&lt;br /&gt;
* [[Baldestraße]] in Ingolstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Katholische Canisiusstiftung (Hrsg.): Studentenwohnheim &amp;quot;Jakob Balde&amp;quot;. Ingolstadt. Online verfügbar unter &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://www.canisiusstiftung.de/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, zuletzt geprüft am 21.11.2023.&lt;br /&gt;
* Konstanciak, Ruth: Das Jesuitentheater in Ingolstadt. In: Stadtarchiv Ingolstadt (Hrsg.): Die Jesuiten in Ingolstadt. 1549-1773. Ausstellungskatalog zur Ausstellung 12. Oktober 1991 bis 12. Januar 1992. Ingolstadt 1991, S. 246–260.&lt;br /&gt;
* Weitlauff, Manfred: Balde. In: Winfried Müller und Laetitia Boehm (Hrsg.): Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ingolstadt - Landshut 1472-1826. Band 1. Berlin 1998 (Münchener Universitätschriften / Universitätsarchiv, Bd. 18), S. 29–30.&lt;br /&gt;
* Westermayer, Georg: Jacobus Balde (1604 - 1668), sein Leben und seine Werke. Eine literärhistorische Skizze zu Baldes&#039;s zweihundertjährigem Todesgedächniß. Photomechanischer Nachdruck der Ausgabe München 1868. Amsterdam, Maarssen 1998 (Geistliche Literatur der Barockzeit, Sonderband, Bd. 3).&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Pätzold, Nina}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universitätsstadt (1472-1800)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universität Ingolstadt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Persönlichkeiten]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Kupferstich aus Jacobi Balde E Societate Jesu Poema De Vanitate Mundi, 1638 (Zentrum Stadtgeschichte)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Kupferstich aus Jacobi Balde E Societate Jesu Poema De Vanitate Mundi, 1638 (Zentrum Stadtgeschichte)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<updated>2023-12-15T10:21:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Stich durch Lithographie ersetzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Porträt von Jakob Balde (GS III/92, Zentrum Stadtgeschichte, Lithographie von Carl Mayer)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Porträt von Jakob Balde (GS III/92, Zentrum Stadtgeschichte, Stich von Carl Mayer)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Porträt von Jakob Balde (GS III/92, Zentrum Stadtgeschichte, Stich von Carl Mayer)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Fußnoten, Literatur&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Nina Pätzold&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jakob (Jacob/ Jacobus) Balde, SJ ([[Jesuiten|Societas Jesu]]) (* 4. Januar 1604 in Ensisheim, Elsass; † 9. August 1668 in [[Neuburg an der Donau]]) war ein deutscher Dichter und Jesuit. In Ingolstadt lehrte er als Universitätsprofessor Rhetorik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Baldes Ausbildung begann 1613 in Belfort, er erhielt Bildung im Bereich der Humaniora bei den Jesuiten in Ensisheim und im Bereich der Philosophie in Molsheim bei Straßburg. 1621 wurde Molsheim von mansfeldischen Truppen überfallen, woraufhin Balde nach Ingolstadt kam und das Jurastudium begann. Dieses beendete er jedoch aufgrund eines für ihn einschneidenden Ereignisses nicht: Nachdem das Ständchen, welches er einer Ingolstädterin sang, ohne Anerkennung blieb, entschied er sich dazu, den damals der Musik wenig angetanen Societas Jesu zu folgen,&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 250.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach seinem berühmten Ausspruch „Cantatum satis est, frangito barbiton“ („Genug ist gesungen, es zerschelle die Leier“).&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 254&amp;lt;/ref&amp;gt; 1623 trat Balde in die Societas Jesu ein und begann am 1. Juli 1624 sein Noviziat im Kolleg zu Landsberg. Seine Lehrtätigkeit begann 1626 in München und Innsbruck in den Bereichen der Grammatik und Rhetorik. 1630 kam Balde nach Ingolstadt zurück, um das Studium der Theologie aufzunehmen, hier wurde er Zeuge der schwedischen Belagerung und schrieb, inspiriert von [[Johann T&#039;Serclaes von Tilly|Graf Tilly]], sein rhapsodisches Werk &#039;&#039;Tillii parentalia&#039;&#039;. Am 24. September 1633 wurde Balde zum Priester geweiht und anschließend nach München gesandt. In den Jahren 1635 bis 1637 kehrte er nach Ingolstadt zurück, um seine Lehrtätigkeit als Professor der Rhetorik an der [[Universität Ingolstadt|Universität in Ingolstadt]] zu vollziehen. Hier führte er sein biblisches Drama &#039;&#039;Jephtias&#039;&#039; (1637) auf, welches ihm Anerkennung als Dichter einbrachte. In den folgenden Jahren arbeitete Balde als Prinzenerzieher unter [[Herzog Albrecht VI. Leuchtenberger]], darauffolgend hatte er in München die Position des kurfürstlichen Hofpredigers inne (1638-1640) sowie des Hofhistoriographen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme bewegte sich Balde jedoch 1654 nach Neuburg an der Donau. Hier war er als Hofprediger und folgend als Beichtvater von [[Pfalzgraf Philipp Wilhelm]] angestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitlauff (1998).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort blieb Jakob Balde bis zu seinem Tod 1668.&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarisches Schaffen ==&lt;br /&gt;
Jakob Baldes Werk ist hinsichtlich der für das Barockzeitalter typischen lateinischen Sprache besonders. Eben diese Besonderheit vermindert jedoch den Zugang zum Werk mit dem Aussterben der lateinischen Sprache und bekräftigte das Vergessen von Baldes Werken. Johann Gottfried Herder, welcher Baldes Werk zwar übersetzte (&#039;&#039;Terpsichore&#039;&#039; 1795/96) konnte dem zunehmenden Vergessen dennoch nicht entgegenhalten. Baldes Stil ist gekennzeichnet von seinem umfangreichen Wissen der Lyrik, Epik und Dramatik, sowie strikt dem Barockstil folgend. Inhaltlich finden sich Themen der Natur, Vaterlandsliebe und Religiosität. Besonders prägend war unter anderem sein Werk &#039;&#039;Lyrica&#039;&#039;, welches die Dichtung von Horaz als Inspiration innehat.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitlauff (1998).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies trug mitunter dazu bei, dass Balde fortan als „Deutscher Horaz“ bekannt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Konstanciak (1991), S. 251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prägend war Jakob Balde auch für das [[Jesuitentheater]] in Ingolstadt. Ursprung hat dieses in dem Einsatz von Theateraufführungen als zusätzliches Mittel neben dem herkömmlichen Unterrichten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 246.&amp;lt;/ref&amp;gt; Baldes &#039;&#039;Jephtias&#039;&#039;, aufgeführt 1637, ist eines dieser Theaterstücke. Das Drama spielt auf eine biblische Geschichte in Kapitel elf des Buches der Richter an. Jephte hatte vor einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den Ammonitern geschworen, sollte er siegen, so wird er das Erste, was er bei seiner Heimkehr sieht, opfern. Da Jephtes Tochter Menulema auf ihren Vater zulief, war ihr Schicksal besiegelt. Kennzeichnend für das Werk sind unter anderem Anagramme (Menulema für Emmanuel), sowie Menulemas Zögern gegenüber ihrer Opferrolle und das Leiden ihres Verlobten und ihrer Freunde. Jakob Balde führte das Drama mit Schülerinnen und Schülern auf, auch Musik, beispielsweise in Form von Sprechchören, war Teil der Aufführung.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 249.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werke (Auswahl)&amp;lt;ref&amp;gt;Westermayer (1998), S. 19–24.&amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Batrachomyomachia Homeri Tubâ Romanâ Cantatâ (Ingolstadt 1637)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Iesv Poema De Vanitate Mvndi (München 1638)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Jesv Sylvarvm Libri VII. (München 1643)&lt;br /&gt;
* Lyrica. Epodi (München 1643)&lt;br /&gt;
* Teutscher Poeten Eyferig: vnd lustiges nachsinnen vber das Trostreiche ehren Lied, Agathyrs, genannt Vom Lob vnd Wolstandt Der Dürr oder Mageren Gesellschaft (1647)&lt;br /&gt;
* I. Balde. S.I. Iephtias (Amberg 1654)&lt;br /&gt;
* Solatium Podagricorvm (München 1661) &lt;br /&gt;
* De Eclipsi Solari Anno MDCLIV Die XII. Augusti, In Europa, A pluribus spectata Tvbo Optico (München 1662)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Jesu Urania Victrix (München 1663)&lt;br /&gt;
* Expeditio Polemico-Poêtica: Sive Castrvm Ignorantiae Boetorum Arcadúmque Reginae à Poetis Veteribus ac Novis obsessum, expugnatum, eversum (München 1664)&lt;br /&gt;
* Magnvs Tillivs Redivivvs Sive M. Tillij Parentalia (München 1678)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spuren in Ingolstadt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Studentenwohnheim &amp;quot;Jakob Balde&amp;quot;: In der [[Schulstraße]] 16 in Ingolstadt findet sich ein durch die [[Canisiusstiftung]] unterstütztes Studentenwohnheim. Die Namensgebung nach einem Jesuiten folgt dem Beispiel weiterer Gebäude der Canisiusstiftung.&amp;lt;ref&amp;gt;Katholische Canisiusstiftung.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Wandfresko des [[Dr. Eck-Saal|Dr. Eck-Saals]]&lt;br /&gt;
* [[Baldestraße]] in Ingolstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Katholische Canisiusstiftung (Hrsg.): Studentenwohnheim &amp;quot;Jakob Balde&amp;quot;. Ingolstadt. Online verfügbar unter &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://www.canisiusstiftung.de/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, zuletzt geprüft am 21.11.2023.&lt;br /&gt;
* Konstanciak, Ruth: Das Jesuitentheater in Ingolstadt. In: Stadtarchiv Ingolstadt (Hrsg.): Die Jesuiten in Ingolstadt. 1549-1773. Ausstellungskatalog zur Ausstellung 12. Oktober 1991 bis 12. Januar 1992. Ingolstadt 1991, S. 246–260.&lt;br /&gt;
* Weitlauff, Manfred: Balde. In: Winfried Müller und Laetitia Boehm (Hrsg.): Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ingolstadt - Landshut 1472-1826. Band 1. Berlin 1998 (Münchener Universitätschriften / Universitätsarchiv, Bd. 18), S. 29–30.&lt;br /&gt;
* Westermayer, Georg: Jacobus Balde (1604 - 1668), sein Leben und seine Werke. Eine literärhistorische Skizze zu Baldes&#039;s zweihundertjährigem Todesgedächniß. Photomechanischer Nachdruck der Ausgabe München 1868. Amsterdam, Maarssen 1998 (Geistliche Literatur der Barockzeit, Sonderband, Bd. 3).&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Pätzold, Nina}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Melchior_Puchner&amp;diff=1538</id>
		<title>Melchior Puchner</title>
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		<updated>2023-12-14T08:12:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Verlinkungen ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Abb. 1- Melchior Puchner, „Mariä Heimsuchung“, lavierte Federzeichnung, 1737 oder früher, Privatbesitz (Vorderseite).jpg|mini|Abb. 1: Melchior Puchner, „Mariä Heimsuchung“, lavierte Federzeichnung, 1737 oder früher, Privatbesitz (Vorderseite)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Melchior Puchner - eine neu entdeckte Entwurfszeichnung ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beitrag von Markus Bauer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Melchior Puchner (* 6. Januar 1695 in Schongau; † 12. September 1758 in Ingolstadt) gehört zu den großen Malern und Stukkateuren des Barock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Melchior Puchner in Ingolstadt ====&lt;br /&gt;
Im Jahr 1721 ließ sich der 1695 in Schongau geborene Melchior Puchner (Buchner) als „akademischer Maler“ in Ingolstadt nieder&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 2010, S. 269.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Seine Haupttätigkeit bestand in der Freskenmalerei, untergeordnet auch in der Ölmalerei. Zudem haben sich einige Entwurfszeichnungen aus Puchners Hand erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ingolstadt selbst zeugen heute noch Deckenfresken in der Heiliggeist-Kirche (um 1730), in der [[Franziskanerkirche]] (1740/41) und im Saal der [[Alte Anatomie|Alten Anatomie]] (um 1735/40) sowie Ölbilder in [[Maria de Victoria]] und in der Franziskanerkirche von Puchners umfangreichem Schaffen. Auch in der näheren und weiteren Umgebung finden sich zahlreiche Werke, die sicher von ihm stammen oder ihm aus stilistischen Gründen zugeordnet werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== St. Martin in Fischbachau ===&lt;br /&gt;
Zu nennen sind hier beispielsweise Deckenfresken in den Dorfkirchen von [[Etting]] (um 1727) und [[Zuchering]] (1723), ferner die umfangreicheren Freskenzyklen in der Klosterkirche von Geisenfeld (1728), in der Stadtpfarrkirche von Hilpoltstein (um 1733) und in der Kirche von Gosseltshausen (1752). Im Auftrag des Benediktinerklosters Scheyern malte Puchner unter anderem in der Kirche von Bayrischzell (1737) und in der ehemaligen Propsteikirche St. Martin in Fischbachau.&amp;lt;ref&amp;gt;zum Werk von Puchner: Corpus 2010, Dehio 1999, Dehio 2006, Hofmann 1973, S. 156–175.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 1737/38 entstandene Freskenausstattung in Fischbachau zählt mit ihren insgesamt 87 Bildfeldern zu den Hauptwerken Puchners. So zeigen die Decken des Mittelschiffs sowie des nördlichen Seitenschiffs Bildprogramme zum hl. Martin von Tours und zum Benediktinerorden, während sich im südlichen Seitenschiff ein Zyklus zu den Rosenkranzgeheimnissen befindet.&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 1981, S. 472.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Fischbachau Fresko.jpg|mini|Abb. 2: Melchior Puchner, Fresko „Mariä Heimsuchung“, Fischbachau (Kirche St. Martin), 1737/38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neu entdeckte Zeichnung Melchior Puchners ===&lt;br /&gt;
Vor kurzem konnte nun eine unsignierte Zeichnung (Abb. 1) aus einer Privatsammlung als Entwurf für Puchners Fresko „Mariä Heimsuchung“ (Abb. 2) in Fischbachau identifiziert werden. Das Fresko verbildlicht im dortigen Rosenkranz-Zyklus das zweite Geheimnis aus dem Freudenreichen Rosenkranz: „Den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Corpus 1981, S. 493f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem Entwurf handelt sich um eine lavierte, 22 x 19,3 cm messende Federzeichnung auf Büttenpapier (mit Wasserzeichen). Das runde Bildfeld ist mit dem Bleistift umrissen, zudem hat das Blatt eine rechteckige Umrandung aus dickem Bleistiftstrich. Während die Hauptgruppe aus Elisabeth und Maria mit Feder und Pinsel voll ausgearbeitet ist, zeigen sich Zacharias, rechts hinter Elisabeth stehend, und Josef, als Dreiviertelfigur links hinter Maria zu sehen, deutlich weniger detailreich. Architektur und Bäume im Hintergrund sind schließlich nur noch schematisch erkennbar. Vor Elisabeth und Zacharias ist zudem ein schmiedeeisernes Treppengeländer angedeutet. Der Umhang des verschattet dargestellten Zacharias hat einen leicht roten Farbton. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeichnung lässt sich stilistisch bestens mit den vier Entwurfszeichnungen&amp;lt;ref&amp;gt;München, Staatl. Graph. Slg., Inv.-Nr. 7326–7329, abgebildet in: Corpus 2005, S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Puchner für den Kongregationssaal im ehemaligen Bruderschaftshaus zur Schmerzhaften Muttergottes in [[Neuburg an der Donau]] (heute Provinzialbibliothek bzw. Staatl. Bibliothek) vergleichen, die 1732 oder kurz vorher im Zusammenhang mit der dortigen Freskenausstattung entstanden sein dürften. Neben grundsätzlichen Übereinstimmungen beim Federduktus fallen Parallelen bei der mehrfach in der Farbintensität abgestuften Lavierung, bei den Physiognomien und, besonders hervorstechend, bei der Klei-dung auf. So findet sich der weiche, etwas schwere Faltenwurf der Gewänder von Maria und Elisabeth sowie das im Widerspruch dazu stehende, unruhig und geradezu scheckig wirkende Spiel von Licht und Schatten auch auf den Entwürfen für Neuburg – vor allem bei den Hauptfiguren. Hingegen fällt bei beschatteten Nebenfiguren die flächige, wenig differenzierte Lavierung ins Auge. &lt;br /&gt;
[[Datei:Maratta.jpg|alternativtext=Abb. 3: Carlo Maratta, Radierung „Mariä Heimsuchung“|mini|Abb. 3: Carlo Maratta, Radierung „Mariä Heimsuchung“]]&lt;br /&gt;
Als Vorlage für Puchners Entwurf zur „Heimsuchung“ diente eine themengleiche Radierung (Abb. 3) des römischen Malers Carlo Maratta (1625–1713) oder einer der zahlreichen Nachstiche, die von verschiedenen Stechern angefertigt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 1981, S. 494.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedoch übernahm Puchner Marattas Darstellung nicht völlig unverändert. Sind die Figuren Marias, Elisabeths und Zacharias´ nur leicht variiert, so fallen bei Josef größere Veränderungen auf. Die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth ist nun auf eine wesentlich stärker ansteigende Treppe verlegt. Treppe und Figuren sind bei Puchner außerdem in leichter Untersicht wiedergegeben, um den Erfordernissen der Deckenmalerei gerecht zu werden. Ohne Bedeutung für Puchner blieb Marattas Bildhintergrund – hier bediente er sich anderer Vorbilder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In welcher Beziehung steht die Zeichnung nun zum Fresko „Mariä Heimsuchung“ in Fischbachau?  Zunächst fällt auf, dass die rechte Gruppe mit Maria, Elisabeth und Zacharias nahezu unverändert ins Fresko übernommen wurde, auch bei der Treppe zeigen sich im Grunde keine wesentlichen Veränderungen. Josef ist nun jedoch, auch in anderer Körperhaltung dargestellt, weiter nach links gerückt, eine Dienerin, die Gepäck auf dem Kopf trägt, ist an seine Seite gestellt. Auf der Zeichnung ist Josef neben dem mit der Feder gezeichneten Josef in derselben Körperhaltung wie im Fresko ein zweites Mal zu erkennen, allerdings nur grob mit dem Bleistift skizziert, während die Dienerin noch völlig fehlt. Das Motiv von Josef mit der Dienerin dürfte auf eine themengleiche Radierung (Abb. 4) von Johann Georg Bergmüller (1688–1762) aus dessen Rosenkranz-Serie zurückgehen .&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Bauer/Epple 2022, S. 257ff., Nr. Se 7.3.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der im Fresko zu sehende Hund ist auf der Zeichnung – direkt unter Maria und Elisabeth – nur mit dem Bleistift umrissen. Bäume und Mauer des Bildhintergrundes finden sich ähnlich im Fresko wieder, der Dreiecksgiebel ist allerdings weiter nach rechts, hinter die beiden Frauen verschoben. An seine Stelle ist ein Berg gerückt, der als Anspielung auf die alpine Berglandschaft um Fischbachau gedeutet werden kann. &lt;br /&gt;
[[Datei:Radierung „Mariä Heimsuchung“, um 1722-23.jpg|alternativtext=Abb. 4: Johann Georg Bergmüller, Radierung „Mariä Heimsuchung“, um 1722/23|mini|Abb. 4: Johann Georg Bergmüller, Radierung „Mariä Heimsuchung“, um 1722/23]]&lt;br /&gt;
All diese Beobachtungen weisen darauf hin, dass es sich bei der vorliegenden Zeichnung um einen Erst- bzw. Vorentwurf für das Fresko in Fischbachau handelt. Möglicherweise wurde sie bereits mehrere Jahre vor dem Auftrag für Fischbachau – als Vorlagenmaterial für künftige Arbeiten – auf Vorrat angefertigt. Ebenso wie andere Maler dürfte auch Puchner einen größeren Bestand von Vorlagenblättern – Kupferstiche, eigenhändige und fremde Zeichnungen usw. – in seiner Werkstatt verwahrt haben. Als nun das Fresko für Fischbachau zu entwerfen war, konnte er auf diese Zeichnung zurückgreifen, um sie zu ergänzen bzw. zu verändern, wie es mit dem Bleistift erfolgte, und dabei zusätzliche Elemente aus anderen Vorlagen einzuarbeiten. Die ebenfalls mit dem Bleistift aufgezeichnete Quadrierung deutet auf eine Übertragung in ein anderes Medium oder Format hin. Sie ist allerdings nicht deckungsgleich mit der in den Putz geritzten Quadrierung beim Fresko. So wird es wohl noch einen vollständig ausgearbeiteten Ausführungsentwurf auf Basis der vorliegenden Zeichnung gegeben haben, der dann außerdem die endgültige Rahmenform des Freskos berücksichtigte.&lt;br /&gt;
[[Datei:Zeichnung.jpg|alternativtext=|mini|Abb. 5: Melchior Puchner, Bleistiftzeichnung, 1737 oder früher, Privatbesitz]]&lt;br /&gt;
Übrigens verdient auch die Rückseite des Blattes (Abb. 5) Beachtung, denn diese zeigt einen Ausschnitt aus einer mit dem Bleistift skizzierten größeren Komposition, die sich bisher nicht mit einem konkreten Werk von Puchner in Verbindung bringen lässt. So sind in der Mitte mehrere Engel dargestellt. Unten rechts ist eine bärtige männliche, unten links eine weibliche Figur zu erkennen. Beide sind allerdings abgeschnitten, woran zu erkennen ist, dass das ursprünglich größere Blatt nachträglich, wohl nachdem die „Heimsuchung“ auf der Vorderseite gezeichnet war, beschnitten wurde.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Bedeutung ====&lt;br /&gt;
Insgesamt beruht die Bedeutung dieses Blattes nicht nur auf der Verwendung als Entwurf bzw. Vorlage, sondern vor allem darauf, dass sich interessante Erkenntnisse zur Arbeitsweise und Entwurfstätigkeit von Melchior Puchner gewinnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer in Fischbachau malte Puchner das Thema „Mariä Heimsuchung“ bereits um 1733 in Hilpoltstein und 1752 nochmals in Gosseltshausen. Er stellte es jeweils in einer unterschiedlichen Variante dar. Für Gosselshausen wählte er einen themengleichen Kupferstich nach Peter Paul Rubens (1577–1640) als Vorlage.&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 2010, S. 210.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bauer, Markus und Epple, Alois: Johann Georg Bergmüller – Druckgrafik, Teil 2: Serien, Band 1, Norderstedt 2022 (Bauer/Epple 2022)&lt;br /&gt;
* Bachter, Falk und Bauer-Wild, Anna  u.a.: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland – Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach (Bd. 2), München 1981 (Corpus 1981)&lt;br /&gt;
* Sauerländer, Brigitte und Volk-Knüttel, Brigitte: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland – Landkreis Neuburg-Schrobenhausen (Bd. 10), München 2005 (Corpus 2005)&lt;br /&gt;
* Bauer-Wild, Anna und Böhm, Cordula  u.a.: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland – Stadt Ingolstadt, Landkreis Pfaffenhofen (Bd. 14), München 2010  (Corpus 2010)&lt;br /&gt;
* Breuer, Tillmann und Oswald, Friedrich u.a.: Georg Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I, Franken, München/Berlin 1999 (Dehio 1999)&lt;br /&gt;
* &amp;lt;br /&amp;gt; Habel, Heinrich und Hemmeter, Karlheinz  u.a.: Georg Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern IV, München und Oberbayern, München/Berlin 2006 (Dehio 2006)&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Zum Werk Ingolstädter Freskenmaler der 18. Jahrhunderts, in: Sammelblatt d. Historischen Vereins Ingolstadt 1973 (82), Ingolstadt 1973, S. 156–183 (Hofmann 1973)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;{{Zitierweise|Autor=Bauer, Markus}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universitätsstadt (1472-1800)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kunst und Kultur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Persönlichkeiten]]&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Puchner_Melchior}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Melchior_Puchner&amp;diff=1537</id>
		<title>Melchior Puchner</title>
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		<updated>2023-12-14T08:04:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Anpassung Formalia (Sortierung, Überschriftenstruktur)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Abb. 1- Melchior Puchner, „Mariä Heimsuchung“, lavierte Federzeichnung, 1737 oder früher, Privatbesitz (Vorderseite).jpg|mini|Abb. 1: Melchior Puchner, „Mariä Heimsuchung“, lavierte Federzeichnung, 1737 oder früher, Privatbesitz (Vorderseite)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Melchior Puchner - eine neu entdeckte Entwurfszeichnung ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beitrag von Markus Bauer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Melchior Puchner (* 6. Januar 1695 in Schongau; † 12. September 1758 in Ingolstadt) gehört zu den großen Malern und Stukkateuren des Barock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Melchior Puchner in Ingolstadt ====&lt;br /&gt;
Im Jahr 1721 ließ sich der 1695 in Schongau geborene Melchior Puchner (Buchner) als „akademischer Maler“ in Ingolstadt nieder&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 2010, S. 269.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Seine Haupttätigkeit bestand in der Freskenmalerei, untergeordnet auch in der Ölmalerei. Zudem haben sich einige Entwurfszeichnungen aus Puchners Hand erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ingolstadt selbst zeugen heute noch Deckenfresken in der Heiliggeist-Kirche (um 1730), in der Franziskanerkirche (1740/41) und im Saal der [[Alte Anatomie|Alten Anatomie]] (um 1735/40) sowie Ölbilder in Maria de Victoria und in der Franziskanerkirche von Puchners umfangreichem Schaffen. Auch in der näheren und weiteren Umgebung finden sich zahlreiche Werke, die sicher von ihm stammen oder ihm aus stilistischen Gründen zugeordnet werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== St. Martin in Fischbachau ===&lt;br /&gt;
Zu nennen sind hier beispielsweise Deckenfresken in den Dorfkirchen von Etting (um 1727) und Zuchering (1723), ferner die umfangreicheren Freskenzyklen in der Klosterkirche von Geisenfeld (1728), in der Stadtpfarrkirche von Hilpoltstein (um 1733) und in der Kirche von Gosseltshausen (1752). Im Auftrag des Benediktinerklosters Scheyern malte Puchner unter anderem in der Kirche von Bayrischzell (1737) und in der ehemaligen Propsteikirche St. Martin in Fischbachau.&amp;lt;ref&amp;gt;zum Werk von Puchner: Corpus 2010, Dehio 1999, Dehio 2006, Hofmann 1973, S. 156–175.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 1737/38 entstandene Freskenausstattung in Fischbachau zählt mit ihren insgesamt 87 Bildfeldern zu den Hauptwerken Puchners. So zeigen die Decken des Mittelschiffs sowie des nördlichen Seitenschiffs Bildprogramme zum hl. Martin von Tours und zum Benediktinerorden, während sich im südlichen Seitenschiff ein Zyklus zu den Rosenkranzgeheimnissen befindet.&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 1981, S. 472.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Fischbachau Fresko.jpg|mini|Abb. 2: Melchior Puchner, Fresko „Mariä Heimsuchung“, Fischbachau (Kirche St. Martin), 1737/38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neu entdeckte Zeichnung Melchior Puchners ===&lt;br /&gt;
