Peter Apian

Aus Stadt Ingolstadt Stadtgeschichtslexikon

Beitrag von Maximilian Wöhrl

Peter Apian (eigentlich Peter Bienewitz oder Bennewitz, * 16. April 1495 in Leisnig, Sachsen, † 21. April 1552 in Ingolstadt) war ein deutscher Mathematiker, Geograf, Kartograf und Astronom. Das Apian-Gymnasium sowie die Apianstraße im Süden Ingolstadts sind nach ihm und seinem Sohn Philipp Apian benannt.

Leben und Werk

Bildunterschrift: Petrus Apianus Leisnicensis. Divi Imp. Caroli V. mathematicus et comes palat. caes. equestr. dignit et in academia Ingolstadiana mathes. profess. publi.
Peter Apian, um 1700 (Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt/Stadtarchiv, Graph. Smlg. III 91, Kupferstich von Wolfgang Philipp Kilian).

Peter Apian wurde am 16. April 1495 als Sohn des Ehepaars Martin und Gertrud Bienewitz im sächsischen Leisnig geboren. Er studierte in Leipzig und Wien und kam schließlich 1527 für einen Lehrauftrag in Mathematik an die Bayerische Landesuniversität nach Ingolstadt.[1] Nachdem er im kursächsischen Territorium eine Zeit lang topographischen Studien nachgegangen war, wurde sein Name durch die Publikation seines „Cosmographicus Liber“ im Jahre 1524 einem breiteren Publikum bekannt. Das Werk leistete einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Unterstützung der Navigationskunde und erhielt mehrere Auflagen, von denen die letzte aus dem Jahr 1581 als die beste gilt. Es wurde in verschiedene Sprachen übersetzt.[2] In seinem Buch griff Apian den von Johannes Werner vertretenen Ansatz der Längenmessung durch Monddistanzen auf und verfeinerte ihn. Seine Thesen gingen dabei über die bisherigen, auf Ptolemäus basierenden, Forschungsansätze hinaus. Hervorzuheben ist hier vor allem ein herzförmiger Kartenentwurf der Oberfläche der Erdkugel, der fortschrittlicher war als alle bisherigen Karten.[3]

Im Zuge der Renaissance wurde das bisherige Weltbild infrage gestellt und musste neu gedacht werden, was sich auch im Kartenmaterial dieser Zeit widerspiegelte. Die erste der zwei herzförmigen Weltkarten Apians entstand im Jahr 1520, also noch zu seiner Wiener Zeit. Die zweite stellte er 1530 fertig, als er bereits seinem Lehrauftrag in Ingolstadt nachging.[4] Hierbei handelte es sich um einen 53,5 x 39 cm großen Holzschnitt mit zwei Inschriftkartuschen. Eine Inschrift bezeugte das kaiserliche Privileg, welches auf die Bedeutung des Kaisers für Apian und sein Werk schließen lässt. Die zweite ist eine Widmung an den bayerischen Kanzler Leonhard von Eck, von welchem er 1527 den Lehrauftrag in Ingolstadt erhielt.[5] Von Apian erworbene kaiserliche Schutzbriefe – einen am 20. Oktober 1530 und einen zweiten am 3. Juli 1532 – bewahrten sein gesamtes Lebenswerk vor Raubdrucken und schützten so sein geistiges Eigentum vor unzulässigen Kopierversuchen.[6] Bereits 1526 hatte er zusammen mit seinem Bruder Georg Apian die Universitätsdruckerei „Academia“ eröffnet, womit er sich einen lange gehegten Traum erfüllte.[7]

1531 studierte er Kometen – insbesondere den Halleyschen Kometen – und stellte fest, dass deren Schweife stets von der Sonne abgewandt sind.[8] Seine Studien veranlassten ihn dazu, sich eingehend mit Sonnenuhren und astronomischen Instrumenten auseinanderzusetzen, wobei er auch einen Höhenquadrant selbst entwarf, mit dem es möglich war, die Beobachtungszeit bestimmter Sterne abzulesen.[9] Die Instrumente stellte er in Büchern vor, die in der hauseigenen Druckerei entstanden.[10] Seine Studien zur Lösung sphärisch-trigonometrischer Probleme veröffentlichte Apian 1540 in dem Werk „Astronomicum Caesareum“. Das Buch gilt als das letzte große astronomische Standardwerk, dem ein geozentrisches Weltbild zugrunde liegt.[11] Ebenso enthalten waren seine Beobachtungen bezüglich der Periodizität eines von ihm beobachteten Kometen, der später nach ihm benannt wurde.[12] In seiner Druckerei entstanden auch die zwei Himmelskarten von 1533 und 1536 bzw. 1540. Letztere erhielt den Namen „Imagines syderum coelestium“ und wurde 1540 im „Astronomicum Caesareum“ neu veröffentlicht.[13]

