Neues Schloss

Aus Stadt Ingolstadt Stadtgeschichtslexikon

Beitrag von Jasmin Kambach

Das Neue Schloss oder auch die Neue Veste liegt am Paradeplatz 4 im Südosten der Ingolstädter Altstadt. 1417/18 wurde der Bau einer neuen Residenz durch Herzog Ludwig VII. (auch Ludwig der Bärtige, *1368, † 1. Mai 1447 in Burghausen)[1] von Bayern-Ingolstadt begonnen und konnte um 1500 fertiggestellt werden.

Das Schloss gilt als Vorreiter des neuzeitlichen Schlossbaus in Deutschland.[2] Heute befindet sich dort das Bayerische Armeemuseum.

Blick auf das neue Schloss, 2021 (Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Ulli Rössle)

Vorgeschichte

Im Jahr 1392 kam es zur Landesteilung, wodurch Ingolstadt die Residenz des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt unter Stephan III. (auch Stephan der Kneißel, *um 1337, † 26. September 1413 in Niederschönenfeld)[3] wurde.

Seine Tochter Elisabeth verheiratete Stephan mit dem französischen König Karl VI. (* 1368 in Paris, † 1422 in Paris). Durch diese Eheschließung verbrachte auch sein Sohn Ludwig viele Jahre am französischen Königshof in Paris bei seiner Schwester Isabeau de Baviére (* evtl. 1370 als Elisabeth von Bayern, † 30. September 1435 in Paris)[4].[5]

Als Ludwig der Gebartete nach Deutschland und 1416 nach Ingolstadt zurückkehrte veranlasste er den Bau eines neuen Schlosses in Ingolstadt. Der seit dem 13. Jahrhundert als Schloss genutzte Herzogskasten (auch Altes Schloss), war nicht mehr als Residenz geeignet. Durch die 1358 begonnene Stadterweiterung, war er weiter in die Mitte gerückt und hatte dadurch seine fortifikatorische Lage verloren.[6]

Baugeschichte

Neues Schloss mit Militärbahnhof (W 1333, Zentrum Stadtgeschichte, Foto von Max Weiß)

1417/18 wurde mit dem Bau einer neuen, prachtvolleren Residenz begonnen. Bis zum Tod von Ludwig dem Gebarteten konnte jedoch nur der Rohbau fertiggestellt werden.[7] Bereits im Jahr 1420 kam der Bau, wohl ausgelöst durch den Bayerischen Krieg, zum Erliegen[8] und konnte erst 1425/29, nach der Rückkehr von Ludwig, wiederaufgenommen werden.[9] Nach der Wiederaufnahme des Baus wurde er nach Norden erweitert, wodurch das 1368 erbaute Feldkirchner Tor in die Residenz integriert wurde.[10] Da nun das westliche Stadttor anderweitig genutzt wurde, baute Ludwig als Ersatz das Neue Feldkirchner Tor.

1450 – nach dem Tod Ludwig des Gebarteten – wurde der Bau des Neuen Schlosses durch Herzog Heinrich XVI. den Reichen von Bayern-Landshut (* 1386, † 30. Juli 1450 in Landshut)[11] fortgesetzt.[12] Dieser richtete das Dach auf und stellte die Dürnitz unter Baumeister Hans Tichter fertig.[13]

1476-1489 erreichten die Ausbauarbeiten des Neuen Schlosses ihren Höhepunkt[14], u. a. mit Wölbungsarbeiten an den Räumen des ersten Obergeschosses. Die beiden Giebel wurden 1486 fertiggestellt.[15] Als Abschlussarbeiten wurden zwei Sonnenuhren durch den Meister Hanns Arndorff und den Maler Gabriel Herlin ausgefertigt.[16]

Um 1500 konnten die Bauarbeiten am Neuen Schloss unter Georg dem Reichen (* 15. August 1455 in Landshut, † 1. Dezember 1503 in Landshut) weitgehend abgeschlossen werden.[17]

Erst 1677 erfolgten weitere größere Baumaßnahmen unter Kurfürst Ferdinand Maria (* 31. Oktober 1636 in München, † 26. Mai 1679 in Schleißheim bei München),[18] die beispielsweise den Einbau der Treppe im südlichen Haupttrakt beinhalteten. Weitere Erneuerungsarbeiten wurden im 18. Jahrhundert durchgeführt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Nordhälfte des zweiten Obergeschosses sowie der Fünfeckturm durch einen Bombenangriff zerstört.[19]

Gesamtanlage

Die Gesamtanlage des Neuen Schlosses wurde im 15. Jahrhundert als Verteidigungsanlage konzipiert. Daher wurden die Hauptbauten von wasserführenden Gräben umgeben. An den Ecken standen Wehrtürme, zwei große Türme nach Osten zur Feindseite und zwei kleinere auf der Stadtseite.