Vor kurzem konnte nun eine unsignierte Zeichnung (Abb. 1) aus einer Privatsammlung als Entwurf für Puchners Fresko „Mariä Heimsuchung“ (Abb. 2) in Fischbachau identifiziert werden. Das Fresko verbildlicht im dortigen Rosenkranz-Zyklus das zweite Geheimnis aus dem Freudenreichen Rosenkranz: „Den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Corpus 1981, S. 493f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem Entwurf handelt sich um eine lavierte, 22 x 19,3 cm messende Federzeichnung auf Büttenpapier (mit Wasserzeichen). Das runde Bildfeld ist mit dem Bleistift umrissen, zudem hat das Blatt eine rechteckige Umrandung aus dickem Bleistiftstrich. Während die Hauptgruppe aus Elisabeth und Maria mit Feder und Pinsel voll ausgearbeitet ist, zeigen sich Zacharias, rechts hinter Elisabeth stehend, und Josef, als Dreiviertelfigur links hinter Maria zu sehen, deutlich weniger detailreich. Architektur und Bäume im Hintergrund sind schließlich nur noch schematisch erkennbar. Vor Elisabeth und Zacharias ist zudem ein schmiedeeisernes Treppengeländer angedeutet. Der Umhang des verschattet dargestellten Zacharias hat einen leicht roten Farbton. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeichnung lässt sich stilistisch bestens mit den vier Entwurfszeichnungen&amp;lt;ref&amp;gt;München, Staatl. Graph. Slg., Inv.-Nr. 7326–7329, abgebildet in: Corpus 2005, S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Puchner für den Kongregationssaal im ehemaligen Bruderschaftshaus zur Schmerzhaften Muttergottes in Neuburg a. d. Donau (heute Provinzialbibliothek bzw. Staatl. Bibliothek) vergleichen, die 1732 oder kurz vorher im Zusammenhang mit der dortigen Freskenausstattung entstanden sein dürften. Neben grundsätzlichen Übereinstimmungen beim Federduktus fallen Parallelen bei der mehrfach in der Farbintensität abgestuften Lavierung, bei den Physiognomien und, besonders hervorstechend, bei der Klei-dung auf. So findet sich der weiche, etwas schwere Faltenwurf der Gewänder von Maria und Elisabeth sowie das im Widerspruch dazu stehende, unruhig und geradezu scheckig wirkende Spiel von Licht und Schatten auch auf den Entwürfen für Neuburg – vor allem bei den Hauptfiguren. Hingegen fällt bei beschatteten Nebenfiguren die flächige, wenig differenzierte Lavierung ins Auge. &lt;br /&gt;
[[Datei:Maratta.jpg|alternativtext=Abb. 3: Carlo Maratta, Radierung „Mariä Heimsuchung“|mini|Abb. 3: Carlo Maratta, Radierung „Mariä Heimsuchung“]]&lt;br /&gt;
Als Vorlage für Puchners Entwurf zur „Heimsuchung“ diente eine themengleiche Radierung (Abb. 3) des römischen Malers Carlo Maratta (1625–1713) oder einer der zahlreichen Nachstiche, die von verschiedenen Stechern angefertigt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 1981, S. 494.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedoch übernahm Puchner Ma-rattas Darstellung nicht völlig unverändert. Sind die Figuren Marias, Elisabeths und Zacharias´ nur leicht variiert, so fallen bei Josef größere Veränderungen auf. Die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth ist nun auf eine wesentlich stärker ansteigende Treppe verlegt. Treppe und Figuren sind bei Puchner außerdem in leichter Untersicht wiedergegeben, um den Erfordernissen der Decken-malerei gerecht zu werden. Ohne Bedeutung für Puchner blieb Marattas Bildhintergrund – hier bediente er sich anderer Vorbilder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In welcher Beziehung steht die Zeichnung nun zum Fresko „Mariä Heimsuchung“ in Fischbachau?  Zunächst fällt auf, dass die rechte Gruppe mit Maria, Elisabeth und Zacharias nahezu unverändert ins Fresko übernommen wurde, auch bei der Treppe zeigen sich im Grunde keine wesentlichen Veränderungen. Josef ist nun jedoch, auch in anderer Körperhaltung dargestellt, weiter nach links gerückt, eine Dienerin, die Gepäck auf dem Kopf trägt, ist an seine Seite gestellt. Auf der Zeichnung ist Josef neben dem mit der Feder gezeichneten Josef in derselben Körperhaltung wie im Fresko ein zweites Mal zu erkennen, allerdings nur grob mit dem Bleistift skizziert, während die Dienerin noch völlig fehlt. Das Motiv von Josef mit der Dienerin dürfte auf eine themengleiche Radierung (Abb. 4) von Johann Georg Bergmüller (1688–1762) aus dessen Rosenkranz-Serie zurückgehen .&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Bauer/Epple 2022, S. 257ff., Nr. Se 7.3.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der im Fresko zu sehende Hund ist auf der Zeichnung – direkt unter Maria und Elisabeth – nur mit dem Bleistift umrissen. Bäume und Mauer des Bildhintergrundes finden sich ähnlich im Fresko wieder, der Dreiecksgiebel ist allerdings weiter nach rechts, hinter die beiden Frauen verschoben. An seine Stelle ist ein Berg gerückt, der als Anspielung auf die alpine Berglandschaft um Fischbachau gedeutet werden kann. &lt;br /&gt;
[[Datei:Radierung „Mariä Heimsuchung“, um 1722-23.jpg|alternativtext=Abb. 4: Johann Georg Bergmüller, Radierung „Mariä Heimsuchung“, um 1722/23|mini|Abb. 4: Johann Georg Bergmüller, Radierung „Mariä Heimsuchung“, um 1722/23]]&lt;br /&gt;
All diese Beobachtungen weisen darauf hin, dass es sich bei der vorliegenden Zeichnung um einen Erst- bzw. Vorentwurf für das Fresko in Fischbachau handelt. Möglicherweise wurde sie bereits mehrere Jahre vor dem Auftrag für Fischbachau – als Vorlagenmaterial für künftige Arbeiten – auf Vorrat angefertigt. Ebenso wie andere Maler dürfte auch Puchner einen größeren Bestand von Vorlagenblättern – Kupferstiche, eigenhändige und fremde Zeichnungen usw. – in seiner Werkstatt verwahrt haben. Als nun das Fresko für Fischbachau zu entwerfen war, konnte er auf diese Zeichnung zurückgreifen, um sie zu ergänzen bzw. zu verändern, wie es mit dem Bleistift erfolgte, und dabei zusätzliche Elemente aus anderen Vorlagen einzuarbeiten. Die ebenfalls mit dem Bleistift aufgezeichnete Quadrierung deutet auf eine Übertragung in ein anderes Medium oder Format hin. Sie ist allerdings nicht deckungsgleich mit der in den Putz geritzten Quadrierung beim Fresko. So wird es wohl noch einen vollständig ausgearbeiteten Ausführungsentwurf auf Basis der vorliegenden Zeichnung gegeben haben, der dann außerdem die endgültige Rahmenform des Freskos berücksichtigte.&lt;br /&gt;
[[Datei:Zeichnung.jpg|alternativtext=|mini|Abb. 5: Melchior Puchner, Bleistiftzeichnung, 1737 oder früher, Privatbesitz]]&lt;br /&gt;
Übrigens verdient auch die Rückseite des Blattes (Abb. 5) Beachtung, denn diese zeigt einen Ausschnitt aus einer mit dem Bleistift skizzierten größeren Komposition, die sich bisher nicht mit einem konkreten Werk von Puchner in Verbindung bringen lässt. So sind in der Mitte mehrere Engel dargestellt. Unten rechts ist eine bärtige männliche, unten links eine weibliche Figur zu erkennen. Beide sind allerdings abgeschnitten, woran zu erkennen ist, dass das ursprünglich größere Blatt nachträglich, wohl nachdem die „Heimsuchung“ auf der Vorderseite gezeichnet war, beschnitten wurde.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BedeutungInsgesamt beruht die Bedeutung dieses Blattes nicht nur auf der Verwendung als Entwurf bzw. Vorlage, sondern vor allem darauf, dass sich interessante Erkenntnisse zur Arbeitsweise und Entwurfstätigkeit von Melchior Puchner gewinnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer in Fischbachau malte Puchner das Thema „Mariä Heimsuchung“ bereits um 1733 in Hilpoltstein und 1752 nochmals in Gosseltshausen. Er stellte es jeweils in einer unterschiedlichen Variante dar. Für Gosselshausen wählte er einen themengleichen Kupferstich nach Peter Paul Rubens (1577–1640) als Vorlage.&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 2010, S. 210.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bauer, Markus und Epple, Alois: Johann Georg Bergmüller – Druckgrafik, Teil 2: Serien, Band 1, Norderstedt 2022 (Bauer/Epple 2022)&lt;br /&gt;
* Bachter, Falk und Bauer-Wild, Anna  u.a.: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland – Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach (Bd. 2), München 1981 (Corpus 1981)&lt;br /&gt;
* Sauerländer, Brigitte und Volk-Knüttel, Brigitte: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland – Landkreis Neuburg-Schrobenhausen (Bd. 10), München 2005 (Corpus 2005)&lt;br /&gt;
* Bauer-Wild, Anna und Böhm, Cordula  u.a.: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland – Stadt Ingolstadt, Landkreis Pfaffenhofen (Bd. 14), München 2010  (Corpus 2010)&lt;br /&gt;
* Breuer, Tillmann und Oswald, Friedrich u.a.: Georg Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I, Franken, München/Berlin 1999 (Dehio 1999)&lt;br /&gt;
* &amp;lt;br /&amp;gt; Habel, Heinrich und Hemmeter, Karlheinz  u.a.: Georg Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern IV, München und Oberbayern, München/Berlin 2006 (Dehio 2006)&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Zum Werk Ingolstädter Freskenmaler der 18. Jahrhunderts, in: Sammelblatt d. Historischen Vereins Ingolstadt 1973 (82), Ingolstadt 1973, S. 156–183 (Hofmann 1973)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;{{Zitierweise|Autor=Bauer, Markus}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universitätsstadt (1472-1800)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kunst und Kultur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Persönlichkeiten]]&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Puchner_Melchior}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Melchior_Puchner&amp;diff=1534</id>
		<title>Melchior Puchner</title>
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		<updated>2023-12-13T06:10:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: J.Kambach verschob die Seite Werkstatt:Melchior Puchner nach Melchior Puchner, ohne dabei eine Weiterleitung anzulegen: Veröffentlichung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Abb. 1- Melchior Puchner, „Mariä Heimsuchung“, lavierte Federzeichnung, 1737 oder früher, Privatbesitz (Vorderseite).jpg|mini|Abb. 1: Melchior Puchner, „Mariä Heimsuchung“, lavierte Federzeichnung, 1737 oder früher, Privatbesitz (Vorderseite)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Melchior Puchner - eine neu entdeckte Entwurfszeichnung ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Markus Bauer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Melchior Puchner (* 6. Januar 1695 in Schongau; † 12. September 1758 in Ingolstadt) gehört zu den großen Malern und Stukkateuren des Barock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Melchior Puchner in Ingolstadt ====&lt;br /&gt;
Im Jahr 1721 ließ sich der 1695 in Schongau geborene Melchior Puchner (Buchner) als „akademischer Maler“ in Ingolstadt nieder&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 2010, S. 269.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Seine Haupttätigkeit bestand in der Freskenmalerei, untergeordnet auch in der Ölmalerei. Zudem haben sich einige Entwurfszeichnungen aus Puchners Hand erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ingolstadt selbst zeugen heute noch Deckenfresken in der Heiliggeist-Kirche (um 1730), in der Franziskanerkirche (1740/41) und im Saal der [[Alte Anatomie|Alten Anatomie]] (um 1735/40) sowie Ölbilder in Maria de Victoria und in der Franziskanerkirche von Puchners umfangreichem Schaffen. Auch in der näheren und weiteren Umgebung finden sich zahlreiche Werke, die sicher von ihm stammen oder ihm aus stilistischen Gründen zugeordnet werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== St. Martin in Fischbachau ====&lt;br /&gt;
Zu nennen sind hier beispielsweise Deckenfresken in den Dorfkirchen von Etting (um 1727) und Zuchering (1723), ferner die umfangreicheren Freskenzyklen in der Klosterkirche von Geisenfeld (1728), in der Stadtpfarrkirche von Hilpoltstein (um 1733) und in der Kirche von Gosseltshausen (1752). Im Auftrag des Benediktinerklosters Scheyern malte Puchner unter anderem in der Kirche von Bayrischzell (1737) und in der ehemaligen Propsteikirche St. Martin in Fischbachau.&amp;lt;ref&amp;gt;zum Werk von Puchner: Corpus 2010, Dehio 1999, Dehio 2006, Hofmann 1973, S. 156–175.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 1737/38 entstandene Freskenausstattung in Fischbachau zählt mit ihren insgesamt 87 Bildfeldern zu den Hauptwerken Puchners. So zeigen die Decken des Mittelschiffs sowie des nördlichen Seitenschiffs Bildprogramme zum hl. Martin von Tours und zum Benediktinerorden, während sich im südlichen Seitenschiff ein Zyklus zu den Rosenkranzgeheimnissen befindet.&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 1981, S. 472.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Fischbachau Fresko.jpg|mini|Abb. 2: Melchior Puchner, Fresko „Mariä Heimsuchung“, Fischbachau (Kirche St. Martin), 1737/38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Neu entdeckte Zeichnung Melchior Puchners ====&lt;br /&gt;
Vor kurzem konnte nun eine unsignierte Zeichnung (Abb. 1) aus einer Privatsammlung als Entwurf für Puchners Fresko „Mariä Heimsuchung“ (Abb. 2) in Fischbachau identifiziert werden. Das Fresko verbildlicht im dortigen Rosenkranz-Zyklus das zweite Geheimnis aus dem Freudenreichen Rosenkranz: „Den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Corpus 1981, S. 493f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem Entwurf handelt sich um eine lavierte, 22 x 19,3 cm messende Federzeichnung auf Büttenpapier (mit Wasserzeichen). Das runde Bildfeld ist mit dem Bleistift umrissen, zudem hat das Blatt eine rechteckige Umrandung aus dickem Bleistiftstrich. Während die Hauptgruppe aus Elisabeth und Maria mit Feder und Pinsel voll ausgearbeitet ist, zeigen sich Zacharias, rechts hinter Elisabeth stehend, und Josef, als Dreiviertelfigur links hinter Maria zu sehen, deutlich weniger detailreich. Architektur und Bäume im Hintergrund sind schließlich nur noch schematisch erkennbar. Vor Elisabeth und Zacharias ist zudem ein schmiedeeisernes Treppengeländer angedeutet. Der Umhang des verschattet dargestellten Zacharias hat einen leicht roten Farbton. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeichnung lässt sich stilistisch bestens mit den vier Entwurfszeichnungen&amp;lt;ref&amp;gt;München, Staatl. Graph. Slg., Inv.-Nr. 7326–7329, abgebildet in: Corpus 2005, S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Puchner für den Kongregationssaal im ehemaligen Bruderschaftshaus zur Schmerzhaften Muttergottes in Neuburg a. d. Donau (heute Provinzialbibliothek bzw. Staatl. Bibliothek) vergleichen, die 1732 oder kurz vorher im Zusammenhang mit der dortigen Freskenausstattung entstanden sein dürften. Neben grundsätzlichen Übereinstimmungen beim Federduktus fallen Parallelen bei der mehrfach in der Farbintensität abgestuften Lavierung, bei den Physiognomien und, besonders hervorstechend, bei der Klei-dung auf. So findet sich der weiche, etwas schwere Faltenwurf der Gewänder von Maria und Elisabeth sowie das im Widerspruch dazu stehende, unruhig und geradezu scheckig wirkende Spiel von Licht und Schatten auch auf den Entwürfen für Neuburg – vor allem bei den Hauptfiguren. Hingegen fällt bei beschatteten Nebenfiguren die flächige, wenig differenzierte Lavierung ins Auge. &lt;br /&gt;
[[Datei:Maratta.jpg|alternativtext=Abb. 3: Carlo Maratta, Radierung „Mariä Heimsuchung“|mini|Abb. 3: Carlo Maratta, Radierung „Mariä Heimsuchung“]]&lt;br /&gt;
Als Vorlage für Puchners Entwurf zur „Heimsuchung“ diente eine themengleiche Radierung (Abb. 3) des römischen Malers Carlo Maratta (1625–1713) oder einer der zahlreichen Nachstiche, die von verschiedenen Stechern angefertigt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 1981, S. 494.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedoch übernahm Puchner Ma-rattas Darstellung nicht völlig unverändert. Sind die Figuren Marias, Elisabeths und Zacharias´ nur leicht variiert, so fallen bei Josef größere Veränderungen auf. Die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth ist nun auf eine wesentlich stärker ansteigende Treppe verlegt. Treppe und Figuren sind bei Puchner außerdem in leichter Untersicht wiedergegeben, um den Erfordernissen der Decken-malerei gerecht zu werden. Ohne Bedeutung für Puchner blieb Marattas Bildhintergrund – hier bediente er sich anderer Vorbilder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In welcher Beziehung steht die Zeichnung nun zum Fresko „Mariä Heimsuchung“ in Fischbachau?  Zunächst fällt auf, dass die rechte Gruppe mit Maria, Elisabeth und Zacharias nahezu unverändert ins Fresko übernommen wurde, auch bei der Treppe zeigen sich im Grunde keine wesentlichen Veränderungen. Josef ist nun jedoch, auch in anderer Körperhaltung dargestellt, weiter nach links gerückt, eine Dienerin, die Gepäck auf dem Kopf trägt, ist an seine Seite gestellt. Auf der Zeichnung ist Josef neben dem mit der Feder gezeichneten Josef in derselben Körperhaltung wie im Fresko ein zweites Mal zu erkennen, allerdings nur grob mit dem Bleistift skizziert, während die Dienerin noch völlig fehlt. Das Motiv von Josef mit der Dienerin dürfte auf eine themengleiche Radierung (Abb. 4) von Johann Georg Bergmüller (1688–1762) aus dessen Rosenkranz-Serie zurückgehen .&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Bauer/Epple 2022, S. 257ff., Nr. Se 7.3.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der im Fresko zu sehende Hund ist auf der Zeichnung – direkt unter Maria und Elisabeth – nur mit dem Bleistift umrissen. Bäume und Mauer des Bildhintergrundes finden sich ähnlich im Fresko wieder, der Dreiecksgiebel ist allerdings weiter nach rechts, hinter die beiden Frauen verschoben. An seine Stelle ist ein Berg gerückt, der als Anspielung auf die alpine Berglandschaft um Fischbachau gedeutet werden kann. &lt;br /&gt;
[[Datei:Radierung „Mariä Heimsuchung“, um 1722-23.jpg|alternativtext=Abb. 4: Johann Georg Bergmüller, Radierung „Mariä Heimsuchung“, um 1722/23|mini|Abb. 4: Johann Georg Bergmüller, Radierung „Mariä Heimsuchung“, um 1722/23]]&lt;br /&gt;
All diese Beobachtungen weisen darauf hin, dass es sich bei der vorliegenden Zeichnung um einen Erst- bzw. Vorentwurf für das Fresko in Fischbachau handelt. Möglicherweise wurde sie bereits mehrere Jahre vor dem Auftrag für Fischbachau – als Vorlagenmaterial für künftige Arbeiten – auf Vorrat angefertigt. Ebenso wie andere Maler dürfte auch Puchner einen größeren Bestand von Vorlagenblättern – Kupferstiche, eigenhändige und fremde Zeichnungen usw. – in seiner Werkstatt verwahrt haben. Als nun das Fresko für Fischbachau zu entwerfen war, konnte er auf diese Zeichnung zurückgreifen, um sie zu ergänzen bzw. zu verändern, wie es mit dem Bleistift erfolgte, und dabei zusätzliche Elemente aus anderen Vorlagen einzuarbeiten. Die ebenfalls mit dem Bleistift aufgezeichnete Quadrierung deutet auf eine Übertragung in ein anderes Medium oder Format hin. Sie ist allerdings nicht deckungsgleich mit der in den Putz geritzten Quadrierung beim Fresko. So wird es wohl noch einen vollständig ausgearbeiteten Ausführungsentwurf auf Basis der vorliegenden Zeichnung gegeben haben, der dann außerdem die endgültige Rahmenform des Freskos berücksichtigte.&lt;br /&gt;
[[Datei:Zeichnung.jpg|alternativtext=|mini|Abb. 5: Melchior Puchner, Bleistiftzeichnung, 1737 oder früher, Privatbesitz]]&lt;br /&gt;
Übrigens verdient auch die Rückseite des Blattes (Abb. 5) Beachtung, denn diese zeigt einen Ausschnitt aus einer mit dem Bleistift skizzierten größeren Komposition, die sich bisher nicht mit einem konkreten Werk von Puchner in Verbindung bringen lässt. So sind in der Mitte mehrere Engel dargestellt. Unten rechts ist eine bärtige männliche, unten links eine weibliche Figur zu erkennen. Beide sind allerdings abgeschnitten, woran zu erkennen ist, dass das ursprünglich größere Blatt nachträglich, wohl nachdem die „Heimsuchung“ auf der Vorderseite gezeichnet war, beschnitten wurde.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BedeutungInsgesamt beruht die Bedeutung dieses Blattes nicht nur auf der Verwendung als Entwurf bzw. Vorlage, sondern vor allem darauf, dass sich interessante Erkenntnisse zur Arbeitsweise und Entwurfstätigkeit von Melchior Puchner gewinnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer in Fischbachau malte Puchner das Thema „Mariä Heimsuchung“ bereits um 1733 in Hilpoltstein und 1752 nochmals in Gosseltshausen. Er stellte es jeweils in einer unterschiedlichen Variante dar. Für Gosselshausen wählte er einen themengleichen Kupferstich nach Peter Paul Rubens (1577–1640) als Vorlage.&amp;lt;ref&amp;gt;Corpus 2010, S. 210.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Literatur ===&lt;br /&gt;
Bauer, Markus und Epple, Alois: Johann Georg Bergmüller – Druckgrafik, Teil 2: Serien, Band 1, Norderstedt 2022 (Bauer/Epple 2022) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bachter, Falk und Bauer-Wild, Anna  u.a.: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland – Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach (Bd. 2), München 1981 (Corpus 1981)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sauerländer, Brigitte und Volk-Knüttel, Brigitte: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland – Landkreis Neuburg-Schrobenhausen (Bd. 10), München 2005 (Corpus 2005) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bauer-Wild, Anna und Böhm, Cordula  u.a.: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland – Stadt Ingolstadt, Landkreis Pfaffenhofen (Bd. 14), München 2010  (Corpus 2010)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Breuer, Tillmann und Oswald, Friedrich u.a.: Georg Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I, Franken, München/Berlin 1999 (Dehio 1999) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Habel, Heinrich und Hemmeter, Karlheinz  u.a.: Georg Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern IV, München und Oberbayern, München/Berlin 2006 (Dehio 2006) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofmann, Siegfried: Zum Werk Ingolstädter Freskenmaler der 18. Jahrhunderts, in: Sammelblatt d. Historischen Vereins Ingolstadt 1973 (82), Ingolstadt 1973, S. 156–183 (Hofmann 1973)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fußnoten ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Jakob_Balde&amp;diff=1509</id>
		<title>Jakob Balde</title>
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		<updated>2023-11-27T14:33:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Seitentext erstellt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Nina Pätzold&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jakob (Jacob/ Jacobus) Balde, SJ (Societas Jesu) (* 4. Januar 1604 in Ensisheim, Elsass; † 9. August 1668 in Neuburg an der Donau) war ein deutscher Dichter und Jesuit. In Ingolstadt lehrte er als Universitätsprofessor Rhetorik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Baldes Ausbildung begann 1613 in Belfort, er erhielt Bildung im Bereich der Humaniora bei den Jesuiten in Ensisheim und im Bereich der Philosophie in Molsheim bei Straßburg. 1621 wurde Molsheim von mansfeldischen Truppen überfallen, woraufhin Balde nach Ingolstadt kam und das Jurastudium begann. Dieses beendete er jedoch aufgrund eines für ihn einschneidenden Ereignisses nicht: Nachdem das Ständchen, welches er einer Ingolstädterin sang, ohne Anerkennung blieb, entschied er sich dazu, den damals der Musik wenig angetanen Societas Jesu zu folgen[[Werkstatt:Jakob Balde#%20ftn1|[1]]], nach seinem berühmten Ausspruch „Cantatum satis est, frangito barbiton“ („Genug ist gesungen, es zerschelle die Leier“)[[Werkstatt:Jakob Balde#%20ftn2|[2]]]. 1623 trat Balde in die Societas Jesu ein und begann am 1. Juli 1624 sein Noviziat im Kolleg zu Landsberg. Seine Lehrtätigkeit begann 1626 in München und Innsbruck in den Bereichen der Grammatik und Rhetorik. 1630 kam Balde nach Ingolstadt zurück, um das Studium der Theologie aufzunehmen, hier wurde er Zeuge der schwedischen Belagerung und schrieb, inspiriert von Graf Tilly, sein rhapsodisches Werk &#039;&#039;Tillii parentalia&#039;&#039;. Am 24. September 1633 wurde Balde zum Priester geweiht und anschließend nach München gesandt. In den Jahren 1635 bis 1637 kehrte er nach Ingolstadt zurück, um seine Lehrtätigkeit als Professor der Rhetorik an der Universität in Ingolstadt zu vollziehen. Hier führte er sein biblisches Drama &#039;&#039;Jephtias&#039;&#039; (1637) auf, welches ihm Anerkennung als Dichter einbrachte. In den folgenden Jahren arbeitete Balde als Prinzenerzieher unter Herzog Albrecht VI. Leuchtenberger, darauffolgend hatte er in München die Position des kurfürstlichen Hofpredigers inne (1638-1640) sowie des Hofhistoriographen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme bewegte sich Balde jedoch 1654 nach Neuburg an der Donau. Hier war er als Hofprediger und folgend als Beichtvater von Pfalzgraf Philipp Wilhelm angestellt.[[Werkstatt:Jakob Balde#%20ftn3|[3]]] Dort blieb Jakob Balde bis zu seinem Tod 1668.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarisches Schaffen ==&lt;br /&gt;
Jakob Baldes Werk ist hinsichtlich der für das Barockzeitalter typischen lateinischen Sprache besonders. Eben diese Besonderheit vermindert jedoch den Zugang zum Werk mit dem Aussterben der lateinischen Sprache und bekräftigte das Vergessen von Baldes Werken. Johann Gottfried Herder, welcher Baldes Werk zwar übersetzte (&#039;&#039;Terpsichore&#039;&#039; 1795/96) konnte dem zunehmenden Vergessen dennoch nicht entgegenhalten. Baldes Stil ist gekennzeichnet von seinem umfangreichen Wissen der Lyrik, Epik und Dramatik, sowie strikt dem Barockstil folgend. Inhaltlich finden sich Themen der Natur, Vaterlandsliebe und Religiosität. Besonders prägend war unter anderem sein Werk &#039;&#039;Lyrica&#039;&#039;, welches die Dichtung von Horaz als Inspiration innehat.[[Werkstatt:Jakob Balde#%20ftn1|[1]]] Dies trug mitunter dazu bei, dass Balde fortan als „Deutscher Horaz“ bekannt wurde.[[Werkstatt:Jakob Balde#%20ftn2|[2]]][[Werkstatt:Jakob Balde#%20msocom%201|[PN1]]] &lt;br /&gt;
Prägend war Jakob Balde auch für das Jesuitentheater in Ingolstadt. Ursprung hat dieses in dem Einsatz von Theateraufführungen als zusätzliches Mittel neben dem herkömmlichen Unterrichten.[[Werkstatt:Jakob Balde#%20ftn3|[3]]] Baldes &#039;&#039;Jephtias&#039;&#039;, aufgeführt 1637, ist eines dieser Theaterstücke. Das Drama spielt auf eine biblische Geschichte in Kapitel elf des Buches der Richter an. Jephte hatte vor einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den Ammonitern geschworen, sollte er siegen, so wird er das Erste, was er bei seiner Heimkehr sieht, opfern. Da Jephtes Tochter Menulema auf ihren Vater zulief, war ihr Schicksal besiegelt. Kennzeichnend für das Werk sind unter anderem Anagramme (Menulema für Emmanuel), sowie Menulemas Zögern gegenüber ihrer Opferrolle und das Leiden ihres Verlobten und ihrer Freunde. Jakob Balde führte das Drama mit Schülerinnen und Schülern auf, auch Musik, beispielsweise in Form von Sprechchören, war Teil der Aufführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werke (Auswahl) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Batrachomyomachia Homeri Tubâ Romanâ Cantatâ (Ingolstadt 1637)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Iesv Poema De Vanitate Mvndi (München 1638)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Jesv Sylvarvm Libri VII. (München 1643)&lt;br /&gt;
