Weinhandel in Ingolstadt

Aus Stadt Ingolstadt Stadtgeschichtslexikon

Beitrag von Maximilian Wöhrl

Obwohl der Name Ingolstadt aufgrund des Landtages von 1516 eng mit dem Bier verbunden ist, war der Handel mit Wein neben dem Salzhandel lange Zeit eines der wichtigsten ökonomischen Standbeine der Stadt.

Geschichte

Die Anfänge des Weinhandels in Ingolstadt liegen infolge fehlender Quellen im Dunkeln. Ein Rechnungsbuch des Viztumamtes im oberbayerischen Teilherzogtum von 1291 bis 1294 gibt Weinkäufe für den herzoglichen Hof an und ist damit der erste schriftliche Beleg für den Ingolstädter Weinhandel. Durch diese Käufe, die häufig mit Kreditaufnahmen seitens des Landesherrn einhergingen, wollte man die Versorgung des Herzogs mit Wein sicherstellen, wenn sich dieser in Ingolstadt oder Umgebung – wie Riedenburg oder Weltenburg/Neustadt – aufhielt.[1] Bei der Sorte handelte es sich meist um Neckarwein aus Anbaugebieten in Württemberg, wobei auch Welschwein für den Hof der Herzogin in München angekauft wurde.[2]

Der Handel mit und Ausschank von Wein gehörte dabei zu den Bürgerrechten, die wiederum eng mit den Bürgerpflichten verbunden waren.[3] Handel und Ausschank müssen hierbei getrennt voneinander betrachtet werden.[4] Zu den Bürgerpflichten gehörte unter anderem das Zahlen von Steuern, weshalb man auch die Konzession für den Weinausschank verlor, wenn man von der Steuer befreit wurde.[5] Ebenso war es Handwerkern untersagt, Wein auszuschenken. Die herzoglichen Brüder Stephan III. und Friedrich hatten am 19. November 1384 verfügt, dass ein Handwerksmann nur dann Wein ausschenken dürfe, wenn er sein Handwerk während dieser Zeit ruhen lasse.[6] Später war der Ausschank von Wein nur noch entsprechend berechtigten Schenken möglich.[7]

In Ingolstadt gab es viele private Keller, in denen Wein gelagert wurde.[8] Aber auch die Stadt selbst hatte Weinkeller anlegen lassen, in denen man Wein aus den Anbaugebieten an Rhein, Neckar und Main deponierte.[9] Die Weine aus diesen Gebieten sowie Südtiroler und südländische Weine kamen hauptsächlich über den Landweg nach Ingolstadt, wie der Ingolstädter Lehrer und Historiker Hanns Kuhn festgestellt hat. Österreichische Weine gelangten hingegen hauptsächlich über die Donau in die Stadt.[10] Aufgrund des Stapelrechts – also des Rechts, Güter und Waren wie Wein in der Stadt zu lagern – wurde Ingolstadt zum tonangebenden Umschlagplatz für Wein an der Donau.

Die Konkurrenz mit Ulm führte im 16. Jahrhundert zu einem Wirtschaftskrieg, der zum Einbruch und schließlich zum Ende des Ingolstädter Weinhandels führte. Durch die sogenannte „Ulmer Fahrt“, die 1569 verboten wurde, entzogen sich viele Weinkäufer dem Niederlags- bzw. Stapelzwang und erwarben ihre Waren direkt in Ulm. Einige Weinwirte versprachen sich dadurch günstigere Einkaufspreise[11] und unterstützten diesen Vorgang, der den fast vollständigen Einbruch des Weinhandels in Ingolstadt zur Folge hatte.[12] In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erholte sich der eingebrochene Markt allmählich, die Landes- und Polizeiordnung von 1616 reglementierte den Ausschank.[13] Zu einem maßgeblichen ökonomischen Faktor wurde der Weinhandel für Ingolstadt jedoch nicht mehr.

Wirtschaftliche Bedeutung

Aufgrund des Niederlagsrechts von 1402 sowie der sich kreuzenden Fernwege hatte sich in Ingolstadt schon im 15. Jahrhundert ein florierender Weinhandel etabliert, von dem die ganze Stadt wirtschaftlich profitierte.[14] Wein war wie die meisten anderen Güter von der Zollpflicht betroffen, auch wenn die Bürger beim Kauf für den Eigenbedarf vom Zoll befreit waren.[15] Die Quellen lassen darauf schließen, dass sich eine breite Schicht von Bürgern am Weinhandel beteiligte.[16] Wer teilhaben wollte, brauchte einen sogenannten „Urban“, eine Marke auf welcher der heilige Urban abgebildet war.[17] Umschlagplatz war der Weinmarkt, aufbewahrt wurde der Wein in der Weingret in der Theresienstraße, die als vornehmste Straße Ingolstadts galt. An diesen Markt war der gesamte Handel mit Wein gebunden, auch wenn es Ausnahmen, zum Beispiel für den Hausbedarf der Professoren, Priester[18], Ritterschaft und Prälaten, gab.[19] Im 15. Jahrhundert konnten durch den Verkauf von Wein durchschnittlich 15.000 Gulden erwirtschaftet werden. Durch das stetige Wachstum des Marktes waren es im 16. Jahrhundert im Durchschnitt sogar 34.000 Gulden.[20]

Fußnoten

  1. Hofmann (2000), S. 94.
  2. Ebd., S. 94.
  3. Schönewald (2000), S. 35.
  4. Hofmann (2000), S. 94.
  5. Schönewald (2000), S. 35.
  6. Hofmann (2000), S. 94.
  7. Hofmann (2006), S. 263.
  8. Hofmann (2000), S. 343.
  9. Schönewald (2000), S. 35.
  10. Hofmann (2006), S. 261f.
  11. Schönewald (2000), S. 36.
  12. Hofmann (2006), S. 262.
  13. Hofmann (2012), S. 62.
  14. Ebd., S. 261.
  15. Hofmann (2000), S. 94.
  16. Hofmann (2006), S. 262.
  17. Ebd., S. 262.
  18. Ebd., S. 264.
  19. Hofmann (2012), S. 62f.
  20. Schönewald (2000), S. 35.

Literatur

  • Hofmann, Siegfried: Geschichte der Stadt Ingolstadt. 1506-1600. Ingolstadt 2006.
  • Hofmann, Siegfried: Geschichte der Stadt Ingolstadt. Von den Anfängen bis 1505. Ingolstadt 2000.
  • Hofmann, Siegfried: Ingolstadt im 17. Jahrhundert. München 2012 (Das Bayerische Jahrtausend, Bd. 7).
  • Schönewald, Beatrix: Ingolstadt - vom Werden einer Stadt. Geschichten und Gesichter. In: Stadt Ingolstadt, Stadtmuseum Ingolstadt, Deutsches Medizinhistorisches Museum und Bayerisches Armeemuseum (Hrsg.): Ingolstadt - vom Werden einer Stadt. Geschichten & Gesichter. Bildband zur Ausstellung 5. Mai bis 3. September 2000 im Klenzepark in Ingolstadt.

Empfohlene Zitierweise

Wöhrl, Maximilian: Weinhandel in Ingolstadt. Hrsg. v. Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt. 2024 (Stadtgeschichtslexikon). Online verfügbar unter https://stadtgeschichtslexikon.ingolstadt.de/wiki/Weinhandel_in_Ingolstadt (Version vom 31.05.2024), zuletzt geprüft am 24.06.2024.

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