Kaiser Karl V., der einer seiner Schüler gewesen sein soll und dem Apian eines seiner Geräte vorgeführt hatte,[14] förderte seine Forschungen finanziell, erhob ihn 1541 – samt seiner Brüder Nikolaus, Georg und Gregor – in den Adelsstand[15] und ernannte ihn 1544 zum Hofpfalzgrafen.[16] Schon zu Lebzeiten hatte er den Ruf eines berühmten Mathematikers, Geografen und Astronomen. Zu seinen Gönnern zählten neben Kaiser Karl V. auch Herzog Georg von Sachsen, die Pfalzgrafen Ottheinrich und Philipp von Neuburg sowie Raimund Fugger samt der gesamten Fugger-Familie.[17]

Peter Apian starb am 21. April 1552 schwerkrank in Ingolstadt unter zahlreichen Trauerbekundungen von Verwandten, Bekannten und hohen Würdenträgern. Die Franziskanermönche setzten seinen Leichnam bei. Wo genau sich das Grab Apians befindet, ist nicht bekannt. Es steht die Vermutung im Raum, dass er seine letzte Ruhestätte im Kloster der Franziskaner fand, das zu jener Zeit ein beliebter Beisetzungsort für Wohlhabende und den Adel war. Die Theorie, dass die Jesuiten die Inschriftentafel mit seinem Namen entfernen ließen, als sein Sohn Philipp zum Protestantismus konvertierte, klingt plausibel.[18]

Persönliches

Peter Apian verbrachte sein Leben bis zu seiner Berufung nach Ingolstadt großenteils in Landshut, wo er seine Frau Katharina kennenlernte, die er schließlich noch in Landshut heiratete. Ihr Vater, der Landshuter Schuhmacher Thomas Mosner, zog später ebenfalls nach Ingolstadt und wurde dort Ratsherr. Apian und seine Frau blieben bis zu seinem Tod 26 Jahre lang verheiratet und hatten 14 Kinder, von denen das vierte der ebenfalls berühmt gewordene Philipp Apian war.[19]

Werke (Auswahl)

  • Cosmographicus Liber (Landshut 1524)
  • Ein künstlich Instrument oder Sonnen ur, dardurch auch vil nutzbarliche Dinge gefunden werden (Landshut 1524)
  • Ein newe und wolgegründete underweisung aller Kauffmanns Rechnung in dreien Bücher (Ingolstadt 1527)
  • Instrument Buch (Ingolstadt 1533)
  • Astronomicum Caesareum (Ingolstadt 1540)

Fußnoten

  1. Hartner (1953).
  2. Ebd.
  3. Ebd.
  4. Hofmann (2006), S. 629-632.
  5. Ebd., S. 632.
  6. Ebd.
  7. Hartner (1953).
  8. Ebd.
  9. Ebd.
  10. Hofmann (2006), S. 640.
  11. Ebd., S. 637.
  12. Hartner (1953).
  13. Hofmann (2006), S. 633.
  14. Hartner (1953).
  15. Müller (1983).
  16. Hartner (1953).
  17. Gruber (1923), S. 18.
  18. Ebd., S. 18f.
  19. Ebd., S. 4.

Literatur

Empfohlene Zitierweise

Wöhrl, Maximilian: Peter Apian. Hrsg. v. Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt. 2024 (Stadtgeschichtslexikon). Online verfügbar unter https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/wiki/Peter_Apian (Version vom 14.06.2024), zuletzt geprüft am 24.06.2024.

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung von Stadt Ingolstadt Stadtgeschichtslexikon. Durch die Nutzung von Stadt Ingolstadt Stadtgeschichtslexikon erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.