* Lyrica. Epodi (München 1643)&lt;br /&gt;
* Teutscher Poeten Eyferig: vnd lustiges nachsinnen vber das Trostreiche ehren Lied, Agathyrs, genannt Vom Lob vnd Wolstandt Der Dürr oder Mageren Gesellschaft (1647)&lt;br /&gt;
* I. Balde. S.I. Iephtias (Amberg 1654)&lt;br /&gt;
* Solatium Podagricorvm (München 1661) &lt;br /&gt;
* De Eclipsi Solari Anno MDCLIV Die XII. Augusti, In Europa, A pluribus spectata Tvbo Optico (München 1662)&lt;br /&gt;
* Iacobi Balde è Societate Jesu Urania Victrix (München 1663)&lt;br /&gt;
* Expeditio Polemico-Poêtica: Sive Castrvm Ignorantiae Boetorum Arcadúmque Reginae à Poetis Veteribus ac Novis obsessum, expugnatum, eversum (München 1664)&lt;br /&gt;
* Magnvs Tillivs Redivivvs Sive M. Tillij Parentalia (München 1678)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spuren in Ingolstadt ==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Illuminatendecke_in_der_Hohen_Schule&amp;diff=1434</id>
		<title>Illuminatendecke in der Hohen Schule</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Illuminatendecke_in_der_Hohen_Schule&amp;diff=1434"/>
		<updated>2023-10-31T06:07:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Sortierung geändert, &amp;quot; entfernt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Maximilian Wöhrl&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „Illuminatendecke“ in der [[Hohen Schule]] in Ingolstadt ist ein barockes Deckengemälde und steht entgegen ihres Namens nicht mit dem [[Illuminaten|Illuminatenorden]] in Verbindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
Entgegen ihres Namens entstand die von Prof. Dr. [[Johann Adam Morasch]] in Auftrag gegebene „Illuminatendecke“ in der Hohen Schule mehrere Jahrzehnte bevor der Orden der Illuminaten am 1. Mai 1776 vom Ingolstädter Professor [[Adam Weishaupt]] ins Leben gerufen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Grimminger (2009), S.306.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tatsächlich befand sich die Stuckdecke zunächst nicht in der Hohen Schule, sondern im Hintergebäude eines Anwesens in der [[Theresienstraße]] 23.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S.306.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Mediziner Morasch richtete in ebenjenem Hintergebäude, das ihm ab 1719 mitsamt dem Anwesen gehörte, einen Saal für medizinische Privatvorlesungen ein. In diesem Vorlesungssaal ließ er die Stuckdecke einbauen. Hierbei handelte es sich um den Raum, den die Illuminaten ein halbes Jahrhundert später anmieteten, um sich dort zu treffen und Versammlungen abzuhalten. Die Illuminatendecke zog erst etwa 150 Jahre nach Verbot des Ordens in die Hohe Schule um, wo sie sich noch heute befindet. &amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S.306.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwischenzeitlich stand das Gebäude in der Theresienstraße leer, wurde später als Speicher, dann als Druckerei und schließlich als Schusterwerkstatt genutzt, während das frühbarocke Werk immer weiter verblasste.&amp;lt;ref&amp;gt;Donaukurier (2015).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da man die frühbarocke Entstehungszeit zunächst nicht erkannte, ging man auch nach 1945 davon aus, dass die Malerei und die Stuckgestaltung von den Illuminaten in Auftrag gegeben worden waren und die Decke folglich zur Zeit des Ordens entstanden sein musste. Dies hing vermutlich mit dem schlechten Zustand zusammen, in dem sich das Gemälde zu diesem Zeitpunkt befunden hatte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts – das genaue Datum ist nicht bekannt – wurde das sich in der Mitte der Decke befindliche Gemälde zudem restauriert und überarbeitet. Den ursprünglichen Zustand dokumentiert vermutlich eine Tuschezeichnung des Dresdner Malers Oskar Rothe von 1903.&amp;lt;ref&amp;gt;Grimminger (2009), S.308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt zog die Decke dreimal zwischen Theresienstraße und Hoher Schule hin und her, bevor sie schließlich in der Hohen Schule verblieb. 1907 wurde das Hintergebäude zu einer Synagoge mit Betsaal umfunktioniert. Im Zuge der Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung in der [[Reichspogromnacht]] am 10. November 1938 wurde das Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen und die Synagoge zerstört. Der neue Besitzer wollte die Synagoge daraufhin zu einem Wohnraum umgestalten, bekam jedoch aufgrund der unversehrt gebliebenen Stuckdecke von den [[Denkmalpflegern]] der Stadt Steine in den Weg gelegt. Um dies zu umgehen, stiftete er die Decke der Stadt Ingolstadt, welche die Decke 1942 in 12 Teile zersägen ließ und in die Hohe Schule umsiedelte. Nach der Niederlage Deutschlands im 2. Weltkrieg sollte die Synagoge restauriert werden, weshalb die Decke wieder in die Theresienstraße gebracht wurde. Der involvierte Rabbiner war jedoch der Überzeugung, dass die bildliche Ausgestaltung der Stuckdecke nicht mit dem jüdischen Kult vereinbar war, was zur Folge hatte, dass sie erneut in die Hohe Schule gebracht wurde. Im Zuge der Sanierung der Hohen Schule in den 1990er Jahren, übertünchte man das Mittelbild der „Illuminatendecke“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S.310.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gestaltung ==&lt;br /&gt;
Die gesamte Decke weist die Maße von ca. 8 x 6 Metern auf. In ihrer Mitte befindet sich ein hochrechteckiges Gemälde, das von Stuckdekorationen umgeben ist. Die Stuckverzierungen setzen sich aus Laub- und Bandlwerk mit Lambrequins, Schabracken, Fantasiegebilden und Mischwesen zusammen. In den Achsen der Decke finden sich acht ovale Ornamente mit diversen Szenenbildnissen. Die Ovale in den Mittelachsen bilden je ein Paar, die Ovale der Querachsen ein Quartett. Die beiden Ovale in der Mittelachse zeigen Sinnbilder und sind von Vogeldarstellungen gekrönt. Im unteren Mittelachsen-Medaillon befindet sich eine Nasenschleiferszene und der darüber gelegene Vogel ist eine Darstellung des „Vogels Selbsterkenntnis“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S.314.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Oval oberhalb des Mittelbildes beinhaltet einen sitzenden Professor, gekleidet in einen Talar, mit drei Tieren. Bei den Tieren handelt es sich um eine auf dem Schoß des Professors sitzende Katze, einen Hund, den er füttert sowie einen weiteren Hund, der aus einem Trog frisst. Über dem Medaillon findet sich ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S.322.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Darstellung des Professors und seiner Tiere ist einem emblematischen Handbuch entlehnt und etwas abgewandelt worden, um die vom Auftraggeber gewünschte Symbolisierung der Freiheit der Lehre in den Vordergrund zu rücken.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S.324.&amp;lt;/ref&amp;gt; Während die Nasenschleifer und der „Vogel Selbsterkenntnis“ dazu auffordern, sich auf sich selbst zu konzentrieren und seine Nase nicht in die Angelegenheiten anderer zu stecken, versinnbildlichen der Professor und der Adler – der für Werte wie Tapferkeit, Kraft, Stolz, Ausdauer und Scharfsichtigkeit steht – die Freiheit, Liebe und Tugend. Damit verdeutlichen die sich gegenüberliegenden Darstellungen die intendierte Grundaussage der Stuckdecke.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S.324.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Ecken der Decke befindet sich je ein rundes Ornament mit einer weiblichen Figur, deren Attribute vermuten lassen, dass es sich um Personifikationen handelt. Die Bedeutung der beiden runden Ornamente auf Seiten des Professors sind klar ersichtlich: Links findet sich die Verkörperung der Tapferkeit (Fortitudo), während die Dame auf der rechten Seite die Gerechtigkeit (Justitia) symbolisiert. Bei den vier runden Verzierungen in den Ecken der Decke handelt es sich demnach vermutlich um die vier Kardinaltugenden, komplettiert durch die Klugheit (Prudentia) und die Mäßigung (Temperantia) auf Seiten der Nasenschleiferszene. Die beiden querovalen Medaillons links und rechts des Mittelbildes zeigen zwei Putten bei der Vogeljagd und einen bei der Fruchternte und haben wohl eine rein dekorative Bedeutung.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S.324.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das hochrechteckige Mittelbild der „Illuminatendecke“ übermalt wurde und im Laufe der Zeit immer wieder Veränderungen und Restaurierungen unterworfen war, kann man ihre einstmalige Gestalt nur anhand einer Tuschezeichnung von bzw. vor 1903 sowie eines sich im [[Stadtarchiv]] Ingolstadt befindlichen historischen Fotos, das die Decke noch in der Theresienstraße zeigt, nachvollziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S.308.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf besagtem Foto kann man erkennen, dass das Gemälde in der oberen Hälfte eine Versammlung von halbnackten und bekleideten Personen im Himmel zeigt, die auf einer Wolkenbank sitzen. Zu erkennen sind die Götter Mars, Neptun und Saturn anhand ihrer typischen Insignien: Lanze, Dreizack und Sense. Über diesen befindet sich auf einer Wolke der gekrönte Jupiter mit Zepter, Blitzspeeren und einem Schwan. Unter den Wolken entfaltet sich eine Küstenlandschaft, wobei das Meer den größten Teil einnimmt. Im Wasser befinden sich Mischwesen, die einen menschlichen Oberkörper und den Unterleib von Fischen aufweisen und Muschelhörner blasen. Bei den Wesen handelt es sich um sogenannte Tritonen (männlich) und Nereiden (weiblich). Links im Bild erkennt man einen felsigen Küstenstreifen mit einem Baum.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S.308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Grimminger, Christina: Der Medizinprofessor Johann Adam Morasch und die Bilderwelt der „Illuminatendecke“ in der Hohen Schule zu Ingolstadt. Barocke Sinnbildsprache statt aufgeklärte Geheimzeichen. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt (118). Ingolstadt 2009, S.305-326.&lt;br /&gt;
* o.A. (2015): Mit den Illuminaten unter einer Decke. In der Hohen Schule gibt eine bemerkenswerte Stuckdekoration Rätsel auf. In: Donaukurier. Online verfügbar unter https://www.donaukurier.de/archiv/mit-den-illuminaten-unter-einer-decke-4113568. Publiziert am 19.01.2015. Ingolstadt 2015. Zuletzt geprüft am 08.10.2023.&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Wöhrl, Maximilian}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universitätsstadt (1472-1800)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Architektur und Bauwerke]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kunst und Kultur]]&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Illuminatendecke_in_der_Hohen_Schule}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<title>Neues Schloss</title>
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		<updated>2023-10-31T06:00:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Korrektur Jahreszahl Stadterweiterung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue Schloss oder auch die Neue Veste liegt am Paradeplatz 4 im Südosten der Ingolstädter Altstadt. Ab 1417/18 wurde der Bau einer neuen Residenz durch Herzog [[Ludwig VII. der Gebartete|Ludwig VII.]] (auch Ludwig der Bärtige, *1368, † 1. Mai 1447 in Burghausen)&amp;lt;ref&amp;gt;Straub (1987).&amp;lt;/ref&amp;gt; von [[Bayern-Ingolstadt]] begonnen und konnte um 1500 fertiggestellt werden.&lt;br /&gt;
Das Schloss gilt als Vorreiter des neuzeitlichen Schlossbaus in Deutschland.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Heute befindet sich dort das [[Bayerisches Armeemuseum|Bayerische Armeemuseum]].[[Datei:NeuesSchloss2021 ZentrumStadtgeschichte UlliRoessle.jpg|mini|Blick auf das neue Schloss, 2021 (Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Ulli Rössle)]]&lt;br /&gt;
== Vorgeschichte ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1392 kam es zur [[Landesteilung 1392|Landesteilung]], wodurch Ingolstadt die Residenz des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt unter [[Stephan III. der Kneißel|Stephan III.]] (auch Stephan der Kneißel, *um 1337, † 26. September 1413 in Niederschönenfeld)&amp;lt;ref&amp;gt;Schwertl (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Tochter Elisabeth verheiratete Stephan mit dem französischen König Karl VI. (* 1368 in Paris, † 1422 in Paris). Durch diese Eheschließung verbrachte auch sein Sohn Ludwig viele Jahre am französischen Königshof in Paris bei seiner Schwester [[Isabeau de Baviére]] (* evtl. 1370 als &#039;&#039;Elisabeth von Bayern&#039;&#039;, † 30. September 1435 in Paris)&amp;lt;ref&amp;gt;Fantou-Kim (1974).&amp;lt;/ref&amp;gt;.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ludwig der Gebartete nach Deutschland und 1416 nach Ingolstadt zurückkehrte veranlasste er den Bau eines Neuen Schlosses in Ingolstadt. Der seit dem 13. Jahrhundert als Schloss genutzte [[Herzogskasten]] (auch Altes Schloss), war nicht mehr als Residenz geeignet. Durch die 1358 begonnene Stadterweiterung, war er weiter in die Mitte gerückt und hatte dadurch seine fortifikatorische Lage verloren.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 373.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte ==&lt;br /&gt;
[[Datei:MilitaerbahnhofSchloss W1333 ZentrumStadtgeschichte MaxWeiß.jpg|mini|Neues Schloss mit Militärbahnhof (W 1333, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)]]&lt;br /&gt;
1417/18 wurde mit dem Bau einer neuen, prachtvolleren Residenz begonnen. Bis zum Tod von Ludwig dem Gebarteten konnte jedoch nur der Rohbau fertiggestellt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits im Jahr 1420 kam der Bau, wohl ausgelöst durch den Bayerischen Krieg, zum Erliegen&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; und konnte erst 1425/29, nach der Rückkehr von Ludwig, wieder aufgenommen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 280.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Wiederaufnahme des Baus wurde er nach Norden erweitert, wodurch das 1368 erbaute [[Feldkirchner Tor]] in die Residenz integriert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da nun das westliche Stadttor anderweitig genutzt wurde, baute Ludwig als Ersatz ein Neues Feldkirchner Tor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1450 – nach dem Tod von Ludwig dem Gebarteten – wurde der Bau des Neuen Schlosses durch den Herzog [[Heinrich XVI. den Reichen]] von Bayern-Landshut (* 1386, † 30. Juli 1450 in Landshut)&amp;lt;ref&amp;gt;Reindel (1969).&amp;lt;/ref&amp;gt; fortgesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser richtete das Dach auf und stellte die Dürnitz unter Baumeister Hans Tichter fertig.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1476-1489 erreichten die Ausbauarbeiten des Neuen Schlosses ihren Höhepunkt&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 507.&amp;lt;/ref&amp;gt; u. a. mit Wölbungsarbeiten der Räume des 1. Obergeschosses. Die beiden Giebel wurden 1486 fertiggestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Abschlussarbeiten wurden zwei Sonnenuhren durch den Meister Hanns Arndorff und den Maler [[Gabriel Herlin]] ausgefertigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 499.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1500 konnten die Bauarbeiten am Neuen Schloss unter [[Georg der Reiche|Georg dem Reichen]] (* 15. August 1455 in Landshut, † 1. Dezember 1503 in Landshut) weitgehend abgeschlossen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst 1677 erfolgten weitere größere Baumaßnahmen unter [[Kurfürst Ferdinand Maria]] (* 31. Oktober 1636 in München, † 26. Mai 1679 in Schleißheim bei München),&amp;lt;ref&amp;gt;Scherer (1961).&amp;lt;/ref&amp;gt; die beispielsweise den Einbau der Treppe im südlichen Haupttrakt beinhalteten. Weitere Erneuerungsarbeiten wurden im 18. Jahrhundert durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Nordhälfte des zweiten Obergeschosses sowie der Fünfeckturm durch einen Bombenangriff zerstört.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesamtanlage ==&lt;br /&gt;
Die Gesamtanlage des Neuen Schlosses wurde im 15. Jahrhundert als Verteidigungsanlage konzipiert. Daher wurden die Hauptbauten von wasserführenden Gräben umgeben. An den Ecken standen Wehrtürme, zwei große Türme nach Osten zur Feindseite und zwei kleinere auf der Stadtseite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Schloss gehören das Palas, das [[Zeughaus]] (ehemaliger Getreidekasten von 1472/73)&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 373.&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Marstall, die [[Statthalterei]] mit Feldkirchner Tor und die Kavaliersbauten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tor mit [[Torturm (Schloss)|Torturm]] von 1580 führt in den Schlosshof, dem im 18. Jahrhundert ein Uhrturm aufgesetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Mitte des Schosshofes befindet sich der [[Johann-Nepomuk-Brunnen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Raumprogramm ==&lt;br /&gt;
Der Zutritt zum Palas erfolgt durch ein Doppelportal. Im Erdgeschoss befinden sich auf der Südseite ein Vorplatz, die Kanzlei, die Ratsstube und Wohnräume. Nördlich befindet sich die Dürnitz, ein großer Tanzsaal. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Obergeschoss befindet sich südlich die gewölbte Stube des gnädigen Herrn mit vorgelagertem Söller und ein Schlafraum mit geschnitzter Decke. In der Nordhälfte, über der Dürnitz, befindet sich der große Saal. In der Mitte des ersten Stockwerks befand sich die untere Kapelle mit dem „Stuhl“ des Herzogs. Darüber im zweiten Obergeschoss lag die „obere“ Kapelle mit Durchblick auf den Altar der darunter liegenden. Außerdem befand sich im zweiten Stockwerk der Trakt der Frauen.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 32–49 und Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nutzung ==&lt;br /&gt;
Ingolstadt konnte den Titel einer Hauptstadt auch nach dem Tod von Ludwig dem Gebarteten, als Bayern-Ingolstadt an Bayern-Landshut fiel, und nach Eingliederung in das weitgehend wieder vereinigte Bayern 1505 behalten. Daher diente das Neue Schloss den Herzögen weiterhin als Residenz.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; Im [[Spanischer Erbfolgekrieg|Spanischen Erbfolgekrieg]] wurde es als Kaserne genutzt, bis es 1788 nach dem Aussterben der bayerischen Wittelsbacher an das Militär übergeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1809 wurde begonnen das Schloss zu einem Depot umzubauen, wodurch die Türme und Giebel abgetragen wurden. Bis 1918 wurde das Gebäude militärisch genutzt, unter anderem zur Unterbringung französischer Kriegsgefangener. 1925 bezogen das [[Stadtarchiv]] und [[Stadtmuseum]] die Räume des Schlosses und nutzen diese bis 1962. Lediglich im Zweiten Weltkrieg wurde die Neue Veste für militärische Zwecke genutzt. Nach einer Renovierung konnte 1972 das Bayerische Armeemuseum eröffnen, welches sich noch heute im Neuen Schloss befindet.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
Keramikfunde des Spätmittelalters und der Neuzeit, v.a. Ofenkacheln. Zentrum Stadtgeschichte A7143&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fantou-Kim, Heidi: Isabeau de Bavière. 1974 (Neue Deutsche Biographie, 10). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd118639838.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Häffner, Hans-Heinrich; Großmann, G. Ulrich: Neues Schloss Ingolstadt. 1. Aufl. Regensburg 2003 (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, Bd. 9).&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. 1. Teil. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 88 (1979), S. 78–109. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb00005418?page=79, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. Teil 2. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 89 (1980), S. 265–275. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00005419?page=26, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. Teil 3. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 99 (1990), S. 173–202. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00005428?page=174, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Geschichte der Stadt Ingolstadt. Von den Anfängen bis 1505. Ingolstadt 2000.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried (Hrsg.): Geschichte der Stadt Ingolstadt. 1506-1600. Ingolstadt 2006.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Ingolstadt, Neues Schloss. Historisches Lexikon Bayerns. 2013. Online verfügbar unter https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ingolstadt,_Neues_Schloss, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Paradeplatz 4. In: Frank Becker, Christina Grimminger und Karlheinz Hemmeter (Hrsg.): Stadt Ingolstadt. Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler. 2 Bände. München 2002 (Denkmäler in Bayern, Bd. I.1), S. 373–380.&lt;br /&gt;
* Reindel, Kurt: Heinrich XVI. 1969 (Neue Deutsche Biographie, 8). Online verfügbar unter [https://www.deutsche-biographie.de/pnd129432466.html#ndbcontent, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129432466.html#ndbcontent,] zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Scherer, Herbert: Ferdinand Maria. 1961 (Neue Deutsche Biographie, 5). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd119105691.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Schuster, Max Eberhardt: Das neue Schloß in Ingolstadt. In: Das Bayerland (1961), S. 35–38.&lt;br /&gt;
* Schwertl, Gerhard: Stephan III. 2013 (Neue Deutsche Biographie, 25). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd124987885.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Straub, Theodor: Ludwig VII. 1987 (Neue Deutsche Biographie, 15). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729381.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Kambach, Jasmin}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herzogtum Bayern-Ingolstadt (1392-1447)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universitätsstadt (1472-1800)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landesfestung und Industrialisierung (19. bis Anfang 20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Weimarer Republik (1918-1933)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:NS-Zeit (1933-1945)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1945 bis heute]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Architektur und Bauwerke]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Festung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Festung_Ingolstadt&amp;diff=1407</id>
		<title>Festung Ingolstadt</title>
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		<updated>2023-10-30T10:11:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Rechtschreibfehler, Quellenauflistung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Gerd Riedel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingolstadt war in den vergangenen fünf Jahrhunderten der am stärksten befestigte Ort in Bayern. Die Festungsanlagen wurden in den Jahren nach 1800 und nach 1945 großflächig abgetragen und einplaniert. Dennoch sind beeindruckende Bauten erhalten, die einen guten Eindruck von den Dimensionen der alten Verteidigungsringe geben. Vor allem den Sekundärbauten der Festung, wie Kasernen und Remisen, verdankt Ingolstadt seine heutige Rolle als Industriestadt.&amp;lt;ref&amp;gt;Arauner (2023).&amp;lt;/ref&amp;gt; An die dominierende Rolle des Militärs erinnert bis heute die Bezeichnung „Schanz“ und „Schanzer“ für die Stadt und ihre Bewohner.&lt;br /&gt;
[[Datei:Stadtmauer Preysingstrasse.jpg|mini|Die Stadtmauer mit dem Münzbergtor]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ingolstadt im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
Ingolstadt wird schon 806 als reichsweit wichtige Etappenstation genannt. Die strategisch günstige Lage an einem natürlichen Donauübergang durch den breiten Auengürtel und inmitten der weitgehend ebenen Donauhochterrasse am Nordufer des Stroms bot schon damals gute Voraussetzungen für militärische Operationen. Fruchtbares Ackerland, ausreichend Wasser und ausgedehnte Flussauen als Weide- und Jagdgründe lieferten eine breite Versorgungsgrundlage. Dazu kam im Frühen und Hohen Mittelalter der regionale Erzreichtum als Voraussetzung für die Gewinnung und Verarbeitung von Eisen. In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts ist Ingolstadt ein Kammergut in königlicher bzw. kaiserlicher Hand. Militärische Anlagen sind auch in dieser frühen Zeit bisher nicht nachweisbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Riedel (2022), S. 321f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert erhielt die Stadt eine besonders starke und moderne [[Stadtmauer]], die mit ihren 89 Türmen, meist Halbrundtürmen, für andere Städte zum Vorbild wurde und Ingolstadt den Beinamen „Stadt der 100 Türme“ verlieh. Sie ist heute in weiten Teilen erhalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer (2018), S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; da ihr bis tief in die Neuzeit ein gewisser Verteidigungswert zugebilligt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die bastionäre Festung ==&lt;br /&gt;