Zum Schloss gehören das Palas, das Zeughaus (ehemaliger Getreidekasten von 1472/73)[20], der Marstall, die Statthalterei mit Feldkirchner Tor und die Kavaliersbauten.

Ein Tor mit Torturm von 1580 führt in den Schlosshof, dem im 18. Jahrhundert ein Uhrturm aufgesetzt wurde.[21] In der Mitte des Schlosshofes befindet sich der Johann-Nepomuk-Brunnen.

Raumprogramm

Der Zutritt zum Palas erfolgt durch ein Doppelportal. Im Erdgeschoss befinden sich auf der Südseite ein Vorplatz, die Kanzlei, die Ratsstube und Wohnräume. Nördlich befindet sich die Dürnitz, ein großer Tanzsaal.

Im ersten Obergeschoss befinden sich südlich die gewölbte Stube des gnädigen Herrn mit vorgelagertem Söller und ein Schlafraum mit geschnitzter Decke. In der Nordhälfte, über der Dürnitz, befindet sich der große Saal. In der Mitte des ersten Stockwerks befand sich die untere Kapelle mit dem „Stuhl“ des Herzogs. Darüber im zweiten Obergeschoss lag die „obere“ Kapelle mit Durchblick auf den Altar der darunter liegenden. Außerdem befand sich im zweiten Stockwerk der Trakt der Frauen.[22]

Nutzung

Ingolstadt konnte den Titel einer Hauptstadt auch nach dem Tod von Ludwig dem Gebarteten, als Bayern-Ingolstadt an Bayern-Landshut fiel, und nach Eingliederung in das weitgehend wieder vereinigte Bayern 1505 behalten. Daher diente das Neue Schloss den Herzögen weiterhin als Residenz.[23] Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde es als Kaserne genutzt, bis es 1788 nach dem Aussterben der bayerischen Wittelsbacher an das Militär übergeben wurde.[24]

Ab 1809 wurde begonnen, das Schloss zu einem Depot umzubauen, wodurch die Türme und Giebel abgetragen wurden. Bis 1918 wurde das Gebäude militärisch genutzt, unter anderem zur Unterbringung französischer Kriegsgefangener. 1925 bezogen das Stadtarchiv und Stadtmuseum die Räume des Schlosses und nutzen diese bis 1962. Lediglich im Zweiten Weltkrieg wurde die Neue Veste für militärische Zwecke genutzt. Nach einer Renovierung konnte 1972 das Bayerische Armeemuseum eröffnen, welches sich noch heute im Neuen Schloss befindet.[25]

Fußnoten

  1. Straub (1987).
  2. Häffner; Großmann (2003), S. 2.
  3. Schwertl (2013).
  4. Fantou-Kim (1974).
  5. Häffner; Großmann (2003), S. 8.
  6. Paradeplatz 4 (2002), S. 373.
  7. Häffner; Großmann (2003), S. 17.
  8. Hofmann (2013).
  9. Hofmann (2000), S. 280.
  10. Ebd., S. 186.
  11. Reindel (1969).
  12. Häffner; Großmann (2003), S. 10.
  13. Paradeplatz 4 (2002), S. 374.
  14. Hofmann (2000), S. 507.
  15. Hofmann (2013).
  16. Hofmann (2000), S. 499.
  17. Häffner; Großmann (2003), S. 17.
  18. Scherer (1961).
  19. Paradeplatz 4 (2002), S. 374.
  20. Ebd., S. 373.
  21. Hofmann (2013).
  22. Häffner; Großmann (2003), S. 32–49 und Hofmann (2013).
  23. Hofmann (2013).
  24. Paradeplatz 4 (2002), S. 374.
  25. Häffner; Großmann (2003), S. 12.

Quellen

Keramikfunde des Spätmittelalters und der Neuzeit, v.a. Ofenkacheln. Zentrum Stadtgeschichte A7143

Literatur

Empfohlene Zitierweise

Kambach, Jasmin: Neues Schloss. Hrsg. v. Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt. 2024 (Stadtgeschichtslexikon). Online verfügbar unter https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/wiki/Neues_Schloss (Version vom 31.05.2024), zuletzt geprüft am 24.06.2024.

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