Ab 1537 wurde Ingolstadt zur stärksten Festung Bayerns ausgebaut. Bekanntester Baumeister war [[Reinhard Graf zu Solms]], Herr zu Münzenberg (1491-1562). Vor die Stadtmauer wurde ein Erdwall mit gemauertem Graben gelegt, in den an strategisch wichtigen Punkten Bastionen zur Positionierung der Artillerie eingebaut wurden. Von den gemauerten Bastionen sind die [[Ziegelbastei]] (Wunderlkasematte), die [[Harderbastei]] und die [[Kugelbastei]] (Schwabenbräukasematte) im Kern erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Aichner (2002), S. CVIf und Fuchs (1939), S. 33–54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Erdplattform der [[Frauenhausbastei]] wurde im 19. Jahrhundert weiter genutzt und ist heute im [[Scherbelberg]] erhalten geblieben. Die Verteidigungswerke an der [[Donau]] sind dagegen einplaniert oder abgetragen. Auch die nach dem [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] von 1654 bis 1662 durch Christoph Heidemann errichteten Werke der „Barockfestung“ sind heute obertägig verschwunden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. (2002), S. CX.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Die königliche Landesfestung ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Festung Tor Hepp.jpg|mini|Das „Neue Kreuztor“, heute Tor Hepp, nach Plänen Leo von Klenzes, mit Reiterstandbild von Reinhard Graf zu Solms, Herr zu Münzenberg links]]Der neu errichtete Verteidigungsring wurde 1828 mit den zirkularen Festungsbauten der Brückenkopffestung, dem [[Reduit Tilly]] sowie den Türmen [[Turm Baur|Baur]] und [[Turm Triva|Triva]], am Südufer der Donau begonnen. Nördlich der Donau entstand ab 1834 eine polygonale Hauptumwallung weit vor den Ruinen der bastionären Festung. Dadurch gewann man eine breite Esplanade für die militärische Nutzung. Die Festungsbauten sind mit den Namen der Ingenieuroffiziere [[Michael von Streiter]] (*1773, +1838) und [[Peter von Becker]] (*1778, +1848) sowie mit dem Hofarchitekten [[Leo von Klenze]] (*1784, +1864) verbunden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. XI-CXIII.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erhalten sind die zirkularen Festungswerke, am Nordufer die [[Kavalier Dalwigk|Kavaliere Dalwigk]] (teilweise), [[Kavalier Heydeck|Heydeck]], [[Kavalier Elbracht|Elbracht]], [[Kavalier Hepp|Hepp]] und [[Kavalier Zweibrücken|Zweibrücken]] sowie Teile der Fronten (Festungsabschnitte) [[Fronte Rechberg|Rechberg]] im heutigen [[Hindenburgpark]], [[Fronte Pappenheim|Pappenheim]] und [[Fronte Butler|Butler]] beim heutigen [[Freibad]] und [[Fronte Preysing|Preysing]] um das heutige Sportbad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im nördlichen Teil der Altstadt entstanden die Großbauten des [[Kriegsspital|Kriegsspitals]], des [[Zeughaus|Zeughauses]] und des [[Proviantamt|Proviantamtes]]. Von den Kasernen sind besonders die [[Friedenskaserne]]&amp;lt;ref&amp;gt;Wickern; Eiser (2008), S. 36f.&amp;lt;/ref&amp;gt; nördlich vor der Stadtmauer und die [[Pionierkaserne]] am [[Brückenkopf]] zu nennen.&amp;lt;ref&amp;gt;Aichner (2014), S. 44f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1866 und 1872 wurde ein Gürtel von Vorwerken um die Stadt gelegt, von denen jedoch nur drei in gemauerter Bauweise ausgeführt worden sind. 1875 bis 1895 entstand der äußere Verteidigungsring mit neun Forts und sieben Zwischenwerken, verbunden durch ein Netz von [[Kriegsstraßen]] und ergänzt durch Kampffeldhohlbauten wie Untertreträume und Munitionsdepots.&amp;lt;ref&amp;gt;Aichner (2002), S. CXIII-CXXI und Wickern; Eiser (2010).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch Pflanzungen maskierte Geschützstellungen, Einrichtungen zum Aufstauen der Fließgewässer etc. machten das Ingolstädter Becken zu einer „geplanten Landschaft“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kerscher (2017), S. 311.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unzerstört erhalten ist jedoch nur das [[Fort Prinz Karl]] bei Katharinenberg. Das Rayongesetz verhinderte die Entstehung von Vorstädten mit geschlossener Bebauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1865 wurden mit der Pulverfabrik bei Ebenhausen, der [[Königlich Bayerischen Geschützgießerei und Geschossfabrik]] und dem [[Königlich Bayerisches Hauptlaboratorium|Königlich Bayerischen Hauptlaboratorium]] armeegeführte Rüstungsbetriebe in Ingolstadt angesiedelt und die Stadt zum Zentrum der bayerischen Rüstungsindustrie.&amp;lt;ref&amp;gt;Massl (1996).&amp;lt;/ref&amp;gt; Während des Ersten Weltkrieges war die Stadt ein bedeutendes Kriegsgefangenenlager.&amp;lt;ref&amp;gt;Mitze (1999) und Treffer (1990).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ingolstadt heute ==&lt;br /&gt;
Trotz der Aufhebung der Festungseigenschaft 1938 und den Zerstörungen nach 1945 ist die Stadt noch heute nachhaltig von ihrer militärischen Vergangenheit geprägt.&amp;lt;ref&amp;gt;Aichner (2002), S. CXXII.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hauptumwallung und Esplanade der Landesfestung umgeben als breiter Grüngürtel mit zahlreichen jetzt öffentlich genutzten Militärbauten die Altstadt. Durch den Ausbau zum [[Eisenbahn in Ingolstadt|Eisenbahnknotenpunkt]] und die Ansiedlung der Rüstungsbetriebe hat sich Ingolstadt zur führenden Industriestadt entwickelt. Die Stadtstruktur des 20. Jahrhunderts und die Gliederung der Landschaft innerhalb des äußeren Fortgürtels sind bis heute in vielfacher Hinsicht von den militärischen Planungen beeinflusst. Noch heute bezeichnen sich die Ingolstädter als „Schanzer“ und ihre Stadt als „die Schanz“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Eselbastei, Archäologische Ausgrabungen. Zentrum Stadtgeschichte A7330&lt;br /&gt;
* Feldkirchner Tor Bastei/Eiskellerbastei, Archäologische Ausgrabungen. Zentrum Stadtgeschichte A8065&lt;br /&gt;
* Wunderlkasematte/Ziegelbastei, Archäologische Ausgrabungen. Zentrum Stadtgeschichte A6811&lt;br /&gt;
* Harderbastei, Archäologische Ausgrabungen. Zentrum Stadtgeschichte A7451&lt;br /&gt;
* Kugelbastei, Archäologische Ausgrabungen. Zentrum Stadtgeschichte A7154&lt;br /&gt;
* ehemalige Münzbergkaserne, Archäologische Ausgrabungen. Zentrum Stadtgeschichte A7232&lt;br /&gt;
* Kavalier Dalwigk, Archäologische Ausgrabungen. Zentrum Stadtgeschichte A7774, A7775&lt;br /&gt;
* Barardeau (Dammwerk) Fronte Raglovich, Archäologische Ausgrabungen. Zentrum Stadtgeschichte A7775&lt;br /&gt;
* Fronte Raglovich, Graben, Kontergarde und Reduit, Archäologische Ausgrabungen. Zentrum Stadtgeschichte A7412&lt;br /&gt;
* Militärhafen, Archäologische Ausgrabungen. Zentrum Stadtgeschichte A7414&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aichner, Ernst: Die bayerische Landesfestung in Ingolstadt. In: Frank Becker, Christina Grimminger und Karlheinz Hemmeter (Hrsg.): Stadt Ingolstadt. Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler. 2 Bände. München 2002 (Denkmäler in Bayern, Bd. I.1).&lt;br /&gt;
* Aichner, Ernst: Der Festungsrundgang von Ingolstadt. Ein Führer für Spaziergänger und Radfahrer. 1. Auflage. Ingolstadt 2014 (Ingolstädter Festungsbibliothek, Bd. Band 3).&lt;br /&gt;
* Arauner, Uwe: Festungs-App - Die Festung Ingolstadt. Hrsg. v. Zentrum Stadtgeschichte. Ingolstadt. Online verfügbar unter https://zentrumstadtgeschichte.ingolstadt.de/Stadtarchiv/Forschung-und-Projekte/Festungsapp/, zuletzt geprüft am 23.10.2023.&lt;br /&gt;
* Fuchs, Reinhard: Die Befestigung Ingolstadts bis zum 30-jährigen Krieg. Würzburg 1939.&lt;br /&gt;
* Kerscher, Hermann: „Paradis ou Ingolstadt“. Militärtopographie und Militärarchäologie im Umfeld der Festung Ingolstadt. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 126 (2017), S. 301–322.&lt;br /&gt;
* Massl, Erich: 110 Jahre Ingolstädter Gießereigeschichte. &amp;quot;Mir war&#039;n scho wer!&amp;quot;. Ingolstadt 1996.&lt;br /&gt;
* Mitze, Katja (Hrsg.): Ingolstadt im Ersten Weltkrieg - das Kriegsgefangenenlager. Entdeckung eines Stückes europäischer Geschichte ; [eine Ausstellung des Stadtmuseums Ingolstadt, 31. Juli bis 31. Oktober 1999]. Ingolstadt 1999 (Dokumentation zur Zeitgeschichte, Bd. 4).&lt;br /&gt;
* Riedel, Gerd: Zentralfunktion ohne Zentralort. Das karolingische Kammergut Ingolstadt. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter, Jg. 87 (2022), S. 309–324.&lt;br /&gt;
* Treffer, Gerd: Die ehrenwerten Ausbrecher. Das Kriegsgefangenenlager Ingolstadt im Ersten Weltkrieg. Regensburg 1990.&lt;br /&gt;
* Treffer, Gerd (Hrsg.): &amp;quot;Ad centum turres&amp;quot;. Das &amp;quot;hunderttürmige Ingolstadt&amp;quot; : zur Geschichte, zur Bedeutung und zur Zukunft der berühmten spätmittelalterlichen Stadtmauer. Unter Mitarbeit von Gerd Riedel, Oliver Lindauer u. a. Ingolstadt 2018.&lt;br /&gt;
* Wickern, Gerhard; Eiser, Eduard (Hrsg.): Die bayerische Landesfestung Ingolstadt. Ein Führer durch die Festungsanlagen. 1. Aufl. Ingolstadt 2008 (Ingolstädter Festungsbibliothek, Bd. 1).&lt;br /&gt;
* Wickern, Gerhard; Eiser, Eduard (Hrsg.): Die bayerische Landesfestung Ingolstadt. Teil II: Der Vorwerks- und Fortgürtel ; Ein Führer durch die Festungsanlagen. 1. Auflage. Ingolstadt 2010 (Ingolstädter Festungsbibliothek, Bd. 2).&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Riedel, Gerd}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landesfestung und Industrialisierung (19. bis Anfang 20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Festung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Neues_Schloss&amp;diff=1374</id>
		<title>Neues Schloss</title>
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		<updated>2023-10-27T10:03:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Bild verschoben&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue Schloss oder auch die Neue Veste liegt am Paradeplatz 4 im Südosten der Ingolstädter Altstadt. Ab 1417/18 wurde der Bau einer neuen Residenz durch Herzog [[Ludwig VII. der Gebartete|Ludwig VII.]] (auch Ludwig der Bärtige, *1368, † 1. Mai 1447 in Burghausen)&amp;lt;ref&amp;gt;Straub (1987).&amp;lt;/ref&amp;gt; von [[Bayern-Ingolstadt]] begonnen und konnte um 1500 fertiggestellt werden.&lt;br /&gt;
Das Schloss gilt als Vorreiter des neuzeitlichen Schlossbaus in Deutschland.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Heute befindet sich dort das [[Bayerisches Armeemuseum|Bayerische Armeemuseum]].[[Datei:NeuesSchloss2021 ZentrumStadtgeschichte UlliRoessle.jpg|mini|Blick auf das neue Schloss, 2021 (Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Ulli Rössle)]]&lt;br /&gt;
== Vorgeschichte ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1392 kam es zur [[Landesteilung 1392|Landesteilung]], wodurch Ingolstadt die Residenz des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt unter [[Stephan III. der Kneißel|Stephan III.]] (auch Stephan der Kneißel, *um 1337, † 26. September 1413 in Niederschönenfeld)&amp;lt;ref&amp;gt;Schwertl (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Tochter Elisabeth verheiratete Stephan mit dem französischen König Karl VI. (* 1368 in Paris, † 1422 in Paris). Durch diese Eheschließung verbrachte auch sein Sohn Ludwig viele Jahre am französischen Königshof in Paris bei seiner Schwester [[Isabeau de Baviére]] (* evtl. 1370 als &#039;&#039;Elisabeth von Bayern&#039;&#039;, † 30. September 1435 in Paris)&amp;lt;ref&amp;gt;Fantou-Kim (1974).&amp;lt;/ref&amp;gt;.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ludwig der Gebartete nach Deutschland und 1416 nach Ingolstadt zurückkehrte veranlasste er den Bau eines Neuen Schlosses in Ingolstadt. Der seit dem 13. Jahrhundert als Schloss genutzte [[Herzogskasten]] (auch Altes Schloss), war nicht mehr als Residenz geeignet. Durch die 1858 begonnene Stadterweiterung, war er weiter in die Mitte gerückt und hatte dadurch seine fortifikatorische Lage verloren.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 373.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte ==&lt;br /&gt;
[[Datei:MilitaerbahnhofSchloss W1333 ZentrumStadtgeschichte MaxWeiß.jpg|mini|Neues Schloss mit Militärbahnhof (W 1333, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)]]&lt;br /&gt;
1417/18 wurde mit dem Bau einer neuen, prachtvolleren Residenz begonnen. Bis zum Tod von Ludwig dem Gebarteten konnte jedoch nur der Rohbau fertiggestellt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits im Jahr 1420 kam der Bau, wohl ausgelöst durch den Bayerischen Krieg, zum Erliegen&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; und konnte erst 1425/29, nach der Rückkehr von Ludwig, wieder aufgenommen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 280.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Wiederaufnahme des Baus wurde er nach Norden erweitert, wodurch das 1368 erbaute [[Feldkirchner Tor]] in die Residenz integriert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da nun das westliche Stadttor anderweitig genutzt wurde, baute Ludwig als Ersatz ein Neues Feldkirchner Tor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1450 – nach dem Tod von Ludwig dem Gebarteten – wurde der Bau des Neuen Schlosses durch den Herzog [[Heinrich XVI. den Reichen]] von Bayern-Landshut (* 1386, † 30. Juli 1450 in Landshut)&amp;lt;ref&amp;gt;Reindel (1969).&amp;lt;/ref&amp;gt; fortgesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser richtete das Dach auf und stellte die Dürnitz unter Baumeister Hans Tichter fertig.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1476-1489 erreichten die Ausbauarbeiten des Neuen Schlosses ihren Höhepunkt&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 507.&amp;lt;/ref&amp;gt; u. a. mit Wölbungsarbeiten der Räume des 1. Obergeschosses. Die beiden Giebel wurden 1486 fertiggestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Abschlussarbeiten wurden zwei Sonnenuhren durch den Meister Hanns Arndorff und den Maler [[Gabriel Herlin]] ausgefertigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 499.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1500 konnten die Bauarbeiten am Neuen Schloss unter [[Georg der Reiche|Georg dem Reichen]] (* 15. August 1455 in Landshut, † 1. Dezember 1503 in Landshut) weitgehend abgeschlossen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst 1677 erfolgten weitere größere Baumaßnahmen unter [[Kurfürst Ferdinand Maria]] (* 31. Oktober 1636 in München, † 26. Mai 1679 in Schleißheim bei München),&amp;lt;ref&amp;gt;Scherer (1961).&amp;lt;/ref&amp;gt; die beispielsweise den Einbau der Treppe im südlichen Haupttrakt beinhalteten. Weitere Erneuerungsarbeiten wurden im 18. Jahrhundert durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Nordhälfte des zweiten Obergeschosses sowie der Fünfeckturm durch einen Bombenangriff zerstört.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesamtanlage ==&lt;br /&gt;
Die Gesamtanlage des Neuen Schlosses wurde im 15. Jahrhundert als Verteidigungsanlage konzipiert. Daher wurden die Hauptbauten von wasserführenden Gräben umgeben. An den Ecken standen Wehrtürme, zwei große Türme nach Osten zur Feindseite und zwei kleinere auf der Stadtseite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Schloss gehören das Palas, das [[Zeughaus]] (ehemaliger Getreidekasten von 1472/73)&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 373.&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Marstall, die [[Statthalterei]] mit Feldkirchner Tor und die Kavaliersbauten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tor mit [[Torturm (Schloss)|Torturm]] von 1580 führt in den Schlosshof, dem im 18. Jahrhundert ein Uhrturm aufgesetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Mitte des Schosshofes befindet sich der [[Johann-Nepomuk-Brunnen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Raumprogramm ==&lt;br /&gt;
Der Zutritt zum Palas erfolgt durch ein Doppelportal. Im Erdgeschoss befinden sich auf der Südseite ein Vorplatz, die Kanzlei, die Ratsstube und Wohnräume. Nördlich befindet sich die Dürnitz, ein großer Tanzsaal. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Obergeschoss befindet sich südlich die gewölbte Stube des gnädigen Herrn mit vorgelagertem Söller und ein Schlafraum mit geschnitzter Decke. In der Nordhälfte, über der Dürnitz, befindet sich der große Saal. In der Mitte des ersten Stockwerks befand sich die untere Kapelle mit dem „Stuhl“ des Herzogs. Darüber im zweiten Obergeschoss lag die „obere“ Kapelle mit Durchblick auf den Altar der darunter liegenden. Außerdem befand sich im zweiten Stockwerk der Trakt der Frauen.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 32–49 und Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nutzung ==&lt;br /&gt;
Ingolstadt konnte den Titel einer Hauptstadt auch nach dem Tod von Ludwig dem Gebarteten, als Bayern-Ingolstadt an Bayern-Landshut fiel, und nach Eingliederung in das weitgehend wieder vereinigte Bayern 1505 behalten. Daher diente das Neue Schloss den Herzögen weiterhin als Residenz.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; Im [[Spanischer Erbfolgekrieg|Spanischen Erbfolgekrieg]] wurde es als Kaserne genutzt, bis es 1788 nach dem Aussterben der bayerischen Wittelsbacher an das Militär übergeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1809 wurde begonnen das Schloss zu einem Depot umzubauen, wodurch die Türme und Giebel abgetragen wurden. Bis 1918 wurde das Gebäude militärisch genutzt, unter anderem zur Unterbringung französischer Kriegsgefangener. 1925 bezogen das [[Stadtarchiv]] und [[Stadtmuseum]] die Räume des Schlosses und nutzen diese bis 1962. Lediglich im Zweiten Weltkrieg wurde die Neue Veste für militärische Zwecke genutzt. Nach einer Renovierung konnte 1972 das Bayerische Armeemuseum eröffnen, welches sich noch heute im Neuen Schloss befindet.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fantou-Kim, Heidi: Isabeau de Bavière. 1974 (Neue Deutsche Biographie, 10). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd118639838.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Häffner, Hans-Heinrich; Großmann, G. Ulrich: Neues Schloss Ingolstadt. 1. Aufl. Regensburg 2003 (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, Bd. 9).&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. 1. Teil. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 88 (1979), S. 78–109. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb00005418?page=79, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. Teil 2. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 89 (1980), S. 265–275. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00005419?page=26, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. Teil 3. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 99 (1990), S. 173–202. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00005428?page=174, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Geschichte der Stadt Ingolstadt. Von den Anfängen bis 1505. Ingolstadt 2000.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried (Hrsg.): Geschichte der Stadt Ingolstadt. 1506-1600. Ingolstadt 2006.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Ingolstadt, Neues Schloss. Historisches Lexikon Bayerns. 2013. Online verfügbar unter https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ingolstadt,_Neues_Schloss, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Paradeplatz 4. In: Frank Becker, Christina Grimminger und Karlheinz Hemmeter (Hrsg.): Stadt Ingolstadt. Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler. 2 Bände. München 2002 (Denkmäler in Bayern, Bd. I.1), S. 373–380.&lt;br /&gt;
* Reindel, Kurt: Heinrich XVI. 1969 (Neue Deutsche Biographie, 8). Online verfügbar unter [https://www.deutsche-biographie.de/pnd129432466.html#ndbcontent, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129432466.html#ndbcontent,] zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Scherer, Herbert: Ferdinand Maria. 1961 (Neue Deutsche Biographie, 5). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd119105691.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Schuster, Max Eberhardt: Das neue Schloß in Ingolstadt. In: Das Bayerland (1961), S. 35–38.&lt;br /&gt;
* Schwertl, Gerhard: Stephan III. 2013 (Neue Deutsche Biographie, 25). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd124987885.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Straub, Theodor: Ludwig VII. 1987 (Neue Deutsche Biographie, 15). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729381.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Kambach, Jasmin}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herzogtum Bayern-Ingolstadt (1392-1447)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universitätsstadt (1472-1800)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landesfestung und Industrialisierung (19. bis Anfang 20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Weimarer Republik (1918-1933)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:NS-Zeit (1933-1945)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1945 bis heute]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Architektur und Bauwerke]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Festung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<title>Frankenstein</title>
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		<updated>2023-10-27T10:02:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Anpassung der Überschriftenstruktur&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Beatrix Schönewald&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Frankenstein oder der moderne Prometheus ==&lt;br /&gt;
Die junge Mary Wollstonecraft Godwin veröffentlicht im Jahr 1818 ihr erstes Werk. Sie nennt es „Frankenstein or the modern Prometheus“ (Frankenstein oder der moderne Promotheus“.&lt;br /&gt;
[[Datei:Frankenstein or The Modern Prometheus Titelseite Vol. I, London 1818.jpg|mini|Titelseite des ersten Bandes der Erstausgabe von &amp;quot;Frankenstein or The Modern Prometheus&amp;quot;, London 1818]]&lt;br /&gt;
Die Geschichte war für die Zeitgenossen im Britischen Empire irritierend und schockierend. Das zentrale Thema der Schöpfung eines Menschen, einer Kreatur, sprengte den üblichen Rahmen der Schauer- und Gespenstergeschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon der Titel ist wegweisend: Er bezieht sich auf Prometheus, den „Vorausdenkenden“, aus dem Geschlecht der Titanen. Seine Taten werden schon in der Antike unterschiedlich bewertet. Frevler oder Wohltäter der Menschen, bringt er doch seinen Schützlingen das Feuer auf die Erde und erschafft einen Menschen aus Lehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Mary Shelleys Frankenstein wirkt kein Titan, sondern ein Student der Medizin in Ingolstadt. Er verbindet alle Erkenntnisse des menschlichen Seins, philosophisch wie medizinisch und setzt das „Elixier des Lebens“ nach modernen Methoden ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entstehungsgeschichte in der Villa Diodati ==&lt;br /&gt;
Im Mai 1816 reisen Mary Wollstonecraft Godwin und Percy Shelly mit ihrem Sohn William in die Schweiz. Begleitet wird die Familie von Claire Clairmont, einer Stiefschwester Marys. Sie beziehen das Maison Chappuis am Südufer des Genfer Sees.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kleine Haus liegt nicht weit entfernt von dem Landgut Belle Rive, dem Quartier Lord Byrons und seines Arztes Dr. Polidori. Der Dichter wähnt sich fälschlicherweise im Domizil jenes Charles Diodati, in dem dieser 1638 seinen Jugendfreund John Milton traf. Byron gibt der Villa dann auch diesen bis heute gültigen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gruppe trifft sich zu Spaziergängen und Bootsfahrten. Abends gibt es Lesungen, Gespräche über die unterschiedlichsten Themen. Ausflüge sind selten, das Wetter bleibt ungemütlich feucht. 1816 ist das Jahr ohne Sommer, eine Folge des Vulkanausbruchs Tamboras in Indonesien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Villa Diodati treffen sich Percy Bysshe Shelley und Lord Byron, zwei der angesagten jungen englischen Poeten und bleiben in tiefer Freundschaft und gegenseitiger Bewunderung verbunden. Alle betätigen sich literarisch: Lord Byron schreibt „Augustus Darvell“, vollendet den Dritten Gesang des „Child Harold“, Percy Bysshe Shelley verfasst sein Gedicht über den Mont Blanc. Der Mediziner Polidori beginnt seinen Roman „Ernestus Berchtold. The modern Oedipus“, später die Erzählung „The Vampyre“ und Mary Shelley beginnt ihren Roman „Frankenstein or the modern Prometheus“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Story ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mary Shelley und ihr Roman.jpg|mini|Mary Shelley und ihr Roman Frankenstein or The Modern Prometheus 1818, Inszenierung in der Ausstellung Frankenstein im Stadtmuseum Ingolstadt 2018]]&lt;br /&gt;
Mary Shelleys Roman hebt an mit einem Zitat aus John Miltons „Paradise Lost“: “Did I request thee, Maker, from my clay to mould me, Man, did I solicit thee from darkness to promote me?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Band 1 ===&lt;br /&gt;
Der englische Polarforschers Robert Walton schildert zunächst in Briefen an seine Schwester Margaret Saville seine Pläne und seine Erlebnisse. Walton war nach Russland gereist, um sich seinen lebenslangen Traum von einer Reise in die Arktis zu erfüllen und um bahnbrechende Entdeckungen zu machen. Sie segelten stetig nach Norden, bald aber steckten er und seine Crew im Eis fest. In der Ferne entdeckten sie einen riesigen Mann auf einem Hundeschlitten. Am nächsten Tag retteten sie einen weiteren, abgemagerten Mann, der auf einer Eisscholle gestrandet war. Dieser Mann entpuppte sich als Victor Frankenstein, todkrank und für Tage stumm. Walton pflegte ihn in seiner Kabine wieder gesund. Die beiden Männer waren Freunde geworden. Walton schätzte und bewunderte seinen mysteriösen, melancholischen Gast. Victor litt sichtlich unter seinen schrecklichen Erlebnissen. Er eröffnete Walton, dass er in die Arktis kam, um jenen riesigen Mann zu verfolgen, den auch Walton gesehen hatte. Als Victor von Waltons Besessenheit erfuhr, unter allen Umständen und Opfern seine wissenschaftlichen Ziele zu erreichen, beschloss Victor, dem Kapitän die Geschichte seines Lebens zu erzählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Teil seiner Geschichte schildert Victor seine idyllische Kindheit in Genf, inmitten einer liebevollen Familie aus der Oberschicht. Mit seiner adoptierten Schwester Elizabeth und seinem Freund Henry Clerval verband ihn tiefe Freundschaft. Bereits im jungen Alter entwickelte er eine Leidenschaft für die Naturphilosophie und las schon in jungen Jahren die Werke der mittelalterlichen Alchemisten, träumte von der Entdeckung des Lebenselixiers. Als er verstand, wie veraltet die alchemistischen Theorien im Vergleich zu modernen Theorien waren, gab er enttäuscht sein Studium der Wissenschaften auf. Als er siebzehn war, beschlossen Victors Eltern, ihn an die Universität von Ingolstadt zu schicken. Dort traf er auf Krempe, Professor für Biologie und auf Waldmann, Professor für Chemie. Letzterer inspirierte ihn, sein Studium der Naturwissenschaften wieder aufzunehmen. Für die nächsten vier Jahre studierte Victor mit besonderem Fleiß, getrieben von einem Ehrgeiz, die Geheimnisse der Natur, des Lebens und des Todes zu ergründen und erhielt Beifall für seine Leistungen. Besonders faszinierte ihn die Idee, Leben zu schaffen. Im Moment seiner Abreise nach Genf entdeckte er das Prinzip. Er verbrachte die nächsten zwei Jahre mit dem Zusammenbau eines acht Meter hohen Mannes aus Teilen von Kadavern. Als es ihm gelang, seine Schöpfung zum Leben zu erwecken, war Victor jedoch so entsetzt von dem scheußlichen Aussehen der Kreatur, dass er weglief und die ganze Nacht durch die Straßen von Ingolstadt irrte. Henry Clerval traf ebenfalls in der Stadt ein, um seinen eigenen Studiengang an der Universität zu beginnen. Als die Freunde zu Victors Wohnung kamen, war die Kreatur verschwunden. Victor erkrankte schwer. Nach seiner Genesung erfuhr er, dass sein jüngster Bruder William ermordet worden war. Nach sechs Jahren kehrte er nach Genf zurück und entdeckte seine Kreatur. Er war davon überzeugt, dass sie für den Mord verantwortlich ist. Stattdessen wurde die Dienerin Justine Moritz des Mordes bezichtigt, schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt.&lt;br /&gt;
[[Datei:Frankensteins Kreatur, Installation von Marc Köschinger, Ingolstadt 2018.jpg|mini|Mark Köschingers Installation in der Ausstellung Frankenstein im Stadtmuseum Ingolstadt 2018]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Band 2 ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Ingolstadt um 1790 eine fiktive Spurensuche für Viktor Frankenstein.jpg|mini|Ingolstadt um 1790 - eine Spurensuche für Victor Frankenstein in Ingolstadt, aus der Ausstellung Frankenstein im Stadtmuseum Ingolstadt 2018]]&lt;br /&gt;
Nach der Hinrichtung von Justine versuchte Victor, seinen inneren Frieden zu finden, indem er alleine durch die Alpen ins Tal von Chamonix reiste. Auf einem Gletscher wurde er von der Kreatur gezwungen, sich seine Geschichte anzuhören. Obwohl er anfänglich voller Hass auf seine Schöpfung war, stimmte Victor zu, seine Geschichte zu hören: In der Nacht, in der er zum Leben erweckt wurde, floh er in den Wald bei Ingolstadt. Nachdem er aus einem Dorf gejagt wurde, hatte er auf der Suche nach Nahrung und Obdach eine Hütte bei einem kleinen Häuschen gefunden und sich dort versteckt. Das Haus wurde von einer Familie, die Geschwister Felix und Agatha, und deren blindem Vater bewohnt. Felix´ Verlobte hieß Safie. Fast zwei Jahre lang beobachtete die Kreatur heimlich die Familie und erfuhr, dass die sie einst respektierte Mitglieder der Pariser Oberschicht waren. Sie mussten ins Exil. Felix las Safie laut vor und so lernte die Kreatur sprechen, lesen und schreiben. Unter den Büchern, die er im Wald gefunden hatte, gehörte John Miltons „Paradise Lost“. Als die Kreatur Victors Wohnung in Ingolstadt verließ, nahm er dessen Mantel mit, indem das Tagebuch seines Schöpfers steckte. Als er alles über seinen Ursprung und über die Flucht Victors erfuhr, war das Geschöpf entsetzt. Gequält von Einsamkeit wagte es die Kreatur, sich trotz seiner schrecklichen Erscheinung dem blinden Vater zu zeigen. Aber als Felix, Agatha und Safie sie zusammen sahen, floh die Familie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gequälte Geschöpf fand heraus, wo er Victor finden konnte, den er für sein Leiden verantwortlich machte. Im Wald auf dem Weg nach Genf rettete die Kreatur ein Kind vor dem Ertrinken und wurde vom Vormund des Kindes anstelle von Dankbarkeit angeschossen. Dieser Vorfall erfüllte ihn mit Hass- und Rachegefühlen gegenüber den Menschen. In Plainpalais, begegnete er William. Als die Kreatur erfuhr, dass der Junge zur Frankenstein-Familie gehörte, erwürgte er ihn mit der Absicht, Victor leiden zu lassen. Er nahm Williams Halskette mit dem Miniaturporträt Caroline Frankensteins an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er Justine Moritz schlafend in einer Scheune sah, steckte die Kreatur die Halskette in Justines Tasche und lenkte so den Verdacht auf das junge Mädchen. Nach seinem Bericht forderte die Kreatur von Victor die Schöpfung einer weiblichen Gefährtin von ähnlichem Aussehen. Sollte Victor zustimmen, würden das Geschöpf und seine Partnerin weit weg von der Menschheit leben. Sollte Victor sich weigern, würde die Kreatur weiterhin Victors Leben zerstören und seine Lieben ermorden. Victor stimmte widerwillig den Bedingungen der Kreatur zu und kehrte nach Genf zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Band 3 ===&lt;br /&gt;
Schweren Herzens verschob Victor die Hochzeit mit Elisabeth und reiste nach England. Dort wollte er Anregungen für sein Vorhaben finden. Victor hatte vor, einen abgelegenen Ort zu suchen, wo er die weibliche Kreatur zusammenstellen konnte. Er begann widerwillig, Informationen und Materialien zu sammeln. Er setzte zu den Orkney-Inseln über und mietete eine Hütte. Hier begann er mit der Konstruktion einer weiblichen Kreatur. Vor der Vollendung der neuen Kreatur begann Victor über die möglichen Folgen seiner Arbeit nachzudenken. Die beiden Geschöpfe könnten eine neue Rasse von Monstern schaffen und die Menschheit gefährden. Als er plötzlich das Gesicht der Kreatur am Fenster sah, zerstörte Victor die unvollendete Gefährtin. Entsetzt und wütend über diesen Akt konfrontierte die Kreatur Victor mit seinen Racheplänen. Er drohte ihm, dass er ihn in seiner Hochzeitsnacht aufsuchen werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Victor bereitete die Rückreise vor. Spät in der Nacht ruderte er auf das Meer hinaus und warf die Überreste der weiblichen Kreatur über Bord, dann schlief er erschöpft im Boot ein. Als er am nächsten Tag aufwachte, entdeckte er, dass er hilflos auf dem Wasser trieb. Schließlich erreichte er einen Hafen in Irland. Der örtliche Magistrat verhörte ihn als Mordverdächtigen. Als Victor die Leiche sah, erkannte er seinen Freund Clerval. Er schrie schreckerfüllt, dass er seinen Freund zerstört hätte. Victor wurde zunächst ins Gefängnis geworfen, nach zwei Monaten aber freigesprochen. Er hatte ein Alibi. Überzeugt von den Mordplänen der Kreatur, willigte Victor dennoch ein, Elizabeth wie geplant zu heiraten. Nach ihrer Hochzeit, reiste das Paar in die Stadt Evian und übernachteten in einem Gasthaus. In dieser Nacht wurde seine Frau von der Kreatur ermordet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Victor kehrte nach Genf zurück, um die Sicherheit seiner verbleibenden Familienmitglieder zu gewährleisten. Sein Vater und seinen jüngerer Bruder Ernest waren wohlauf. Alphonse aber erkrankte schwer, als er von Elizabeths Tod erfährt und starb wenige Tage später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Victor beschließt, Genf zu verlassen und die Kreatur zu suchen. Victors Verfolgung führte ihn bis in die Wildnis Russlands. Das Geschöpf hinterließ ihm Anhaltspunkte, einschließlich Nachrichten, die auf Baumrinden und Felsen geritzt wurden. Schließlich erreichte Victor den Nordpol und verfolgte das Geschöpf über das gefrorene Meer in einem Hundeschlitten. Als er es fast erreicht hatte, brach das Eis und trennte sie wieder. Victor wurde nach einigen Stunden von Walton und seiner Crew gerettet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle nimmt Walton seine Erzählerrolle wieder auf. Er hegt Bewunderung für seinen Gast und wünscht sich, er könne seinen kranken Gast überzeugen, weiter zu leben. Victor blieb bei seinem Vorsatz, die Kreatur zu zerstören und mit seiner Familie im Tod wiedervereint zu sein. Als das Schiff im Eis feststeckte, hielt Victor eine leidenschaftliche Rede, in der er sowohl Kapitän als auch Besatzung beschwor, ihre Reise nach Norden fortzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Walton stimmte schließlich der Forderung seiner Mannschaft zu, sich nicht weiter in Gefahr zu begeben, sondern zurückzukehren. Das Eis brach einige Tage später. Walton und seine Crew nahmen Kurs auf England. Victors Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide, er gestand Walton, dass er keine Rache- und Hassgefühle mehr hat. In dieser Nacht sah Walton die Kreatur, die sich über Victors Leiche beugte. Sie klagte die Ungerechtigkeit an, die sie von den Menschen erfahren hatte, klagte sich an, Victors Leben zerstört zu haben. Dann sprang sie aus dem Fenster auf eine Eisscholle und verschwand in der Nacht. Am Anfang und am Ende steht die Erzählperspektive Kapitän Waltons, der die unglaubliche Geschichte des Gelehrten Victor Frankenstein und seines Geschöpfes für die Nachwelt aufschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Frankenstein – Zwei Editionen ==&lt;br /&gt;
Mary Shelley publiziert im Jahr 1818 zunächst anonym ihr Manuskript, das sie 1816 begonnen hatte. Percy Bysshe Shelley schreibt das Vorwort, das sich mit dem Gedanken einer neuen Rasse (species) beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lord Byrons und sein Verleger weigern sich, das Werk zu veröffentlichen. Stattdessen erscheint es bei Lackington in dem damals üblichen Format einzelner Bände. Dieser Verleger hat sich auf ein so modernes Antiquariat spezialisiert und auch – gegen Vorkasse – auf phantastische Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später kommt die heute bekannte und populäre Fassung auf den Markt, die Mary Shelley weitgehend überarbeitet und dem viktorianischen Zeitgeschmack angepasst hat. Mary Shelley publiziert unter ihrem Namen und verfasst eine ausführliche Beschreibung über die Entstehung des Romans. Sie nimmt den radikalen Ansatz des ersten Vorwortes. Zwischen der Fassung des Jahres 1818 und der des Jahres 1831 liegen gesellschaftliche Welten: Das Leben Mary Shelleys wandelt sich von der jungen Geliebten eines adeligen Enfant terrible zur Gattin dann Witwe des Baronet Shelley.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Warum Ingolstadt? ==&lt;br /&gt;
Mary Shelley kam auf ihren Reisen nach Süden nie nach Ingolstadt. Der Name Frankenstein entsprang der Phantasie. Es gibt mehrere Erklärungen, u.a. die phonetische Nähe zu einem deutschsprachigen Namen. Ingolstadt rückte in den Fokus des jungen Paares Mary und Percy Shelley, als sie durch die Arbeiten von Abbé Augustin Barruel „Histoire du Jacobinism (1797) über den Illuminatenorden erfuhren. Percy Shelley erhielt die Ausgabe „Memoirs Illustrating the History of Jacobisme, trans. the Hon. Robert Clifford, 4 vol. London 1798 von einem Kommilitonen an der Universität Oxford.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(In der New Yorker Public Library befindet sich dieses Exemplar mit persönlichen Anmerkungen.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vierte Band beschreibt den Orden der Illuminaten, dessen Auseinandersetzung mit den Vertretern der Obrigkeit und des Jesuitenordens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Rezeption der Ereignisse, denn Shelley ist keine Zeitgenossin des Ordens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wenig war Mary Shelley in Ingolstadt und so bleibt die Beschreibung des Ortes und der Universität vage. Sie nennt eine Kirche, einen Hörsaal, einen Anatomiesaal, Keller, Schlachthaus, Friedhof. Dennoch wird Ingolstadt zum weltweiten Symbol eines menschlichen Schöpfungsaktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Editionen zu Lebzeiten Mary Shelleys ==&lt;br /&gt;
* Frankenstein or The Modern Prometheus, 3 vols. (London: Gedruckt von Lackington, Hughes, Harding, Mavor, &amp;amp; Jones, 1818). Erstausgabe.&lt;br /&gt;
* Frankenstein ou le Prométhée moderne, 3 vols., von Mme. Shelly [sic], übersetzt von J[ules] S[aladin] (Paris: Corréard, 1821). Französische Übersetzung.&lt;br /&gt;
* Frankenstein or The Modern Prometheus, 2 vols. (London, gedruckt von G. and W. B. Whittaker, 1823). 2 Bände Nachdruck der Ausgabe von 1818, begleitet von William Godwin. Frankenstein, or The Modern Prometheus (London, Henry Colburn and Richard Bentley, 1831). Band 9 der Bentleys Standard Novels Serie; der Text wurde überarbeitet und mit neuem Vorwort versehen, Titelkupfer. Nachdruck 1832, 1836, 1839, 1849.&lt;br /&gt;
* Frankenstein or The Modern Prometheus. By Mary W. Shelly [sic], Philadelphia, Carey, Lea &amp;amp; Blanchard, 1833.&lt;br /&gt;
* Frankenstein, or The Modern Prometheus, New York, H. G. Daggers, 1845.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutsche Übersetzung ==&lt;br /&gt;
* Frankenstein oder der neue Prometheus, übersetzt von Heinz Widtmann, Leipzig, Altmann, 1912&lt;br /&gt;
* Frankenstein oder, Der moderne Prometheus, übersetzt von Christian und Ursula Grawe, Stuttgart, Reclam, 1986. Nachdruck Rastatt 1990, Düsseldorf, ECON-Taschenbuch 1994, Stuttgart, Reclam 1995&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Best Letters of Percy Bysshe Shelley, hg.v. Shirley Carter Hughson, Chicago 1892.&lt;br /&gt;
* The Diary of Dr. John Polidori 1816, hg.v. William Michael Rossetti, London 1911.&lt;br /&gt;
* Letters of Mary W. Shelley (mostly unpublished) 1797-1851, hg.v. Henry Howard Harper, Boston 1918.&lt;br /&gt;
* Letters from Percy Bysshe Shelley to J. H. Leigh Hunt, 2 Bde., hg.v. Thomas Wise, London 1894.&lt;br /&gt;
* Letters from Percy Bysshe Shelley to Jane Clairmont, Privatdruck London 1889&lt;br /&gt;
* The life &amp;amp; letters of Mary Wollstonecraft Shelley, hg.v. Florence Marshall, London 1889.&lt;br /&gt;
* The Letters of Percy Bysshe Shelley containing Material never before collected, hg.v. Roger Ingpen, 2 Bde., London 1914.&lt;br /&gt;
* Mary Shelley´s Journal. hg.v. Frederick L. Jones, Oklahoma 1947.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Graham Allen: Mary Shelley, New York 2008&lt;br /&gt;
* Betty T. Bennett: Finding Mary Shelley in her Letters. Romantic Revisions. Ed. Robert Brinkley and Keith Hanley, Cambridge 1992.&lt;br /&gt;
* Betty T. Bennett (Hrsg.): Mary Shelley in her Times ,Baltimore 2003.&lt;br /&gt;
* Betty T. Bennett: Mary Wollstonecraft Shelley: An Introduction, Baltimore 1998.&lt;br /&gt;
* Bieri: Percy Bysshe Shelley, a Biography: Exile of Unfulfilled Reknown, 1816–1822, Newark 2005.&lt;br /&gt;
* Jane Blumberg: Mary Shelley&#039;s Early Novels: &amp;quot;This Child of Imagination and Misery&amp;quot;, Iowa City 1993.&lt;br /&gt;
* Robert Gittings / Jo Manton: Claire Clairmont and the Shelleys, Oxford 1992.&lt;br /&gt;
* Richard Holmes: Shelley: The Pursuit, London 2003.&lt;br /&gt;
* Anne K. Mellor: Mary Shelley: Her Life, her Fiction, Her Monsters, London 1990.&lt;br /&gt;
* Mitzi Myers: Mary Wollstonecraft Godwin Shelley: The Female Author between Public and Private Spheres. Mary Shelley in her Times, Baltimore 2003. &lt;br /&gt;
* Clarissa Campbell Orr: Mary Shelley&#039;s Rambles in Germany and Italy, the Celebrity Author, and the Undiscovered Country of the Human Heart, Romanticism On the Net 11 (August 1998).&lt;br /&gt;
* Alexander Pechmann: Mary Shelley: Leben und Werk, Düsseldorf 2006.&lt;br /&gt;
* Karin Priester: Mary Shelley - Die Frau, die Frankenstein erfand, München 2001.&lt;br /&gt;
* Esther Schor (Hrsg.): The Cambridge Companion to Mary Shelley, Cambridge 2003.&lt;br /&gt;
* Miranda Seymour: Mary Shelley, London 2000. &lt;br /&gt;
* Johanna M. Smith: A Critical History of Frankenstein. Frankenstein. Case Studies in Contemporary Criticism, New York 2000.&lt;br /&gt;
* Muriel Spark: Mary Shelley, London 1987.&lt;br /&gt;
* William St Clair: The Godwins and the Shelleys: The Biography of a Family, London 1989.&lt;br /&gt;
* Emily W. Sunstein: Mary Shelley: Romance and Reality, Baltimore: 1991.&lt;br /&gt;
* Fiona Sampson: In search of Mary Shelley: the girl who wrote Frankenstein, London 2018{{Zitierweise|Autor=Schönewald, Beatrix}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universität Ingolstadt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universitätsstadt (1472-1800)]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Illuminaten&amp;diff=1372</id>
		<title>Illuminaten</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Illuminaten&amp;diff=1372"/>
		<updated>2023-10-27T10:01:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Anpassung der Überschriftenstruktur&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Beatrix Schönewald&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1776 gründete Johann Adam Weishaupt (1748-1830), Professor des Kirchenrechts in Ingolstadt, den Geheimbund der Illuminaten. Er sollte lange Zeit die gebildete Welt in Atem halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
Die Decknamen seiner Mitglieder waren Ajax, Tiberius oder Tasso, die Städte wurden nach antiken Vorbildern Eleusis oder Erzerum genannt. Die Briefe datierten die Ordensbrüder nach dem altpersischen Kalender.&lt;br /&gt;
[[Datei:Symbol des Ordens der Illuminaten- Eule.jpg|mini|Symbol des Ordens der Illuminaten: Eule]]&lt;br /&gt;
Der Ordensgründer blieb lange Zeit im Dunkeln, nur sein engster Kreis kannte die Person hinter dem Namen Spartakus: Er schuf ein System, das in den Augen der damaligen Obrigkeit nahe an Ketzerei und Hochverrat heranreichte. Sein Ziel: Freiheit, Gleichheit und ein Ende der geistigen Bevormundung von oben durch Bildung, v. a. durch Lektüre aufklärerischer Schriften. Das Beobachten seiner Selbst und des Anderen und die Meldung an die Oberen wurden zum Lebenselixier des Ordens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Orden viele potente Mitglieder besaß, kam es gerade wegen Weishaupts autoritärer Art zu Problemen. Das Verbot des Ordens am Vorabend der Französischen Revolution gerät zum Paradebeispiel für soziale Sprengkräfte: 1784/85 werden die Mitglieder des Ordens verraten. In vier Mandaten setzte der bayerische Kurfürst das Verbot der Freimaurer, der Geheimbünde allgemein und der Illuminaten im Besonderen durch. Die Furcht vor den Illuminaten blieb: Kurfürst Karl Theodor und seine Minister zwangen alle Mitglieder der staatlichen Verwaltung, das Militär und den Klerus, mit dem Illuminateneid jegliche Verbindungen abzuschwören. Adam Weishaupt floh 1785 aus Ingolstadt, zunächst nach Regensburg, dann endgültig nach Gotha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ingolstadt am Vorabend der Ordensgründung ===&lt;br /&gt;
Die Stadt mit ihren ca. 7000 Einwohnern beherbergte die Bayerische Landesuniversität, das Kolleg der Oberdeutschen Jesuitenprovinz mit seinen Auswirkungen auf Gymnasial- und Universitätsbildung, das Militär und ein wohl situiertes Bürgertum. Universität, Jesuiten und Militär waren Garant für einen hohen Lebensstandard. Ingolstadt war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine prosperierende Stadt, die sich unter der Regierung des Kurfürsten Max III. Joseph (1745-1777) von der Katastrophe des Österreichischen Erbfolgekrieges langsam erholte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Universität am Standort Ingolstadt aber neigt sich ihrem Ende zu. Seit der Gründung hatten sich die Bedingungen entscheidend verändert: Die Erben Bayerns aus der Hauptlinie Kurpfalz maßen der altbairischen Institution keine Bedeutung mehr zu. Es gärte im Kollegium der Professoren und die Diskussionen um Reformen und Translokation nach München nahmen zu. Die Aufhebung des Jesuitenordens verstärkte diese Tendenzen. Adam Weishaupt, Zögling der Jesuiten, wächst in dieser Umbruchszeit in Ingolstadt auf.&lt;br /&gt;
[[Datei:Rekronstruktion der Totenmaske Johann Adam Weishaupt.jpg|mini|Rekonstruktion der Totenmaske von Johann Adam Weishaupt, Firma Aross, 2011]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Leben und Wirken Johann Adam Weishaupts ===&lt;br /&gt;
Früh verwaist, Protégé seines Taufpaten Johann Adam von Ickstatt (1702-1776), erster Laie auf dem Lehrstuhl für Kirchenrecht, war Weishaupt aufklärerischen Ideen verbunden, suchte er nach neuen Wegen, alte Bildungsstrukturen zu überwinden. Als Lehrer nicht unumstritten, setzte er sich trotz seines engen geografischen Lebensrahmens für eine neue kosmopolitische Struktur ein. Das Ordensverbot war vielen ein guter Vorwand, ihn seiner Ämter zu entheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Aufbau, Struktur und Verbreitung des Ordens ===&lt;br /&gt;
Der Orden bestand zunächst aus einer kleinen Schar von Ingolstädter Studenten und wuchs mit Hilfe Freiherr Adolf von Knigges (1752-1796) zu einem mitteleuropäischen Bund von Aufklärern. Fürsten und Herzöge, Professoren und Literaten, Handwerker und Bürger organisierten sich in Minervalklassen und Provinzen. An ihrer Spitze der Ordensgründer Johann Adam Weishaupt als General.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verbot und Verfolgung der Mitglieder ===&lt;br /&gt;
Das Mandat Kurfürst Karl Theodors (1777-1799) vom 22 Juni 1784 steht am Anfang einer Reihe von Verboten, zunächst Verbindungen und Versammlungen allgemein betreffend bis hin zum Verbot der Illuminaten und Freimaurer 1790. Die bayerische Polizei gerät eher zufällig an die wichtigsten Ordensschriften, die in zwei Teilen veröffentlicht wurden: Originalschriften und Nachtrag zu den Originalschriften. Es gelingt, Weishaupt und seine Mitstreiter öffentlich zu verunglimpfen. In Bayern werden etliche Illuminaten verhaftet, ihrer Posten enthoben und in die Verbannung geschickt. Dem Ordensgründer gelingt die Flucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was blieb vom Illuminatenorden? ==&lt;br /&gt;
Bis heute umgibt den Ordensnamen eine Aura des Geheimnisvollen, verbindet man mit ihm eine Unzahl an Mythen und Verschwörungstheorien. Besonders weit verbreitet war die Annahme, dass sich die Illuminaten noch vor ihrer Gründung in Ingolstadt im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ab 1775 engagiert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beteiligung der Illuminaten an der Französischen Revolution wurde 1791 formuliert, angeblich hätten Ordensmitglieder mit den Jakobinern kollaboriert. Der ehemalige Jesuit Abbé Barruel und der Schotte John Robison versuchten nachzuweisen, dass die schlechte Versorgungslage des französischen Volkes in der Schuld der Illuminaten läge. Sie hätten letztendlich die Revolution ausgelöst, denn alle Führer der Revolution waren Freimaurer und automatisch Illuminaten, denn es gab eine Loge mit Namen „Les Illuminés“ und es gab die Reise Johann Christoph Bodes nach Paris im Jahr 1787.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch heute noch üben die beiden Autoren großen Einfluss aus auf Verschwörungstheoretiker aller Art.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leopold Engel gründete 1896 den Weltbund der Illuminaten und sah sich in der Nachfolge Johann Adam Weishaupts. 1929 wurde dieser Verein wieder aus dem Vereinsregister ausgetragen. 1912 entstand der Ordo Templi Orientis, 1978 gründeten sich die Illuminaten von Thanateros, alle Vereine sahen sich in der Tradition der bayerischen Illuminaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Literatur sind die Illuminaten meist finstere Schurken und Verräter: Robert Shea und Robert Wilson schufen 1975 die Illuminatus Triologie, Umberto Ecco thematisiert sie in seinem Foucault´schen Pendel und Dan Brown erzeugte mit Illuminati einen wahren Rausch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Autoren beziehen sich nicht auf historische Quellen, sondern bemühen fiktive und absurde Verschwörungstheorien. Allerdings nimmt man sie nicht selten als bare Münze. Aber: Galileo Galilei (1564-1624) war ebenso wenig Illuminat wie Lorenzo GianBernini (1598-1680), das Symbol des Ordens ist die Eule und nicht das allsehende Auge, die Zahl 23 und Ambigramme haben ebenfalls keinen Bezug zu den bayerischen Illuminaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der 1-Dollar-Note ist auf einer Pyramide das allsehende Auge zu sehen. Dieses Auge wurde mit den Freimaurern bzw. mit den Illuminaten in Verbindung gebracht. Ein weiteres Gerücht besagt, dass auf der Note nicht George Washington, sondern Adam Weishaupt abgebildet sein soll. Das Auge verweist auf die christliche Symbolik: den heiligen Geist. Die 13 Stufen der Pyramide verweisen auf die Zahl der Gründungskolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was blieb in Ingolstadt? ===&lt;br /&gt;
Der Orden der Illuminaten war ein Phänomen der Universität Ingolstadt, der Gemengelage zwischen Jesuiten, Militär, Universität und Bürgertum. Seine Gründung vollzog sich am Vorabend der Französischen Revolution, im Nachklang der Aufhebung des Jesuitenordens und im fundamentalen Wechsel der wittelsbachischen Linien der Landesherren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingolstadt fühlte sich trotz publiziertem Mandat lange nicht als Zentrum dieses Ordens, entzogen sich universitäre Vorgänge meist der allgemeinen Kenntnis. Dennoch hatte das Donnergrollen dieser großen „Verschwörung“ auch Ingolstadt erreicht, mussten einige Professoren, Geistliche und Laien gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Erinnerung blieb der sogenannte Illuminatensaal, dessen Stuckdecke heute in der Hohen Schule zu sehen ist. Über das Aussehen der gesamten Komposition gibt ein Aquarell des Deckengemäldes Auskunft. Ursprünglich befand es sich im Rückgebäude des Hauses Theresienstraße 23, das seit 1719 von Adam Morasch, Professor der Medizin als privater Lehrsaal genutzt wurde. Er ließ die Stuckdecke einbauen, deren Bildmotive von einer barocken Formensprache gekennzeichnet sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als in Ingolstadt 1782 eine Minervalkirche des Illuminatenordens gegründet wurde, waren die privaten Räume der Illuminaten zu klein oder auch zu unsicher geworden. In der Korrespondenz des Ordens wird ein Versammlungsraum erwähnt. Unsicher bleibt nach wie vor, ob es tatsächlich dieser Raum im Rückgebäude war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis heute sind aber die Decke und das Rückgebäude in der Wahrnehmung der Ingolstädter aufs engste mit der Geschichte des Illuminatenordens verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
Jan Rachold (Hrsg.): Die Illuminaten. Quellen und Texte zur Aufklärungsideologie des Illuminatenordens (1776–1785), Berlin 1984.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhard Markner, Monika Neugebauer-Wölk, Hermann Schüttler: Die Korrespondenz des Illuminatenordens, Band 1: 1776–1781, Tübingen 2005; Band 2: Januar 1782–Juni 1783, Tübingen 2013. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
Manfred Agethen: Geheimbund und Utopie. Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung, München 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richard van Dülmen: Der Geheimbund der Illuminaten, Stuttgart 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig Hammermayer: Entwicklungslinien, Ergebnisse und Perspektiven neuerer Illuminatenforschung, in: Alois Schmid, Konrad Ackermann (Hrsg.): Staat und Verwaltung in Bayern. Festschrift für Wilhelm Volkert zum 75. Geburtstag, München 2003, S. 421–463.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Helmut Reinalter (Hrsg.): Der Illuminatenorden (1776–1785/87). Ein politischer Geheimbund der Aufklärungszeit, Frankfurt am Main 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermann Schüttler: Die Mitglieder des Illuminatenordens 1776–1787/93, München 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eberhard Weis: Der Illuminatenorden (1776–1786). Unter besonderer Berücksichtigung der Fragen seiner sozialen Zusammensetzung, seiner Ziele und seiner Fortexistenz nach 1786, in: Helmut Reinalter (Hrsg.): Aufklärung und Geheimgesellschaften. Zur politischen Funktion und Sozialstruktur der Freimaurerlogen im 18. Jahrhundert, München 1989, S. 87–108.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Schönewald, Beatrix}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universität Ingolstadt]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Schutter&amp;diff=1366</id>
		<title>Schutter</title>
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		<updated>2023-10-27T09:09:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Foto ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Schutter ist ein linker Nebenfluss der [[Donau]] und gehört zusammen mit der Donau zu den wichtigsten Gewässern Ingolstadts.[[Datei:BrunnhausturmSchutter W0337 ZentrumStadtgeschichte MaxWeiß.jpg|mini|Brunnhausturm mit Schutter (W 337, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)]]&lt;br /&gt;
== Bedeutung für Ingolstadt ==&lt;br /&gt;
Die Schutter hatte immer eine große wirtschaftliche Bedeutung für Ingolstadt. Sie diente als Antrieb für eine Vielzahl von Mühlen (innerhalb und außerhalb des Stadtgebietes), bot Bade- und Schwimmwasser und ermöglichte Gerbern, Färbern, Fischern, Lederern und Metzgern die Ausübung ihres Handwerks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem diente sie dem Betrieb der Brunnen. Über ein Brunnenwerk im [[Schutterturm]] bei Eintritt der Schutter in die Stadt konnten vor allem die Röhrbrunnen mit Wasser versorgt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2006), S. 216.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits vor der Stadtwerdung Ingolstadts im 13. Jahrhundert wurde die Schutter wahrscheinlich schon zum Mühlenbetrieb an die Niederlassung herangeführt. Im nördlichen Stadtgebiet, zwischen [[Dünzlau]] und [[Antoniusschwaige|Antoniusschwaige,]] ist die Schutter heute eine der bedeutendsten Biotopachsen. Der Talraum im Westen ist von großer Bedeutung für die Frischluftversorgung der Stadt.&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ingolstadt heißt es auch heute noch, ein echter „Schanzer“ wurde in der Ingolstädter Altstadt geboren mit Schutterwasser getauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verlauf ==&lt;br /&gt;
Die Quelle der Schutter liegt am Fuße des Galgenberges im [[Altmühltal]]. Über 32 km fließt sie durch den [[Landkreis Eichstätt]] und das Stadtgebiet Ingolstadt, wo sie in die Donau mündet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Altmühltal ===&lt;br /&gt;
Die Schutter fließt zunächst durch den Markt [[Wellheim]], entlang südlich des Mühlbergs weiter nach Osten. Bei Kranzelstein verlässt sie das [[Urdonautal]] um ihren Weg durch das [[Schutterengtal]] in Richtung [[Nassenfels]] fortzusetzen. Danach fließt sie weiter in südliche Richtung vorbei an Meilenhofen, Zell an der Speck und Nassenfels in das Stadtgebiet Ingolstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ingolstadt ===&lt;br /&gt;
Zunächst durchfließt die Schutter den Stadtteil Dünzlau. Sie setzt ihren Weg nach Südosten fort, vorbei an der [[Heinlmühle]], der [[Ochsenmühle]], der [[Schaumühle]] und der [[Spitzlmühle]]. Entlang an der [[Gerolfinger Straße]] führt sie ihr Weg an der Antoniusschwaige vorbei über das „[[Ingolstädter Schuttermoos]]“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Strecke, noch vor der Antoniusschwaige, kreuzt sie zum zwölften und letzten Mal mit dem Schutterflutkanal, der zur Regulierung der Schutter geschaffen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1972 wurde die Schutter in den [[Künettegraben]] geleitet, über den sie ihren Weg in die Donau findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entwicklung des Flussverlaufes ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Urschutter ===&lt;br /&gt;
Die ursprüngliche Quelle der sog. „Urschutter“ lag ungefähr bei Nassenfels und floss über ihr heutiges Tal nach Osten. In der Gegend des späteren Ingolstädter Beckens vereinte sie sich mit den Flüssen „Neuburger Fluss“, „Ur-Paar“ und „Ur-Ilm“, die gemeinsam über Kehlheim in die „Urdonau“ mündeten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb von Jahrhunderttausenden verlegte die Schutter ihre Quelle immer weiter westlich und erreichte schließlich die Urdonau bei der Waldau nahe Hüttling. Durch das Zusammentreffen wurde die Urdonau durch das Schuttertal in das „Ingolstädter Becken“ und die „Weltenburger Enge“ nach Osten umgeleitet und „verschluckte“ die Schutter dabei regelrecht. Erst einige zehntausend Jahre später, als der „Neuburger Fluss“ die Urdonau bei Stepperg nahe Rennertshofen erreichte und wiederum nach Osten umleitete, entstand die Schutter wieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Westfuss des Galgenberges riss die Donau durch ihre Eintiefungen Karstwasserklüfte auf, welche sich nach der Verlegung der Donau zur heutigen Quelle der Schutter entwickelten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schutter erhielt den keltischen Namen „Scutara“, was Schlammwasser bedeutet. Der Grund liegt in der geringen Fließgeschwindigkeit und den im Schuttertal verbreiteten Moorböden, was dazu führt, dass die Schutter nur Schlamm befördern kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Früherer Verlauf durch Ingolstadt ===&lt;br /&gt;
Im Zuge der Stadterweiterung im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Schutter in die Stadt integriert. Sie wurde durch die zweite Stadtmauer geführt, wo seit dem 14. Jahrhundert der [[Brunnhausturm]] steht, der ab dem 16. Jahrhundert als Wasserturm diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst verlief der Fluss entlang der [[Gerbergasse]], vorbei an der [[Griesmühle]], der ältesten Mühle im Stadtgebiet Ingolstadts. Weiter entlang der heutigen [[Griesbadgasse]] erreichte die Schutter die [[Schleifmühle]]. Ihr Weg setzte sich über die [[Wagnerwirtsgasse]], über die [[Spitalstraße]] und die [[Schutterstraße]] fort, wo sie mit Korbbögen aus Ziegelmauerwerk überwölbt wurde. Lediglich zwischen Brunnhausturm und Griesmühle verlief die Schutter offen. Entlang der Spitalstraße führte sie am [[Heilig-Geist-Spital]] - heute das [[Technisches Rathaus|Technische Rathaus]] - und der [[Spitalkirche]] vorbei zur ehemaligen [[Augustinerkirche]] – heute [[Viktualienmarkt]]. Nahe des [[Neues Schloss|Neuen Schlosses]] mündete die Schutter letztendlich in die Donau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später wurde die Mündung aufgrund von Rückstaus schrittweise donauabwärts verlegt wurde. Bis 1972 verlief die Schutter nach der Durchquerung der Stadt gemeinsam mit den Abwässern im Schutterableitungskanal in Richtung [[Feldkirchen]] und dann ungeklärt in die Donau. Aufgrund des Kläranlagenbaus wurde beschlossen, sie in den Künettegraben zu leiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pehl (2023).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutterregulierungen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Schutterbett 896 ZentrumStadtgeschichte Haßfurter.jpg|mini|Schutterbett (Haßfurter 896, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Haßfurter)]]&lt;br /&gt;
Bereits im 19. Jahrhundert gab es erste Ansätze die Schutter durch Entwässerungsanlagen zu regulieren, was jedoch nicht erfolgreich war. 1919 wurde ein Antrag zur Entwässerung des Schuttertales gestellt, um die Ertragssituation für die Landwirte zu verbessern und die Missstände und Schwierigkeiten bei der Instandhaltung des Schutterbettes zu beseitigen. Daraufhin wurde 1926 der „Zweckverband zur Entwässerung des Schuttertales“ gegründet, woraufhin bereits im gleichen Jahr mit den Baumaßnahmen begonnen werden konnte. Zunächst wurde ein knapp 2 km langer Graben von [[Fort Haslang]] bis über die Schaumühle sowie zahlreiche Kunstbauten unter dem Schutterbett geschaffen. Im zweiten Bauabschnitt entstanden laterale Entwässerungsgräben hin zum Flutgraben. Zuletzt wurden im dritten Bauabschnitt das eigentliche Schutterbett und das Ufer saniert. Der Schutterflutkanal mündet in den Ludlgraben im „Roten Gries“.&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer, S. 1219–1220.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Schutterregulierung gewannen die Landwirte durch die Entwässerung der Wiesen fruchtbares Ackerland. Die Wassermenge der Schutter wurde durch die Maßnahme jedoch reduziert, wodurch die Mühlen nicht mehr wie vorher betrieben werden konnten. Dies führte dazu, dass die Müller zusätzliche Motorenkraft in die Mühlen einbauen mussten.&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mühlen an der Schutter ==&lt;br /&gt;
Die Schutter wurde zum Betrieb von Mühlen genutzt. Bis zu ihrer Mündung in der Donau betrieb die Schutter insgesamt 26 Mühlen – wovon 19 Mühlen heute noch existent sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Wellheimer Mühle]]: Nach nur 1,5 km die erste Mühle in der Schutter. Heute nicht mehr existent.&lt;br /&gt;
* [[Feldmühle]]: Ersterwähnung 1342, Stilllegung 1818&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Bauchenberger Mühle]]: Ersterwähnung 1385,&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einsturz 1920&lt;br /&gt;
* [[Sächenfartmühle]]: Ersterwähnung 1309, Stilllegung 1962&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Meilenhofer Mühle]]: 1928 abgerissen&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Zeller Mühle]]: Wahrscheinlich im 17. Jahrhundert erbaut, Stilllegung 1970er&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Speckmühle]]: 1932 abgebrannt, wiederaufgebaut und bis 1955 in Betrieb&lt;br /&gt;
* [[Aumühle]]: Ersterwähnung 16. Jahrhundert (laut mündlichen Überlieferungen älter), Stilllegung 1978&lt;br /&gt;
* [[Oberhaidmühle]]: Ersterwähnung 1448, Stilllegung 1960&lt;br /&gt;
* [[Unterhaidmühle]]: Wahrscheinlich im 15. Jahrhundert erbaut, Stilllegung 1954&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Wolkertshofer Mühle]]: Ersterwähnung 1277, heute noch in Betrieb&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Moosmühle]]: Ersterwähnung 1461 (Mühle ist jedoch älter), stillgelegt&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 20.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Reinboltsmühle]]: Ersterwähnung 1674, Mahlbetrieb ca. 1984 eingestellt, Mühlrad noch in Betrieb und produziert Strom für den Eigenbetrieb&lt;br /&gt;
* [[Dünzlauer Mühle]]: Ersterwähnung 1507,&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stilllegung 1955&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 63.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Heindlmühle]]: Ersterwähnung 1416, Stilllegung 1950, 1951-1953 Anwesen nach historischen Vorlagen neu aufgebaut&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Ochsenmühle]]: Ersterwähnung Salbuch von 1260/80, Stilllegung 1988&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Semmelmühle]]: Gehörte 1450 zum Meierhof nach Gaimersheim, Ablöschung und Abriss 1926/29, Kapelle blieb erhalten&lt;br /&gt;
* [[Schaumühle]]: Ging 1790 an das Kloster St. Johann im Gnadenthal zu Ingolstadt über. Noch immer wird dort Weizen, Soja und Käsein gemahlen&lt;br /&gt;
* [[Spitzlmühle]]: Abriss 1960&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Karlmühle]]: Ersterwähung 1507 als „Feldmühle“, Stilllegung 1958&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Winklermühle]]: Ersterwähnung 1417, Betrieb 1928 teilweise und 1934 ganz eingestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 28.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Brodmühle]]: Ersterwähnung 1580,&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stilllegung ca. 1982&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 83.&amp;lt;/ref&amp;gt;, letzte erhaltene Schuttermühle vor der Einmündung in den Künettegraben&lt;br /&gt;
* [[Griesmühle]]: Errichtung 13. Jahrhundert, Stilllegung 1961&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Schleifmühle]], [[Stadtmühle]] und Mittermühle (heute [[Winklermühle]]): Abgaben 1224 und 1228 festgelegt, abgerissen&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 90.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutterbäder ==&lt;br /&gt;
Aufgrund ihrer geringen Breite von ca. 4 m und Tiefe von ca. 60 cm, war die Schutter als Platz zum Baden und Schwimmen geeignet. Darum entstanden vier Schutterbäder im Stadtgebiet Ingolstadt – das [[Städtisches Schutterbad|Städtische Schutterbad]] nahe des [[Aloisiweg|Aloisiweges]], das „[[Strandbad Frauensee]]“ nahe der Brodmühle, das [[Militärschwimmbad]] im [[Schutterhof]] und das [[Städtisches Volksbad|Städtische Volksbad]] südwestlich des [[Kreuztor|Kreuztores]].&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 29–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutterordnung ==&lt;br /&gt;
Die Schutter wurde vielfältig genutzt, was dazu führte, dass es immer wieder Streit zwischen den verschiedenen Interessensgruppen gab. Diese Differenzen wurden über Jahrhunderte hinweg geführt. So forderten die Müller beispielsweise eine hohe Wassermenge zum Betrieb ihrer Mühlen, die Landwirte jedoch eine niedrige Wassermenge zum raschen Wasserabfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um eine Rechtsgrundlage bei den vielen Streitigkeiten zu haben, wurde 1477 von [[Herzog Ludwig IX. dem Reichen]] und Wilhelm Bischof von Eichstätt eine Schutterordnung erlassen. Mit dieser Ordnung wurden Vorschriften zum Unterhalt und zur Räumung der Schutter festgelegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, A II 21a.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der getroffenen Maßnahmen, kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, A II 21a: Abschrift der Schutterordnung 1477 (Abschrift von 1840-1899).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hambeck, Petra: Die Mühlen an der Schutter – Erkundungen an einem Flüßchen zwischen Altmühl und Donau. Zulassungsarbeit für die erste Lehramtsprüfung an Hauptschulen im Fachbereich Volkskunde, Katholische Universität Eichstätt 1983.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried (Hrsg.): Geschichte der Stadt Ingolstadt. 1506-1600. Ingolstadt 2006.&lt;br /&gt;
* Niedermeier, Heinrich: Die Schutter. Von der Quelle bis zur Mündung in die Donau. Der Ingolstädter Schutterlauf früher und heute. Ingolstadt 2002.&lt;br /&gt;
* Pehl, Bernhard: Vor einem halben Jahrhundert wurde die Schutter umgeleitet. Sie mündet heute in den Künettegraben. Donaukurier. 2022. Online verfügbar unter https://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/vor-einem-halben-jahrhundert-wurde-die-schutter-umgeleitet-6334387 (Version vom 22.09.2023), zuletzt geprüft am 20.10.2023.&lt;br /&gt;
* Treffer, Gerd: Ingolstadt in der Weimarer Zeit 1918-1933. 4 Bände. Ingolstadt 2021 (Geschichte der Stadt Ingolstadt, Bd. V, 1918-1972).&lt;br /&gt;
* Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat (Hrsg.): BayernAtlas. Online verfügbar unter https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/?E=664805.90&amp;amp;zoom=7&amp;amp;N=5407390.17&amp;amp;bgLayer=tk&amp;amp;lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;catalogNodes=11, zuletzt geprüft am 20.10.2023.&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Kambach, Jasmin}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Vorgeschichte, Römerzeit, Frühmittelalter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:9. bis 15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1945 bis heute]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Weimarer Republik (1918-1933)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herzogtum Bayern-Ingolstadt (1392-1447)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Natur und Gewässer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alltag und Gesellschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
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		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Datei:Schutterbett_896_ZentrumStadtgeschichte_Ha%C3%9Ffurter.jpg&amp;diff=1365</id>
		<title>Datei:Schutterbett 896 ZentrumStadtgeschichte Haßfurter.jpg</title>
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		<updated>2023-10-27T09:09:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Schutterbett (Haßfurter 896, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Haßfurter)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Schutterbett (Haßfurter 896, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Haßfurter)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Schutter</title>
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		<updated>2023-10-27T09:04:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Schutter ist ein linker Nebenfluss der [[Donau]] und gehört zusammen mit der Donau zu den wichtigsten Gewässern Ingolstadts.[[Datei:BrunnhausturmSchutter W0337 ZentrumStadtgeschichte MaxWeiß.jpg|mini|Brunnhausturm mit Schutter (W 337, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)]]&lt;br /&gt;
== Bedeutung für Ingolstadt ==&lt;br /&gt;
Die Schutter hatte immer eine große wirtschaftliche Bedeutung für Ingolstadt. Sie diente als Antrieb für eine Vielzahl von Mühlen (innerhalb und außerhalb des Stadtgebietes), bot Bade- und Schwimmwasser und ermöglichte Gerbern, Färbern, Fischern, Lederern und Metzgern die Ausübung ihres Handwerks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem diente sie dem Betrieb der Brunnen. Über ein Brunnenwerk im [[Schutterturm]] bei Eintritt der Schutter in die Stadt konnten vor allem die Röhrbrunnen mit Wasser versorgt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2006), S. 216.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits vor der Stadtwerdung Ingolstadts im 13. Jahrhundert wurde die Schutter wahrscheinlich schon zum Mühlenbetrieb an die Niederlassung herangeführt. Im nördlichen Stadtgebiet, zwischen [[Dünzlau]] und [[Antoniusschwaige|Antoniusschwaige,]] ist die Schutter heute eine der bedeutendsten Biotopachsen. Der Talraum im Westen ist von großer Bedeutung für die Frischluftversorgung der Stadt.&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ingolstadt heißt es auch heute noch, ein echter „Schanzer“ wurde in der Ingolstädter Altstadt geboren mit Schutterwasser getauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verlauf ==&lt;br /&gt;
Die Quelle der Schutter liegt am Fuße des Galgenberges im [[Altmühltal]]. Über 32 km fließt sie durch den [[Landkreis Eichstätt]] und das Stadtgebiet Ingolstadt, wo sie in die Donau mündet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Altmühltal ===&lt;br /&gt;
Die Schutter fließt zunächst durch den Markt [[Wellheim]], entlang südlich des Mühlbergs weiter nach Osten. Bei Kranzelstein verlässt sie das [[Urdonautal]] um ihren Weg durch das [[Schutterengtal]] in Richtung [[Nassenfels]] fortzusetzen. Danach fließt sie weiter in südliche Richtung vorbei an Meilenhofen, Zell an der Speck und Nassenfels in das Stadtgebiet Ingolstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ingolstadt ===&lt;br /&gt;
Zunächst durchfließt die Schutter den Stadtteil Dünzlau. Sie setzt ihren Weg nach Südosten fort, vorbei an der [[Heinlmühle]], der [[Ochsenmühle]], der [[Schaumühle]] und der [[Spitzlmühle]]. Entlang an der [[Gerolfinger Straße]] führt sie ihr Weg an der Antoniusschwaige vorbei über das „[[Ingolstädter Schuttermoos]]“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Strecke, noch vor der Antoniusschwaige, kreuzt sie zum zwölften und letzten Mal mit dem Schutterflutkanal, der zur Regulierung der Schutter geschaffen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1972 wurde die Schutter in den [[Künettegraben]] geleitet, über den sie ihren Weg in die Donau findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entwicklung des Flussverlaufes ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Urschutter ===&lt;br /&gt;
Die ursprüngliche Quelle der sog. „Urschutter“ lag ungefähr bei Nassenfels und floss über ihr heutiges Tal nach Osten. In der Gegend des späteren Ingolstädter Beckens vereinte sie sich mit den Flüssen „Neuburger Fluss“, „Ur-Paar“ und „Ur-Ilm“, die gemeinsam über Kehlheim in die „Urdonau“ mündeten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb von Jahrhunderttausenden verlegte die Schutter ihre Quelle immer weiter westlich und erreichte schließlich die Urdonau bei der Waldau nahe Hüttling. Durch das Zusammentreffen wurde die Urdonau durch das Schuttertal in das „Ingolstädter Becken“ und die „Weltenburger Enge“ nach Osten umgeleitet und „verschluckte“ die Schutter dabei regelrecht. Erst einige zehntausend Jahre später, als der „Neuburger Fluss“ die Urdonau bei Stepperg nahe Rennertshofen erreichte und wiederum nach Osten umleitete, entstand die Schutter wieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Westfuss des Galgenberges riss die Donau durch ihre Eintiefungen Karstwasserklüfte auf, welche sich nach der Verlegung der Donau zur heutigen Quelle der Schutter entwickelten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schutter erhielt den keltischen Namen „Scutara“, was Schlammwasser bedeutet. Der Grund liegt in der geringen Fließgeschwindigkeit und den im Schuttertal verbreiteten Moorböden, was dazu führt, dass die Schutter nur Schlamm befördern kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Früherer Verlauf durch Ingolstadt ===&lt;br /&gt;
Im Zuge der Stadterweiterung im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Schutter in die Stadt integriert. Sie wurde durch die zweite Stadtmauer geführt, wo seit dem 14. Jahrhundert der [[Brunnhausturm]] steht, der ab dem 16. Jahrhundert als Wasserturm diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst verlief der Fluss entlang der [[Gerbergasse]], vorbei an der [[Griesmühle]], der ältesten Mühle im Stadtgebiet Ingolstadts. Weiter entlang der heutigen [[Griesbadgasse]] erreichte die Schutter die [[Schleifmühle]]. Ihr Weg setzte sich über die [[Wagnerwirtsgasse]], über die [[Spitalstraße]] und die [[Schutterstraße]] fort, wo sie mit Korbbögen aus Ziegelmauerwerk überwölbt wurde. Lediglich zwischen Brunnhausturm und Griesmühle verlief die Schutter offen. Entlang der Spitalstraße führte sie am [[Heilig-Geist-Spital]] - heute das [[Technisches Rathaus|Technische Rathaus]] - und der [[Spitalkirche]] vorbei zur ehemaligen [[Augustinerkirche]] – heute [[Viktualienmarkt]]. Nahe des [[Neues Schloss|Neuen Schlosses]] mündete die Schutter letztendlich in die Donau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später wurde die Mündung aufgrund von Rückstaus schrittweise donauabwärts verlegt wurde. Bis 1972 verlief die Schutter nach der Durchquerung der Stadt gemeinsam mit den Abwässern im Schutterableitungskanal in Richtung [[Feldkirchen]] und dann ungeklärt in die Donau. Aufgrund des Kläranlagenbaus wurde beschlossen, sie in den Künettegraben zu leiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pehl (2023).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutterregulierungen ==&lt;br /&gt;
Bereits im 19. Jahrhundert gab es erste Ansätze die Schutter durch Entwässerungsanlagen zu regulieren, was jedoch nicht erfolgreich war. 1919 wurde ein Antrag zur Entwässerung des Schuttertales gestellt, um die Ertragssituation für die Landwirte zu verbessern und die Missstände und Schwierigkeiten bei der Instandhaltung des Schutterbettes zu beseitigen. Daraufhin wurde 1926 der „Zweckverband zur Entwässerung des Schuttertales“ gegründet, woraufhin bereits im gleichen Jahr mit den Baumaßnahmen begonnen werden konnte. Zunächst wurde ein knapp 2 km langer Graben von [[Fort Haslang]] bis über die Schaumühle sowie zahlreiche Kunstbauten unter dem Schutterbett geschaffen. Im zweiten Bauabschnitt entstanden laterale Entwässerungsgräben hin zum Flutgraben. Zuletzt wurden im dritten Bauabschnitt das eigentliche Schutterbett und das Ufer saniert. Der Schutterflutkanal mündet in den Ludlgraben im „Roten Gries“.&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer, S. 1219–1220.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Schutterregulierung gewannen die Landwirte durch die Entwässerung der Wiesen fruchtbares Ackerland. Die Wassermenge der Schutter wurde durch die Maßnahme jedoch reduziert, wodurch die Mühlen nicht mehr wie vorher betrieben werden konnten. Dies führte dazu, dass die Müller zusätzliche Motorenkraft in die Mühlen einbauen mussten.&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mühlen an der Schutter ==&lt;br /&gt;
Die Schutter wurde zum Betrieb von Mühlen genutzt. Bis zu ihrer Mündung in der Donau betrieb die Schutter insgesamt 26 Mühlen – wovon 19 Mühlen heute noch existent sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Wellheimer Mühle]]: Nach nur 1,5 km die erste Mühle in der Schutter. Heute nicht mehr existent.&lt;br /&gt;
* [[Feldmühle]]: Ersterwähnung 1342, Stilllegung 1818&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Bauchenberger Mühle]]: Ersterwähnung 1385,&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einsturz 1920&lt;br /&gt;
* [[Sächenfartmühle]]: Ersterwähnung 1309, Stilllegung 1962&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Meilenhofer Mühle]]: 1928 abgerissen&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Zeller Mühle]]: Wahrscheinlich im 17. Jahrhundert erbaut, Stilllegung 1970er&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Speckmühle]]: 1932 abgebrannt, wiederaufgebaut und bis 1955 in Betrieb&lt;br /&gt;
* [[Aumühle]]: Ersterwähnung 16. Jahrhundert (laut mündlichen Überlieferungen älter), Stilllegung 1978&lt;br /&gt;
* [[Oberhaidmühle]]: Ersterwähnung 1448, Stilllegung 1960&lt;br /&gt;
* [[Unterhaidmühle]]: Wahrscheinlich im 15. Jahrhundert erbaut, Stilllegung 1954&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Wolkertshofer Mühle]]: Ersterwähnung 1277, heute noch in Betrieb&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Moosmühle]]: Ersterwähnung 1461 (Mühle ist jedoch älter), stillgelegt&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 20.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Reinboltsmühle]]: Ersterwähnung 1674, Mahlbetrieb ca. 1984 eingestellt, Mühlrad noch in Betrieb und produziert Strom für den Eigenbetrieb&lt;br /&gt;
* [[Dünzlauer Mühle]]: Ersterwähnung 1507,&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stilllegung 1955&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 63.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Heindlmühle]]: Ersterwähnung 1416, Stilllegung 1950, 1951-1953 Anwesen nach historischen Vorlagen neu aufgebaut&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Ochsenmühle]]: Ersterwähnung Salbuch von 1260/80, Stilllegung 1988&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Semmelmühle]]: Gehörte 1450 zum Meierhof nach Gaimersheim, Ablöschung und Abriss 1926/29, Kapelle blieb erhalten&lt;br /&gt;
* [[Schaumühle]]: Ging 1790 an das Kloster St. Johann im Gnadenthal zu Ingolstadt über. Noch immer wird dort Weizen, Soja und Käsein gemahlen&lt;br /&gt;
* [[Spitzlmühle]]: Abriss 1960&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Karlmühle]]: Ersterwähung 1507 als „Feldmühle“, Stilllegung 1958&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Winklermühle]]: Ersterwähnung 1417, Betrieb 1928 teilweise und 1934 ganz eingestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 28.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Brodmühle]]: Ersterwähnung 1580,&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stilllegung ca. 1982&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 83.&amp;lt;/ref&amp;gt;, letzte erhaltene Schuttermühle vor der Einmündung in den Künettegraben&lt;br /&gt;
* [[Griesmühle]]: Errichtung 13. Jahrhundert, Stilllegung 1961&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Schleifmühle]], [[Stadtmühle]] und Mittermühle (heute [[Winklermühle]]): Abgaben 1224 und 1228 festgelegt, abgerissen&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 90.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutterbäder ==&lt;br /&gt;
Aufgrund ihrer geringen Breite von ca. 4 m und Tiefe von ca. 60 cm, war die Schutter als Platz zum Baden und Schwimmen geeignet. Darum entstanden vier Schutterbäder im Stadtgebiet Ingolstadt – das [[Städtisches Schutterbad|Städtische Schutterbad]] nahe des [[Aloisiweg|Aloisiweges]], das „[[Strandbad Frauensee]]“ nahe der Brodmühle, das [[Militärschwimmbad]] im [[Schutterhof]] und das [[Städtisches Volksbad|Städtische Volksbad]] südwestlich des [[Kreuztor|Kreuztores]].&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 29–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutterordnung ==&lt;br /&gt;
Die Schutter wurde vielfältig genutzt, was dazu führte, dass es immer wieder Streit zwischen den verschiedenen Interessensgruppen gab. Diese Differenzen wurden über Jahrhunderte hinweg geführt. So forderten die Müller beispielsweise eine hohe Wassermenge zum Betrieb ihrer Mühlen, die Landwirte jedoch eine niedrige Wassermenge zum raschen Wasserabfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um eine Rechtsgrundlage bei den vielen Streitigkeiten zu haben, wurde 1477 von [[Herzog Ludwig IX. dem Reichen]] und Wilhelm Bischof von Eichstätt eine Schutterordnung erlassen. Mit dieser Ordnung wurden Vorschriften zum Unterhalt und zur Räumung der Schutter festgelegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, A II 21a.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der getroffenen Maßnahmen, kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, A II 21a: Abschrift der Schutterordnung 1477 (Abschrift von 1840-1899).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hambeck, Petra: Die Mühlen an der Schutter – Erkundungen an einem Flüßchen zwischen Altmühl und Donau. Zulassungsarbeit für die erste Lehramtsprüfung an Hauptschulen im Fachbereich Volkskunde, Katholische Universität Eichstätt 1983.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried (Hrsg.): Geschichte der Stadt Ingolstadt. 1506-1600. Ingolstadt 2006.&lt;br /&gt;
* Niedermeier, Heinrich: Die Schutter. Von der Quelle bis zur Mündung in die Donau. Der Ingolstädter Schutterlauf früher und heute. Ingolstadt 2002.&lt;br /&gt;
* Pehl, Bernhard: Vor einem halben Jahrhundert wurde die Schutter umgeleitet. Sie mündet heute in den Künettegraben. Donaukurier. 2022. Online verfügbar unter https://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/vor-einem-halben-jahrhundert-wurde-die-schutter-umgeleitet-6334387 (Version vom 22.09.2023), zuletzt geprüft am 20.10.2023.&lt;br /&gt;
* Treffer, Gerd: Ingolstadt in der Weimarer Zeit 1918-1933. 4 Bände. Ingolstadt 2021 (Geschichte der Stadt Ingolstadt, Bd. V, 1918-1972).&lt;br /&gt;
* Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat (Hrsg.): BayernAtlas. Online verfügbar unter https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/?E=664805.90&amp;amp;zoom=7&amp;amp;N=5407390.17&amp;amp;bgLayer=tk&amp;amp;lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;catalogNodes=11, zuletzt geprüft am 20.10.2023.&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Kambach, Jasmin}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Vorgeschichte, Römerzeit, Frühmittelalter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:9. bis 15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1945 bis heute]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Weimarer Republik (1918-1933)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herzogtum Bayern-Ingolstadt (1392-1447)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Natur und Gewässer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alltag und Gesellschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Schutter&amp;diff=1363</id>
		<title>Schutter</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Schutter&amp;diff=1363"/>
		<updated>2023-10-27T09:03:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Foto ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:BrunnhausturmSchutter W0337 ZentrumStadtgeschichte MaxWeiß.jpg|mini|Brunnhausturm mit Schutter (W 337, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)]]&lt;br /&gt;
Die Schutter ist ein linker Nebenfluss der [[Donau]] und gehört zusammen mit der Donau zu den wichtigsten Gewässern Ingolstadts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bedeutung für Ingolstadt ==&lt;br /&gt;
Die Schutter hatte immer eine große wirtschaftliche Bedeutung für Ingolstadt. Sie diente als Antrieb für eine Vielzahl von Mühlen (innerhalb und außerhalb des Stadtgebietes), bot Bade- und Schwimmwasser und ermöglichte Gerbern, Färbern, Fischern, Lederern und Metzgern die Ausübung ihres Handwerks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem diente sie dem Betrieb der Brunnen. Über ein Brunnenwerk im [[Schutterturm]] bei Eintritt der Schutter in die Stadt konnten vor allem die Röhrbrunnen mit Wasser versorgt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2006), S. 216.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits vor der Stadtwerdung Ingolstadts im 13. Jahrhundert wurde die Schutter wahrscheinlich schon zum Mühlenbetrieb an die Niederlassung herangeführt. Im nördlichen Stadtgebiet, zwischen [[Dünzlau]] und [[Antoniusschwaige|Antoniusschwaige,]] ist die Schutter heute eine der bedeutendsten Biotopachsen. Der Talraum im Westen ist von großer Bedeutung für die Frischluftversorgung der Stadt.&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ingolstadt heißt es auch heute noch, ein echter „Schanzer“ wurde in der Ingolstädter Altstadt geboren mit Schutterwasser getauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verlauf ==&lt;br /&gt;
Die Quelle der Schutter liegt am Fuße des Galgenberges im [[Altmühltal]]. Über 32 km fließt sie durch den [[Landkreis Eichstätt]] und das Stadtgebiet Ingolstadt, wo sie in die Donau mündet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Altmühltal ===&lt;br /&gt;
Die Schutter fließt zunächst durch den Markt [[Wellheim]], entlang südlich des Mühlbergs weiter nach Osten. Bei Kranzelstein verlässt sie das [[Urdonautal]] um ihren Weg durch das [[Schutterengtal]] in Richtung [[Nassenfels]] fortzusetzen. Danach fließt sie weiter in südliche Richtung vorbei an Meilenhofen, Zell an der Speck und Nassenfels in das Stadtgebiet Ingolstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ingolstadt ===&lt;br /&gt;
Zunächst durchfließt die Schutter den Stadtteil Dünzlau. Sie setzt ihren Weg nach Südosten fort, vorbei an der [[Heinlmühle]], der [[Ochsenmühle]], der [[Schaumühle]] und der [[Spitzlmühle]]. Entlang an der [[Gerolfinger Straße]] führt sie ihr Weg an der Antoniusschwaige vorbei über das „[[Ingolstädter Schuttermoos]]“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Strecke, noch vor der Antoniusschwaige, kreuzt sie zum zwölften und letzten Mal mit dem Schutterflutkanal, der zur Regulierung der Schutter geschaffen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1972 wurde die Schutter in den [[Künettegraben]] geleitet, über den sie ihren Weg in die Donau findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entwicklung des Flussverlaufes ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Urschutter ===&lt;br /&gt;
Die ursprüngliche Quelle der sog. „Urschutter“ lag ungefähr bei Nassenfels und floss über ihr heutiges Tal nach Osten. In der Gegend des späteren Ingolstädter Beckens vereinte sie sich mit den Flüssen „Neuburger Fluss“, „Ur-Paar“ und „Ur-Ilm“, die gemeinsam über Kehlheim in die „Urdonau“ mündeten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb von Jahrhunderttausenden verlegte die Schutter ihre Quelle immer weiter westlich und erreichte schließlich die Urdonau bei der Waldau nahe Hüttling. Durch das Zusammentreffen wurde die Urdonau durch das Schuttertal in das „Ingolstädter Becken“ und die „Weltenburger Enge“ nach Osten umgeleitet und „verschluckte“ die Schutter dabei regelrecht. Erst einige zehntausend Jahre später, als der „Neuburger Fluss“ die Urdonau bei Stepperg nahe Rennertshofen erreichte und wiederum nach Osten umleitete, entstand die Schutter wieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Westfuss des Galgenberges riss die Donau durch ihre Eintiefungen Karstwasserklüfte auf, welche sich nach der Verlegung der Donau zur heutigen Quelle der Schutter entwickelten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schutter erhielt den keltischen Namen „Scutara“, was Schlammwasser bedeutet. Der Grund liegt in der geringen Fließgeschwindigkeit und den im Schuttertal verbreiteten Moorböden, was dazu führt, dass die Schutter nur Schlamm befördern kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Früherer Verlauf durch Ingolstadt ===&lt;br /&gt;
Im Zuge der Stadterweiterung im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Schutter in die Stadt integriert. Sie wurde durch die zweite Stadtmauer geführt, wo seit dem 14. Jahrhundert der [[Brunnhausturm]] steht, der ab dem 16. Jahrhundert als Wasserturm diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst verlief der Fluss entlang der [[Gerbergasse]], vorbei an der [[Griesmühle]], der ältesten Mühle im Stadtgebiet Ingolstadts. Weiter entlang der heutigen [[Griesbadgasse]] erreichte die Schutter die [[Schleifmühle]]. Ihr Weg setzte sich über die [[Wagnerwirtsgasse]], über die [[Spitalstraße]] und die [[Schutterstraße]] fort, wo sie mit Korbbögen aus Ziegelmauerwerk überwölbt wurde. Lediglich zwischen Brunnhausturm und Griesmühle verlief die Schutter offen. Entlang der Spitalstraße führte sie am [[Heilig-Geist-Spital]] - heute das [[Technisches Rathaus|Technische Rathaus]] - und der [[Spitalkirche]] vorbei zur ehemaligen [[Augustinerkirche]] – heute [[Viktualienmarkt]]. Nahe des [[Neues Schloss|Neuen Schlosses]] mündete die Schutter letztendlich in die Donau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später wurde die Mündung aufgrund von Rückstaus schrittweise donauabwärts verlegt wurde. Bis 1972 verlief die Schutter nach der Durchquerung der Stadt gemeinsam mit den Abwässern im Schutterableitungskanal in Richtung [[Feldkirchen]] und dann ungeklärt in die Donau. Aufgrund des Kläranlagenbaus wurde beschlossen, sie in den Künettegraben zu leiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pehl (2023).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutterregulierungen ==&lt;br /&gt;
Bereits im 19. Jahrhundert gab es erste Ansätze die Schutter durch Entwässerungsanlagen zu regulieren, was jedoch nicht erfolgreich war. 1919 wurde ein Antrag zur Entwässerung des Schuttertales gestellt, um die Ertragssituation für die Landwirte zu verbessern und die Missstände und Schwierigkeiten bei der Instandhaltung des Schutterbettes zu beseitigen. Daraufhin wurde 1926 der „Zweckverband zur Entwässerung des Schuttertales“ gegründet, woraufhin bereits im gleichen Jahr mit den Baumaßnahmen begonnen werden konnte. Zunächst wurde ein knapp 2 km langer Graben von [[Fort Haslang]] bis über die Schaumühle sowie zahlreiche Kunstbauten unter dem Schutterbett geschaffen. Im zweiten Bauabschnitt entstanden laterale Entwässerungsgräben hin zum Flutgraben. Zuletzt wurden im dritten Bauabschnitt das eigentliche Schutterbett und das Ufer saniert. Der Schutterflutkanal mündet in den Ludlgraben im „Roten Gries“.&amp;lt;ref&amp;gt;Treffer, S. 1219–1220.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Schutterregulierung gewannen die Landwirte durch die Entwässerung der Wiesen fruchtbares Ackerland. Die Wassermenge der Schutter wurde durch die Maßnahme jedoch reduziert, wodurch die Mühlen nicht mehr wie vorher betrieben werden konnten. Dies führte dazu, dass die Müller zusätzliche Motorenkraft in die Mühlen einbauen mussten.&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mühlen an der Schutter ==&lt;br /&gt;
Die Schutter wurde zum Betrieb von Mühlen genutzt. Bis zu ihrer Mündung in der Donau betrieb die Schutter insgesamt 26 Mühlen – wovon 19 Mühlen heute noch existent sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Wellheimer Mühle]]: Nach nur 1,5 km die erste Mühle in der Schutter. Heute nicht mehr existent.&lt;br /&gt;
* [[Feldmühle]]: Ersterwähnung 1342, Stilllegung 1818&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Bauchenberger Mühle]]: Ersterwähnung 1385,&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einsturz 1920&lt;br /&gt;
* [[Sächenfartmühle]]: Ersterwähnung 1309, Stilllegung 1962&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Meilenhofer Mühle]]: 1928 abgerissen&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Zeller Mühle]]: Wahrscheinlich im 17. Jahrhundert erbaut, Stilllegung 1970er&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Speckmühle]]: 1932 abgebrannt, wiederaufgebaut und bis 1955 in Betrieb&lt;br /&gt;
* [[Aumühle]]: Ersterwähnung 16. Jahrhundert (laut mündlichen Überlieferungen älter), Stilllegung 1978&lt;br /&gt;
* [[Oberhaidmühle]]: Ersterwähnung 1448, Stilllegung 1960&lt;br /&gt;
* [[Unterhaidmühle]]: Wahrscheinlich im 15. Jahrhundert erbaut, Stilllegung 1954&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Wolkertshofer Mühle]]: Ersterwähnung 1277, heute noch in Betrieb&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Moosmühle]]: Ersterwähnung 1461 (Mühle ist jedoch älter), stillgelegt&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 20.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Reinboltsmühle]]: Ersterwähnung 1674, Mahlbetrieb ca. 1984 eingestellt, Mühlrad noch in Betrieb und produziert Strom für den Eigenbetrieb&lt;br /&gt;
* [[Dünzlauer Mühle]]: Ersterwähnung 1507,&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stilllegung 1955&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 63.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Heindlmühle]]: Ersterwähnung 1416, Stilllegung 1950, 1951-1953 Anwesen nach historischen Vorlagen neu aufgebaut&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Ochsenmühle]]: Ersterwähnung Salbuch von 1260/80, Stilllegung 1988&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Semmelmühle]]: Gehörte 1450 zum Meierhof nach Gaimersheim, Ablöschung und Abriss 1926/29, Kapelle blieb erhalten&lt;br /&gt;
* [[Schaumühle]]: Ging 1790 an das Kloster St. Johann im Gnadenthal zu Ingolstadt über. Noch immer wird dort Weizen, Soja und Käsein gemahlen&lt;br /&gt;
* [[Spitzlmühle]]: Abriss 1960&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Karlmühle]]: Ersterwähung 1507 als „Feldmühle“, Stilllegung 1958&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Winklermühle]]: Ersterwähnung 1417, Betrieb 1928 teilweise und 1934 ganz eingestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 28.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Brodmühle]]: Ersterwähnung 1580,&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stilllegung ca. 1982&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 83.&amp;lt;/ref&amp;gt;, letzte erhaltene Schuttermühle vor der Einmündung in den Künettegraben&lt;br /&gt;
* [[Griesmühle]]: Errichtung 13. Jahrhundert, Stilllegung 1961&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Schleifmühle]], [[Stadtmühle]] und Mittermühle (heute [[Winklermühle]]): Abgaben 1224 und 1228 festgelegt, abgerissen&amp;lt;ref&amp;gt;Hambeck (1983), S. 90.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutterbäder ==&lt;br /&gt;
Aufgrund ihrer geringen Breite von ca. 4 m und Tiefe von ca. 60 cm, war die Schutter als Platz zum Baden und Schwimmen geeignet. Darum entstanden vier Schutterbäder im Stadtgebiet Ingolstadt – das [[Städtisches Schutterbad|Städtische Schutterbad]] nahe des [[Aloisiweg|Aloisiweges]], das „[[Strandbad Frauensee]]“ nahe der Brodmühle, das [[Militärschwimmbad]] im [[Schutterhof]] und das [[Städtisches Volksbad|Städtische Volksbad]] südwestlich des [[Kreuztor|Kreuztores]].&amp;lt;ref&amp;gt;Niedermeier (2002), S. 29–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutterordnung ==&lt;br /&gt;
Die Schutter wurde vielfältig genutzt, was dazu führte, dass es immer wieder Streit zwischen den verschiedenen Interessensgruppen gab. Diese Differenzen wurden über Jahrhunderte hinweg geführt. So forderten die Müller beispielsweise eine hohe Wassermenge zum Betrieb ihrer Mühlen, die Landwirte jedoch eine niedrige Wassermenge zum raschen Wasserabfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um eine Rechtsgrundlage bei den vielen Streitigkeiten zu haben, wurde 1477 von [[Herzog Ludwig IX. dem Reichen]] und Wilhelm Bischof von Eichstätt eine Schutterordnung erlassen. Mit dieser Ordnung wurden Vorschriften zum Unterhalt und zur Räumung der Schutter festgelegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtarchiv Ingolstadt, A II 21a.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der getroffenen Maßnahmen, kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stadtarchiv Ingolstadt, A II 21a: Abschrift der Schutterordnung 1477 (Abschrift von 1840-1899).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hambeck, Petra: Die Mühlen an der Schutter – Erkundungen an einem Flüßchen zwischen Altmühl und Donau. Zulassungsarbeit für die erste Lehramtsprüfung an Hauptschulen im Fachbereich Volkskunde, Katholische Universität Eichstätt 1983.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried (Hrsg.): Geschichte der Stadt Ingolstadt. 1506-1600. Ingolstadt 2006.&lt;br /&gt;
* Niedermeier, Heinrich: Die Schutter. Von der Quelle bis zur Mündung in die Donau. Der Ingolstädter Schutterlauf früher und heute. Ingolstadt 2002.&lt;br /&gt;
* Pehl, Bernhard: Vor einem halben Jahrhundert wurde die Schutter umgeleitet. Sie mündet heute in den Künettegraben. Donaukurier. 2022. Online verfügbar unter https://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/vor-einem-halben-jahrhundert-wurde-die-schutter-umgeleitet-6334387 (Version vom 22.09.2023), zuletzt geprüft am 20.10.2023.&lt;br /&gt;
* Treffer, Gerd: Ingolstadt in der Weimarer Zeit 1918-1933. 4 Bände. Ingolstadt 2021 (Geschichte der Stadt Ingolstadt, Bd. V, 1918-1972).&lt;br /&gt;
* Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat (Hrsg.): BayernAtlas. Online verfügbar unter https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/?E=664805.90&amp;amp;zoom=7&amp;amp;N=5407390.17&amp;amp;bgLayer=tk&amp;amp;lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;catalogNodes=11, zuletzt geprüft am 20.10.2023.&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Kambach, Jasmin}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Vorgeschichte, Römerzeit, Frühmittelalter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:9. bis 15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1945 bis heute]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Weimarer Republik (1918-1933)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herzogtum Bayern-Ingolstadt (1392-1447)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Natur und Gewässer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alltag und Gesellschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<updated>2023-10-27T09:02:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Brunnhausturm mit Schutter (W 337, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Brunnhausturm mit Schutter (W 337, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<title>Neues Schloss</title>
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		<updated>2023-10-27T07:40:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Verlinkungen ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue Schloss oder auch die Neue Veste liegt am Paradeplatz 4 im Südosten der Ingolstädter Altstadt. Ab 1417/18 wurde der Bau einer neuen Residenz durch Herzog [[Ludwig VII. der Gebartete|Ludwig VII.]] (auch Ludwig der Bärtige, *1368, † 1. Mai 1447 in Burghausen)&amp;lt;ref&amp;gt;Straub (1987).&amp;lt;/ref&amp;gt; von [[Bayern-Ingolstadt]] begonnen und konnte um 1500 fertiggestellt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:NeuesSchloss2021 ZentrumStadtgeschichte UlliRoessle.jpg|mini|Blick auf das neue Schloss, 2021 (Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Ulli Rössle)]]&lt;br /&gt;
Das Schloss gilt als Vorreiter des neuzeitlichen Schlossbaus in Deutschland.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Heute befindet sich dort das [[Bayerisches Armeemuseum|Bayerische Armeemuseum]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorgeschichte ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1392 kam es zur [[Landesteilung 1392|Landesteilung]], wodurch Ingolstadt die Residenz des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt unter [[Stephan III. der Kneißel|Stephan III.]] (auch Stephan der Kneißel, *um 1337, † 26. September 1413 in Niederschönenfeld)&amp;lt;ref&amp;gt;Schwertl (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Tochter Elisabeth verheiratete Stephan mit dem französischen König Karl VI. (* 1368 in Paris, † 1422 in Paris). Durch diese Eheschließung verbrachte auch sein Sohn Ludwig viele Jahre am französischen Königshof in Paris bei seiner Schwester [[Isabeau de Baviére]] (* evtl. 1370 als &#039;&#039;Elisabeth von Bayern&#039;&#039;, † 30. September 1435 in Paris)&amp;lt;ref&amp;gt;Fantou-Kim (1974).&amp;lt;/ref&amp;gt;.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ludwig der Gebartete nach Deutschland und 1416 nach Ingolstadt zurückkehrte veranlasste er den Bau eines Neuen Schlosses in Ingolstadt. Der seit dem 13. Jahrhundert als Schloss genutzte [[Herzogskasten]] (auch Altes Schloss), war nicht mehr als Residenz geeignet. Durch die 1858 begonnene Stadterweiterung, war er weiter in die Mitte gerückt und hatte dadurch seine fortifikatorische Lage verloren.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 373.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte ==&lt;br /&gt;
[[Datei:MilitaerbahnhofSchloss W1333 ZentrumStadtgeschichte MaxWeiß.jpg|mini|Neues Schloss mit Militärbahnhof (W 1333, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)]]&lt;br /&gt;
1417/18 wurde mit dem Bau einer neuen, prachtvolleren Residenz begonnen. Bis zum Tod von Ludwig dem Gebarteten konnte jedoch nur der Rohbau fertiggestellt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits im Jahr 1420 kam der Bau, wohl ausgelöst durch den Bayerischen Krieg, zum Erliegen&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; und konnte erst 1425/29, nach der Rückkehr von Ludwig, wieder aufgenommen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 280.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Wiederaufnahme des Baus wurde er nach Norden erweitert, wodurch das 1368 erbaute [[Feldkirchner Tor]] in die Residenz integriert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da nun das westliche Stadttor anderweitig genutzt wurde, baute Ludwig als Ersatz ein Neues Feldkirchner Tor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1450 – nach dem Tod von Ludwig dem Gebarteten – wurde der Bau des Neuen Schlosses durch den Herzog [[Heinrich XVI. den Reichen]] von Bayern-Landshut (* 1386, † 30. Juli 1450 in Landshut)&amp;lt;ref&amp;gt;Reindel (1969).&amp;lt;/ref&amp;gt; fortgesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser richtete das Dach auf und stellte die Dürnitz unter Baumeister Hans Tichter fertig.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1476-1489 erreichten die Ausbauarbeiten des Neuen Schlosses ihren Höhepunkt&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 507.&amp;lt;/ref&amp;gt; u. a. mit Wölbungsarbeiten der Räume des 1. Obergeschosses. Die beiden Giebel wurden 1486 fertiggestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Abschlussarbeiten wurden zwei Sonnenuhren durch den Meister Hanns Arndorff und den Maler [[Gabriel Herlin]] ausgefertigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 499.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1500 konnten die Bauarbeiten am Neuen Schloss unter [[Georg der Reiche|Georg dem Reichen]] (* 15. August 1455 in Landshut, † 1. Dezember 1503 in Landshut) weitgehend abgeschlossen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst 1677 erfolgten weitere größere Baumaßnahmen unter [[Kurfürst Ferdinand Maria]] (* 31. Oktober 1636 in München, † 26. Mai 1679 in Schleißheim bei München),&amp;lt;ref&amp;gt;Scherer (1961).&amp;lt;/ref&amp;gt; die beispielsweise den Einbau der Treppe im südlichen Haupttrakt beinhalteten. Weitere Erneuerungsarbeiten wurden im 18. Jahrhundert durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Nordhälfte des zweiten Obergeschosses sowie der Fünfeckturm durch einen Bombenangriff zerstört.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesamtanlage ==&lt;br /&gt;
Die Gesamtanlage des Neuen Schlosses wurde im 15. Jahrhundert als Verteidigungsanlage konzipiert. Daher wurden die Hauptbauten von wasserführenden Gräben umgeben. An den Ecken standen Wehrtürme, zwei große Türme nach Osten zur Feindseite und zwei kleinere auf der Stadtseite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Schloss gehören das Palas, das [[Zeughaus]] (ehemaliger Getreidekasten von 1472/73)&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 373.&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Marstall, die [[Statthalterei]] mit Feldkirchner Tor und die Kavaliersbauten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tor mit [[Torturm (Schloss)|Torturm]] von 1580 führt in den Schlosshof, dem im 18. Jahrhundert ein Uhrturm aufgesetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Mitte des Schosshofes befindet sich der [[Johann-Nepomuk-Brunnen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Raumprogramm ==&lt;br /&gt;
Der Zutritt zum Palas erfolgt durch ein Doppelportal. Im Erdgeschoss befinden sich auf der Südseite ein Vorplatz, die Kanzlei, die Ratsstube und Wohnräume. Nördlich befindet sich die Dürnitz, ein großer Tanzsaal. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Obergeschoss befindet sich südlich die gewölbte Stube des gnädigen Herrn mit vorgelagertem Söller und ein Schlafraum mit geschnitzter Decke. In der Nordhälfte, über der Dürnitz, befindet sich der große Saal. In der Mitte des ersten Stockwerks befand sich die untere Kapelle mit dem „Stuhl“ des Herzogs. Darüber im zweiten Obergeschoss lag die „obere“ Kapelle mit Durchblick auf den Altar der darunter liegenden. Außerdem befand sich im zweiten Stockwerk der Trakt der Frauen.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 32–49 und Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nutzung ==&lt;br /&gt;
Ingolstadt konnte den Titel einer Hauptstadt auch nach dem Tod von Ludwig dem Gebarteten, als Bayern-Ingolstadt an Bayern-Landshut fiel, und nach Eingliederung in das weitgehend wieder vereinigte Bayern 1505 behalten. Daher diente das Neue Schloss den Herzögen weiterhin als Residenz.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; Im [[Spanischer Erbfolgekrieg|Spanischen Erbfolgekrieg]] wurde es als Kaserne genutzt, bis es 1788 nach dem Aussterben der bayerischen Wittelsbacher an das Militär übergeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1809 wurde begonnen das Schloss zu einem Depot umzubauen, wodurch die Türme und Giebel abgetragen wurden. Bis 1918 wurde das Gebäude militärisch genutzt, unter anderem zur Unterbringung französischer Kriegsgefangener. 1925 bezogen das [[Stadtarchiv]] und [[Stadtmuseum]] die Räume des Schlosses und nutzen diese bis 1962. Lediglich im Zweiten Weltkrieg wurde die Neue Veste für militärische Zwecke genutzt. Nach einer Renovierung konnte 1972 das Bayerische Armeemuseum eröffnen, welches sich noch heute im Neuen Schloss befindet.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fantou-Kim, Heidi: Isabeau de Bavière. 1974 (Neue Deutsche Biographie, 10). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd118639838.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Häffner, Hans-Heinrich; Großmann, G. Ulrich: Neues Schloss Ingolstadt. 1. Aufl. Regensburg 2003 (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, Bd. 9).&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. 1. Teil. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 88 (1979), S. 78–109. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb00005418?page=79, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. Teil 2. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 89 (1980), S. 265–275. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00005419?page=26, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. Teil 3. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 99 (1990), S. 173–202. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00005428?page=174, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Geschichte der Stadt Ingolstadt. Von den Anfängen bis 1505. Ingolstadt 2000.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried (Hrsg.): Geschichte der Stadt Ingolstadt. 1506-1600. Ingolstadt 2006.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Ingolstadt, Neues Schloss. Historisches Lexikon Bayerns. 2013. Online verfügbar unter https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ingolstadt,_Neues_Schloss, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Paradeplatz 4. In: Frank Becker, Christina Grimminger und Karlheinz Hemmeter (Hrsg.): Stadt Ingolstadt. Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler. 2 Bände. München 2002 (Denkmäler in Bayern, Bd. I.1), S. 373–380.&lt;br /&gt;
* Reindel, Kurt: Heinrich XVI. 1969 (Neue Deutsche Biographie, 8). Online verfügbar unter [https://www.deutsche-biographie.de/pnd129432466.html#ndbcontent, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129432466.html#ndbcontent,] zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Scherer, Herbert: Ferdinand Maria. 1961 (Neue Deutsche Biographie, 5). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd119105691.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Schuster, Max Eberhardt: Das neue Schloß in Ingolstadt. In: Das Bayerland (1961), S. 35–38.&lt;br /&gt;
* Schwertl, Gerhard: Stephan III. 2013 (Neue Deutsche Biographie, 25). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd124987885.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Straub, Theodor: Ludwig VII. 1987 (Neue Deutsche Biographie, 15). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729381.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Kambach, Jasmin}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herzogtum Bayern-Ingolstadt (1392-1447)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universitätsstadt (1472-1800)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landesfestung und Industrialisierung (19. bis Anfang 20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Weimarer Republik (1918-1933)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:NS-Zeit (1933-1945)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1945 bis heute]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Architektur und Bauwerke]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Festung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Neues_Schloss&amp;diff=1341</id>
		<title>Neues Schloss</title>
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		<updated>2023-10-27T07:19:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Fotos und Kategorien ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue Schloss oder auch die Neue Veste liegt am Paradeplatz 4 im Südosten der Ingolstädter Altstadt. Ab 1417/18 wurde der Bau einer neuen Residenz durch Herzog Ludwig VII. (auch Ludwig der Bärtige, *1368, † 1. Mai 1447 in Burghausen)&amp;lt;ref&amp;gt;Straub (1987).&amp;lt;/ref&amp;gt; von Bayern-Ingolstadt begonnen und konnte um 1500 fertiggestellt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:NeuesSchloss2021 ZentrumStadtgeschichte UlliRoessle.jpg|mini|Blick auf das neue Schloss, 2021 (Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Ulli Rössle)]]&lt;br /&gt;
Das Schloss gilt als Vorreiter des neuzeitlichen Schlossbaus in Deutschland.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Heute befindet sich dort das Bayerische Armeemuseum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorgeschichte ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1392 kam es zur Landesteilung, wodurch Ingolstadt die Residenz des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt unter Stephan III (auch Stephan der Kneißel, *um 1337, † 26. September 1413 in Niederschönenfeld)&amp;lt;ref&amp;gt;Schwertl (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Tochter Elisabeth verheiratete Stephan mit dem französischen König Karl VI. (* 1368 in Paris, † 1422 in Paris). Durch diese Eheschließung verbrachte auch sein Sohn Ludwig viele Jahre am französischen Königshof in Paris bei seiner Schwester Isabeau de Baviére (* evtl. 1370 als &#039;&#039;Elisabeth von Bayern&#039;&#039;, † 30. September 1435 in Paris)&amp;lt;ref&amp;gt;Fantou-Kim (1974).&amp;lt;/ref&amp;gt;.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ludwig der Gebartete nach Deutschland und 1416 nach Ingolstadt zurückkehrte veranlasste er den Bau eines Neuen Schlosses in Ingolstadt. Der seit dem 13. Jahrhundert als Schloss genutzte Herzogskasten (auch Altes Schloss), war nicht mehr als Residenz geeignet. Durch die 1858 begonnene Stadterweiterung, war er weiter in die Mitte gerückt und hatte dadurch seine fortifikatorische Lage verloren.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 373.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte ==&lt;br /&gt;
[[Datei:MilitaerbahnhofSchloss W1333 ZentrumStadtgeschichte MaxWeiß.jpg|mini|Neues Schloss mit Militärbahnhof (W 1333, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)]]&lt;br /&gt;
1417/18 wurde mit dem Bau einer neuen, prachtvolleren Residenz begonnen. Bis zum Tod von Ludwig dem Gebarteten konnte jedoch nur der Rohbau fertiggestellt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits im Jahr 1420 kam der Bau, wohl ausgelöst durch den Bayerischen Krieg, zum Erliegen&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; und konnte erst 1425/29, nach der Rückkehr von Ludwig, wieder aufgenommen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 280.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Wiederaufnahme des Baus wurde er nach Norden erweitert, wodurch das 1368 erbaute Feldkirchner Tor in die Residenz integriert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da nun das westliche Stadttor anderweitig genutzt wurde, baute Ludwig als Ersatz ein Neues Feldkirchner Tor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1450 – nach dem Tod von Ludwig dem Gebarteten – wurde der Bau des Neuen Schlosses durch den Herzog Heinrich den Reichen von Bayern-Landshut (* 1386, † 30. Juli 1450 in Landshut)&amp;lt;ref&amp;gt;Reindel (1969).&amp;lt;/ref&amp;gt; fortgesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser richtete das Dach auf und stellte die Dürnitz unter Baumeister Hans Tichter fertig.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1476-1489 erreichten die Ausbauarbeiten des Neuen Schlosses ihren Höhepunkt&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 507.&amp;lt;/ref&amp;gt; u. a. mit Wölbungsarbeiten der Räume des 1. Obergeschosses. Die beiden Giebel wurden 1486 fertiggestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Abschlussarbeiten wurden zwei Sonnenuhren durch den Meister Hanns Arndorff und den Maler Gabriel Herlin ausgefertigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 499.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1500 konnten die Bauarbeiten am Neuen Schloss unter Georg dem Reichen (* 15. August 1455 in Landshut, † 1. Dezember 1503 in Landshut) weitgehend abgeschlossen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst 1677 erfolgten weitere größere Baumaßnahmen unter Kurfürst Ferdinand Maria (* 31. Oktober 1636 in München, † 26. Mai 1679 in Schleißheim bei München),&amp;lt;ref&amp;gt;Scherer (1961).&amp;lt;/ref&amp;gt; die beispielsweise den Einbau der Treppe im südlichen Haupttrakt beinhalteten. Weitere Erneuerungsarbeiten wurden im 18. Jahrhundert durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Nordhälfte des zweiten Obergeschosses sowie der Fünfeckturm durch einen Bombenangriff zerstört.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesamtanlage ==&lt;br /&gt;
Die Gesamtanlage des Neuen Schlosses wurde im 15. Jahrhundert als Verteidigungsanlage konzipiert. Daher wurden die Hauptbauten von wasserführenden Gräben umgeben. An den Ecken standen Wehrtürme, zwei große Türme nach Osten zur Feindseite und zwei kleinere auf der Stadtseite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Schluss gehören das Palas, das Zeughaus (ehemaliger Getreidekasten von 1472/73)&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 373.&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Marstall, die Statthalterei mit Feldkirchner Tor und die Kavaliersbauten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tor mit Torturm von 1580 führt in den Schlosshof, dem im 18. Jahrhundert ein Uhrturm aufgesetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Mitte des Schosshofes befindet sich der Johann-Nepomuk-Brunnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Raumprogramm ==&lt;br /&gt;
Der Zutritt zum Palas erfolgt durch ein Doppelportal. Im Erdgeschoss befinden sich auf der Südseite ein Vorplatz, die Kanzlei, die Ratsstube und Wohnräume. Nördlich befindet sich die Dürnitz, ein großer Tanzsaal.&lt;br /&gt;
Im ersten Obergeschoss befindet sich südlich die gewölbte Stube des gnädigen Herrn mit vorgelagertem Söller und ein Schlafraum mit geschnitzter Decke. In der Nordhälfte, über der Dürnitz, befindet sich der große Saal. In der Mitte des ersten Stockwerks befand sich die untere Kapelle mit dem „Stuhl“ des Herzogs. Darüber im zweiten Obergeschoss lag die „obere“ Kapelle mit Durchblick auf den Altar der darunter liegenden. Außerdem befand sich im zweiten Stockwerk der Trakt der Frauen.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 32–49 und Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nutzung ==&lt;br /&gt;
Ingolstadt konnte den Titel einer Hauptstadt auch nach dem Tod von Ludwig dem Gebarteten, als Bayern-Ingolstadt an Bayern-Landshut fiel, und nach Eingliederung in das weitgehend wieder vereinigte Bayern 1505 behalten. Daher diente das Neue Schloss den Herzögen weiterhin als Residenz.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde es als Kaserne genutzt, bis es 1788 nach dem Aussterben der bayerischen Wittelsbacher an das Militär übergeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1809 wurde begonnen das Schloss zu einem Depot umzubauen, wodurch die Türme und Giebel abgetragen wurden. Bis 1918 wurde das Gebäude militärisch genutzt, unter anderem zur Unterbringung französischer Kriegsgefangener. 1925 bezogen das Stadtarchiv und Stadtmuseum die Räume des Schlosses und nutzen diese bis 1962. Lediglich im Zweiten Weltkrieg wurde die Neue Veste für militärische Zwecke genutzt. Nach einer Renovierung konnte 1972 das Bayerische Armeemuseum eröffnen, welches sich noch heute im Neuen Schloss befindet.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fantou-Kim, Heidi: Isabeau de Bavière. 1974 (Neue Deutsche Biographie, 10). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd118639838.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Häffner, Hans-Heinrich; Großmann, G. Ulrich: Neues Schloss Ingolstadt. 1. Aufl. Regensburg 2003 (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, Bd. 9).&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. 1. Teil. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 88 (1979), S. 78–109. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb00005418?page=79, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. Teil 2. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 89 (1980), S. 265–275. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00005419?page=26, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. Teil 3. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 99 (1990), S. 173–202. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00005428?page=174, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Geschichte der Stadt Ingolstadt. Von den Anfängen bis 1505. Ingolstadt 2000.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried (Hrsg.): Geschichte der Stadt Ingolstadt. 1506-1600. Ingolstadt 2006.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Ingolstadt, Neues Schloss. Historisches Lexikon Bayerns. 2013. Online verfügbar unter https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ingolstadt,_Neues_Schloss, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Paradeplatz 4. In: Frank Becker, Christina Grimminger und Karlheinz Hemmeter (Hrsg.): Stadt Ingolstadt. Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler. 2 Bände. München 2002 (Denkmäler in Bayern, Bd. I.1), S. 373–380.&lt;br /&gt;
* Reindel, Kurt: Heinrich XVI. 1969 (Neue Deutsche Biographie, 8). Online verfügbar unter [https://www.deutsche-biographie.de/pnd129432466.html#ndbcontent, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129432466.html#ndbcontent,] zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Scherer, Herbert: Ferdinand Maria. 1961 (Neue Deutsche Biographie, 5). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd119105691.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Schuster, Max Eberhardt: Das neue Schloß in Ingolstadt. In: Das Bayerland (1961), S. 35–38.&lt;br /&gt;
* Schwertl, Gerhard: Stephan III. 2013 (Neue Deutsche Biographie, 25). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd124987885.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Straub, Theodor: Ludwig VII. 1987 (Neue Deutsche Biographie, 15). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729381.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Kambach, Jasmin}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herzogtum Bayern-Ingolstadt (1392-1447)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universitätsstadt (1472-1800)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landesfestung und Industrialisierung (19. bis Anfang 20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Weimarer Republik (1918-1933)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:NS-Zeit (1933-1945)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1945 bis heute]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Architektur und Bauwerke]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Festung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<updated>2023-10-27T07:15:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Neues Schloss mit Militärbahnhof (W 1333, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Neues Schloss mit Militärbahnhof (W 1333, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<title>Neues Schloss</title>
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		<updated>2023-10-27T07:14:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Inhalt zugefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Beitrag von Jasmin Kambach&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue Schloss oder auch die Neue Veste liegt am Paradeplatz 4 im Südosten der Ingolstädter Altstadt. Ab 1417/18 wurde der Bau einer neuen Residenz durch Herzog Ludwig VII. (auch Ludwig der Bärtige, *1368, † 1. Mai 1447 in Burghausen)&amp;lt;ref&amp;gt;Straub (1987).&amp;lt;/ref&amp;gt; von Bayern-Ingolstadt begonnen und konnte um 1500 fertiggestellt werden.&lt;br /&gt;
[[Datei:NeuesSchloss2021 ZentrumStadtgeschichte UlliRoessle.jpg|mini|Blick auf das neue Schloss, 2021 (Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Ulli Rössle)]]&lt;br /&gt;
Das Schloss gilt als Vorreiter des neuzeitlichen Schlossbaus in Deutschland.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Heute befindet sich dort das Bayerische Armeemuseum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorgeschichte ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1392 kam es zur Landesteilung, wodurch Ingolstadt die Residenz des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt unter Stephan III (auch Stephan der Kneißel, *um 1337, † 26. September 1413 in Niederschönenfeld)&amp;lt;ref&amp;gt;Schwertl (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Tochter Elisabeth verheiratete Stephan mit dem französischen König Karl VI. (* 1368 in Paris, † 1422 in Paris). Durch diese Eheschließung verbrachte auch sein Sohn Ludwig viele Jahre am französischen Königshof in Paris bei seiner Schwester Isabeau de Baviére (* evtl. 1370 als &#039;&#039;Elisabeth von Bayern&#039;&#039;, † 30. September 1435 in Paris)&amp;lt;ref&amp;gt;Fantou-Kim (1974).&amp;lt;/ref&amp;gt;.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ludwig der Gebartete nach Deutschland und 1416 nach Ingolstadt zurückkehrte veranlasste er den Bau eines Neuen Schlosses in Ingolstadt. Der seit dem 13. Jahrhundert als Schloss genutzte Herzogskasten (auch Altes Schloss), war nicht mehr als Residenz geeignet. Durch die 1858 begonnene Stadterweiterung, war er weiter in die Mitte gerückt und hatte dadurch seine fortifikatorische Lage verloren.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 373.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte ==&lt;br /&gt;
1417/18 wurde mit dem Bau einer neuen, prachtvolleren Residenz begonnen. Bis zum Tod von Ludwig dem Gebarteten konnte jedoch nur der Rohbau fertiggestellt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits im Jahr 1420 kam der Bau, wohl ausgelöst durch den Bayerischen Krieg, zum Erliegen&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; und konnte erst 1425/29, nach der Rückkehr von Ludwig, wieder aufgenommen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 280.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Wiederaufnahme des Baus wurde er nach Norden erweitert, wodurch das 1368 erbaute Feldkirchner Tor in die Residenz integriert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da nun das westliche Stadttor anderweitig genutzt wurde, baute Ludwig als Ersatz ein Neues Feldkirchner Tor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1450 – nach dem Tod von Ludwig dem Gebarteten – wurde der Bau des Neuen Schlosses durch den Herzog Heinrich den Reichen von Bayern-Landshut (* 1386, † 30. Juli 1450 in Landshut)&amp;lt;ref&amp;gt;Reindel (1969).&amp;lt;/ref&amp;gt; fortgesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser richtete das Dach auf und stellte die Dürnitz unter Baumeister Hans Tichter fertig.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1476-1489 erreichten die Ausbauarbeiten des Neuen Schlosses ihren Höhepunkt&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 507.&amp;lt;/ref&amp;gt; u. a. mit Wölbungsarbeiten der Räume des 1. Obergeschosses. Die beiden Giebel wurden 1486 fertiggestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Abschlussarbeiten wurden zwei Sonnenuhren durch den Meister Hanns Arndorff und den Maler Gabriel Herlin ausgefertigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2000), S. 499.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1500 konnten die Bauarbeiten am Neuen Schloss unter Georg dem Reichen (* 15. August 1455 in Landshut, † 1. Dezember 1503 in Landshut) weitgehend abgeschlossen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst 1677 erfolgten weitere größere Baumaßnahmen unter Kurfürst Ferdinand Maria (* 31. Oktober 1636 in München, † 26. Mai 1679 in Schleißheim bei München),&amp;lt;ref&amp;gt;Scherer (1961).&amp;lt;/ref&amp;gt; die beispielsweise den Einbau der Treppe im südlichen Haupttrakt beinhalteten. Weitere Erneuerungsarbeiten wurden im 18. Jahrhundert durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Nordhälfte des zweiten Obergeschosses sowie der Fünfeckturm durch einen Bombenangriff zerstört.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesamtanlage ==&lt;br /&gt;
Die Gesamtanlage des Neuen Schlosses wurde im 15. Jahrhundert als Verteidigungsanlage konzipiert. Daher wurden die Hauptbauten von wasserführenden Gräben umgeben. An den Ecken standen Wehrtürme, zwei große Türme nach Osten zur Feindseite und zwei kleinere auf der Stadtseite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Schluss gehören das Palas, das Zeughaus (ehemaliger Getreidekasten von 1472/73)&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 373.&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Marstall, die Statthalterei mit Feldkirchner Tor und die Kavaliersbauten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tor mit Torturm von 1580 führt in den Schlosshof, dem im 18. Jahrhundert ein Uhrturm aufgesetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Mitte des Schosshofes befindet sich der Johann-Nepomuk-Brunnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Raumprogramm ==&lt;br /&gt;
Der Zutritt zum Palas erfolgt durch ein Doppelportal. Im Erdgeschoss befinden sich auf der Südseite ein Vorplatz, die Kanzlei, die Ratsstube und Wohnräume. Nördlich befindet sich die Dürnitz, ein großer Tanzsaal.&lt;br /&gt;
Im ersten Obergeschoss befindet sich südlich die gewölbte Stube des gnädigen Herrn mit vorgelagertem Söller und ein Schlafraum mit geschnitzter Decke. In der Nordhälfte, über der Dürnitz, befindet sich der große Saal. In der Mitte des ersten Stockwerks befand sich die untere Kapelle mit dem „Stuhl“ des Herzogs. Darüber im zweiten Obergeschoss lag die „obere“ Kapelle mit Durchblick auf den Altar der darunter liegenden. Außerdem befand sich im zweiten Stockwerk der Trakt der Frauen.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 32–49 und Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nutzung ==&lt;br /&gt;
Ingolstadt konnte den Titel einer Hauptstadt auch nach dem Tod von Ludwig dem Gebarteten, als Bayern-Ingolstadt an Bayern-Landshut fiel, und nach Eingliederung in das weitgehend wieder vereinigte Bayern 1505 behalten. Daher diente das Neue Schloss den Herzögen weiterhin als Residenz.&amp;lt;ref&amp;gt;Hofmann (2013).&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde es als Kaserne genutzt, bis es 1788 nach dem Aussterben der bayerischen Wittelsbacher an das Militär übergeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Paradeplatz 4 (2002), S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1809 wurde begonnen das Schloss zu einem Depot umzubauen, wodurch die Türme und Giebel abgetragen wurden. Bis 1918 wurde das Gebäude militärisch genutzt, unter anderem zur Unterbringung französischer Kriegsgefangener. 1925 bezogen das Stadtarchiv und Stadtmuseum die Räume des Schlosses und nutzen diese bis 1962. Lediglich im Zweiten Weltkrieg wurde die Neue Veste für militärische Zwecke genutzt. Nach einer Renovierung konnte 1972 das Bayerische Armeemuseum eröffnen, welches sich noch heute im Neuen Schloss befindet.&amp;lt;ref&amp;gt;Häffner; Großmann (2003), S. 12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fantou-Kim, Heidi: Isabeau de Bavière. 1974 (Neue Deutsche Biographie, 10). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd118639838.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Häffner, Hans-Heinrich; Großmann, G. Ulrich: Neues Schloss Ingolstadt. 1. Aufl. Regensburg 2003 (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, Bd. 9).&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. 1. Teil. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 88 (1979), S. 78–109. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb00005418?page=79, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. Teil 2. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 89 (1980), S. 265–275. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00005419?page=26, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. Teil 3. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Jg. 99 (1990), S. 173–202. Online verfügbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00005428?page=174, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Geschichte der Stadt Ingolstadt. Von den Anfängen bis 1505. Ingolstadt 2000.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried (Hrsg.): Geschichte der Stadt Ingolstadt. 1506-1600. Ingolstadt 2006.&lt;br /&gt;
* Hofmann, Siegfried: Ingolstadt, Neues Schloss. Historisches Lexikon Bayerns. 2013. Online verfügbar unter https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ingolstadt,_Neues_Schloss, zuletzt geprüft am 25.10.2023.&lt;br /&gt;
* Paradeplatz 4. In: Frank Becker, Christina Grimminger und Karlheinz Hemmeter (Hrsg.): Stadt Ingolstadt. Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler. 2 Bände. München 2002 (Denkmäler in Bayern, Bd. I.1), S. 373–380.&lt;br /&gt;
* Reindel, Kurt: Heinrich XVI. 1969 (Neue Deutsche Biographie, 8). Online verfügbar unter [https://www.deutsche-biographie.de/pnd129432466.html#ndbcontent, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129432466.html#ndbcontent,] zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Scherer, Herbert: Ferdinand Maria. 1961 (Neue Deutsche Biographie, 5). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd119105691.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Schuster, Max Eberhardt: Das neue Schloß in Ingolstadt. In: Das Bayerland (1961), S. 35–38.&lt;br /&gt;
* Schwertl, Gerhard: Stephan III. 2013 (Neue Deutsche Biographie, 25). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd124987885.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
* Straub, Theodor: Ludwig VII. 1987 (Neue Deutsche Biographie, 15). Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729381.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 26.10.2023.&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Autor=Kambach, Jasmin}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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		<id>https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/w/index.php?title=Datei:NeuesSchloss2021_ZentrumStadtgeschichte_UlliRoessle.jpg&amp;diff=1335</id>
		<title>Datei:NeuesSchloss2021 ZentrumStadtgeschichte UlliRoessle.jpg</title>
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		<updated>2023-10-27T07:10:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;J.Kambach: Blick auf das neue Schloss, 2021 (Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Ulli Rössle)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Blick auf das neue Schloss, 2021 (Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Ulli Rössle)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>J.Kambach</name></author>
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